Der Thurgau erforscht den Untergrund für die Nutzung von Geothermie
Mit sogenannten Vibrationsfahrzeugen in der Grösse eines Lastwagens werden auf einer Fläche von 430 Quadratkilometern mittels kurzer, leicht spürbarer Vibrationen von wenigen Minuten an zahlreichen Standorten Messungen vorgenommen. Das teilte der Kanton Thurgau am Donnerstag zusammen mit der Aktiengesellschaft Geothermie Thurgau mit.
Das Gebiet zwischen Frauenfeld TG, Wil SG und Winterthur ZH erstreckt sich über 34 Thurgauer, 5 St. Galler und 10 Zürcher Gemeinden. Messungen auch jenseits der Kantonsgrenze seien nötig, um ein vollständiges Abbild des zu untersuchenden Untergrunds zu erhalten, welcher vollständig im Kanton Thurgau liege.
Vom Vibrationsfahrzeug erzeugte seismische Wellen werden von den verschiedenen Schichten im Untergrund reflektiert und an die Oberfläche zurückgesandt und dort aufgezeichnet. Die Fahrzeuge bewegen sich laut den Verantwortlichen auf bestehenden Strassen und Wegen.
Projektkosten von rund 50 Millionen Franken
Mit den Untersuchungen sollen die wissenschaftlichen Grundlagen für eine nachhaltige und sichere Energieversorgung geschaffen werden, «unabhängig von Wetter, Jahreszeit und Importen», erklärte Bernd Frieg, Geschäftsführer von Geothermie Thurgau. Von den Messungen bis zu einer Tiefe von 4000 Metern wird ein genaues Abbild über den Aufbau der geologischen Schichten im Untergrund erwartet.
Die Ergebnisse sollen schliesslich öffentlich zugänglich werden und die Grundlage für künftige Planungen von Tiefenbohrungen bieten, beispielsweise für Gemeinden, Landwirtschaftsbetriebe sowie für Gewerbe und Industrie.
Untersucht werde eine Region, in der eine wirtschaftliche Nutzung von Geothermie besonders vielversprechend sei, betonten die Verantwortlichen. Die Messkampagne ist im Winter 2027/28 während rund vier Monaten vorgesehen.
Für das Projekt «Thurgauer Energie aus dem Untergrund 2030» wird mit Kosten von rund 50 Millionen Franken gerechnet. Es finanziert sich hauptsächlich mit 20 Millionen Franken aus der Teilprivatisierung der Thurgauer Kantonalbank (TKB) sowie durch das Bundesamt für Energie, welches Mittel in ähnlicher Höhe zugesagt habe, wie an der Medienkonferenz bekanntgegeben wurde.
Erfahrungen aus einem Projekt in Schlattingen TG
Die Verantwortlichen des Projekts zur Erforschung des Untergrunds stützen sich auch auf Daten und Erfahrungen eines bereits abgeschlossenen Geothermie-Projekts in Schlattingen TG. Dort wird Wasser aus einer Tiefe von rund 1200 Metern zur Beheizung der Gewächshäuser eines Gemüseproduzenten genutzt.
Die damaligen Bohrungen dienten nicht nur zur Energiegewinnung, sondern ermöglichten auch Einblicke in den Untergrund. Der Thurgau reichte dafür beim Bund ein Forschungsprojekt ein.
Im aktuellen Messgebiet müsste deutlich tiefer gebohrt werden als in Schlattingen. Dafür wird heisseres Wasser mit rund 110 Grad Celsius erwartet.