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Signa Holding mit Forderungen von 8,6 Milliarden Euro konfrontiert

29. Januar 2024, 14:35 Uhr
Die Signa Holding von René Benko sieht sich mit milliardenhohen Forderungen konfrontiert. Das zeigt sich in dem am Montag vom Insolvenzverwalter vorgelegten Bericht.(Archivbild)
© KEYSTONE/DPA/MARCEL KUSCH
Die Gläubiger der Signa Holding haben Forderungen von 8,613 Milliarden Euro angemeldet. Das geht aus dem Bericht des Insolvenzverwalters Christof Stapf hervor, den er am Montag der Gläubigerversammlung vorgelegt hat.

In einem ersten Schritt wurden laut dem Bericht von den bisher 302 Forderungsanmeldungen nur 80,3 Millionen Euro anerkannt, 8,533 Milliarden Euro vorläufig bestritten.

Viele Forderungen wurden laut den Angaben erst spät oder nach Ablauf der Anmeldefrist eingebracht. Und bei einem Drittel der Forderungen wurden nicht die entsprechenden Unterlagen zum Nachweis der Ansprüche vorgelegt, wie aus dem Prüfbericht weiter hervorgeht. Es ist somit davon auszugehen, dass die Höhe der anerkannten Forderungen noch kräftig steigen wird.

Gläubiger können innerhalb von 2 Monaten ihre Forderungen durch eine Klage beim Insolvenzgericht geltend machen. Der Insolvenzverwalter wiederum prüft die Forderungen und wird sie gegebenenfalls anerkennen. «Es wird an den Gläubigern liegen, die für eine ordnungsgemässe Bearbeitung der Forderungsanmeldungen erforderlichen Unterlagen über das Insolvenzgericht zur Verfügung zu stellen», sagte Stapf.

Hohe Haftungsansprüche

Rund 5,1 Milliarden Euro der bisher angemeldeten Forderungen entfallen auf Haftungsansprüche aus Garantien und Patronatserklärungen und 1,6 Milliarden Euro auf Passiva aus gruppeninternen Zahlungen, wie es weiter heisst. Wobei letztere «Intercompany-Verbindlichkeiten» wurden vom Insolvenzverwalter vollständig bestritten. Und 1,04 Milliarden Euro entfallen auf Darlehensverbindlichkeiten.

Vergleichsweise moderat fallen die Schadenersatzforderungen mit 124 Millionen Euro und die Honorarforderungen mit 33 Millionen Euro aus. Aussenstände aus Lieferungen und Leistungen, öffentlichen Abgaben und Mietforderungen summieren sich gar nur auf 2,7 Millionen Euro, so der Bericht.

Unabhängig davon sind noch zwei Schiedsklagen von Mubadala (VAE) und AM1 (Al Mirqab Capital, Katar) offen: Es geht dabei um die Zahlung von 713 Millionen beziehungsweise 296 Millionen Euro. Die Signa Holding hat wegen der Insolvenz die Unterbrechung beider Verfahren beantragt.

Aktive werden verwertet

Aktuell wird nicht nur das nicht benötigte Umlauf- und Anlagevermögen verkauft - auch Beteiligungen wie die Signa RFR US Selection, Kadens Capital sowie die Medienbeteiligungen sollen verwertet werden. Deloitte wurde mit der Bewertung der Beteiligungen betraut, Verhandlungen über den Verkauf dieser Beteiligungen seien im Laufen.

Weiter erstellen Stapf und Deloitte einen Finanzierungsplan und prüfen die Werthaltigkeit der Aktivforderungen. Ausserdem werde auch die Anfechtbarkeit mehrerer Geschäftsfälle im Zeitraum von 12 Monaten vor der Insolvenzeröffnung untersucht.

Schweiz muss Verfahren anerkennen

In der Schweiz muss erst das Insolvenzverfahren der Signa Holding anerkannt werden, um überhaupt Informationen zum Nachlassverfahren der schweizerischen Tochtergesellschaften der Signa Retail zu erhalten. In der Schweiz ist die Gruppe mit 50 Prozent an der Warenhausgruppe Globus beteiligt.

Da die Insolvenzverwalter der Signa-Gruppe unterschiedliche Interessen zu vertreten haben, gibt es bisher kein gruppenübergreifendes Lenkungsgremium. Ein Gutachten soll nun die wechselseitigen Informationspflichten der Signa Development und Signa Prime mit der Insolvenzmasse der Signa Holding klären.

Quelle: sda
veröffentlicht: 29. Januar 2024 14:35
aktualisiert: 29. Januar 2024 14:35