Prozess

Zürcher Gericht spricht Journalistin der üblen Nachrede schuldig

23. Januar 2024, 11:44 Uhr
Das Bezirksgericht entscheidet am Dienstag über eine Ehrverletzungsklage gegen eine Journalistin. Sie hatte über die politischen Einstellungen eines deutschen Managers berichtet. (Archivbild)
© KEYSTONE/ENNIO LEANZA
Das Bezirksgericht Zürich hat eine Journalistin von kath.ch der üblen Nachrede schuldig gesprochen. Sie habe in einem Artikel den Eindruck erweckt, ein deutscher Manager sei antidemokratisch und antisemitisch.

Als Beweis für den Antisemitismus des Managers sei nur eine Quelle genannt worden, der Antisemitismus-Beauftragte von Baden-Württemberg, sagte der Richter bei der Urteilsbegründung.

Der Artikel erwecke aber den Eindruck, dass die Vorwürfe von vielen Personen stammten. «Es gibt nicht genug Belege, um ihm eine allgemein antisemitische Gesinnung anzudichten», sagte der Richter.

Eine Nähe zur AfD werde zwar seiner Firma zugeschrieben, doch man gewinne den Eindruck, dass er als Chef ebenfalls gemeint sei. Eine generelle antidemokratische Gesinnung des Managers sah der Richter nicht als erwiesen an. Insgesamt seien die Vorwürfe geeignet, den Mann in seiner Ehre zu verletzen.

Bedingte Geldstrafe ausgesprochen

Im Artikel auf kath.ch ging es um die Ausladung des Managers als Redner vor dem Churer Dekanat. Ein öffentliches Interesse an diesem Vorgang bestehe durchaus. Das hätte aber auch beschrieben werden können, ohne den Manager als «Staatsfeind» und Antisemiten zu bezeichnen, hielt der Richter fest.

Das Bezirksgericht sprach eine bedingte Geldstrafe von 30 mal 120 Franken aus. Für diese gilt eine Probezeit von zwei Jahren. Das Urteil kann noch ans Obergericht weitergezogen werden.

Quelle: sda
veröffentlicht: 23. Januar 2024 10:19
aktualisiert: 23. Januar 2024 11:44