Nationalmannschaft

«Wir dürfen die negative Entwicklung nicht unterschätzen»

22. November 2023, 12:32 Uhr
Pierluigi Tami steht vor klärenden Gesprächen mit Nationaltrainer Murat Yakin
© KEYSTONE/PETER KLAUNZER
Wie geht es im Schweizer Nationalteam weiter nach den bescheidenen Leistungen in der EM-Qualifikation? Direktor Pierluigi Tami nimmt Stellung.

Pierluigi Tami, wie lautet Ihr Fazit zu dieser EM-Qualifikation?

«Das Hauptziel haben wir erreicht. Wir nehmen an der Endrunde in Deutschland teil. Ich verheimliche aber nicht, dass ich mir in den letzten Monaten Sorgen um diese Qualifikation gemacht habe, und froh war, als sie feststand. Denn das Team befindet sich in einer schwierigen Phase. Wir sind nicht mehr effizient, und wir sind nicht mehr solide. Nach dem sehr guten Start gegen Belarus und Israel (5:0 und 3:0, Red.) haben wir mit einer Ausnahme in jedem Spiel mindestens ein Tor erhalten. Was zwischen den beiden Sechszehnern passiert, ist gut, aber im Strafraum waren wir auf beiden Seiten ungenügend.»

Es muss schmerzen, wenn man feststellt, dass man nicht mehr solide ist.

«Die vier Spiele im März und Juni waren wirklich gut, auch das 2:2 gegen Rumänien. Die zwei späten Gegentore lassen sich als Unfall abstempeln. Dann konnten wir sehen, wie schnell es im Fussball geht. Von der Sicherheit und Entschlossenheit war ab September nichts mehr zu sehen. Nun gilt es abzuklären, wie das passieren konnte. Dies werden wir mit Murat (Yakin) gemeinsam besprechen. Denn er war sowohl beim starken Beginn wie auch beim schwachen Schluss unser Trainer.»

Was war in dieser Kampagne speziell?

«Zum ersten Mal galt die Schweiz als klarer Favorit auf den Gruppensieg. Wir müssen feststellen, dass wir dieser Rolle nicht gewachsen sind. Unsere Leistungen auf dem Platz haben nicht gezeigt, dass wir diesen Status verdient haben.»

Kann man nach diesen Leistungen sagen, dass die Schweiz sicher mit Murat Yakin an die EM geht?

«Murat Yakin hat einen bis nach der EM gültigen Vertrag. Nun müssen wir uns fragen, wie wir uns optimal auf die Europameisterschaft vorbereiten. Dabei möchte ich von Murat wissen, was zum Schluss dieser Qualifikation schiefgelaufen ist und wo er Lösungsansätze sieht, bevor wir Entscheide treffen.»

Und wenn man dann zum Schluss kommt, dass Yakin nicht der richtige Trainer ist?

«Ich war am Anfang derjenige, der Murat Yakin unbedingt holen wollte. Und mit ihm haben wir vieles erreicht. Wir haben uns in der WM-Qualifikation gegen Italien durchgesetzt, was niemand gedacht hätte. Wir konnten uns in der Nations League nach drei Niederlagen in der höchsten Liga halten. Wir wollten uns für die EM qualifizieren, und das haben wir auch geschafft. Die Bilanz spricht für ihn. Aber wir dürfen die negative Entwicklung der Mannschaft nicht unterschätzen. Wenn in der Analyse herauskommt, dass alles Zufall war, dann nehmen wir das so hin. Aber das bezweifle ich. Wir werden dieser Frage ganzheitlich nachgehen.»

Quelle: sda
veröffentlicht: 22. November 2023 12:32
aktualisiert: 22. November 2023 12:32