Wieso das Thuner System trotz diverser Abgänge weiter funktioniert
Der FC Thun hat nach wie vor alle Chancen, die 3. Qualifikationsrunde zu erreichen. Er war gegen den favorisierten Meister aus Kroatien bis zur 86. Minute gar in Führung und nahe dran an einem Sieg.
Entsprechend positiv gab sich Captain Marco Bürki nach der Partie. «Für ein erstes Spiel war es sehr gut», sagte der 33-Jährige, «die neuen Spieler haben sich sofort super integriert. Es war ein sehr erfrischender Auftritt.» Doch Bürki weiss auch, dass noch nicht alles optimal war. «Wir wussten, dass der Druck in der zweiten Halbzeit kommen wird. Wir wollten uns eigentlich nicht hinten reindrücken lassen.»
In eine ähnliche Richtung analysierte Valmir Matoshi. Der 23-jährige Mittelfeldspieler sagte zwar, dass sie als Mannschaft ihre Prinzipien noch besser umsetzen müssten. Aber: «Es war eine neue Situation. Deswegen bin ich umso stolzer auf die Mannschaft, dass wir es so gut gelöst haben.»
Privitelli geht den Weg weiter
Tatsächlich ist die Thuner Leistung noch höher einzustufen, wenn man die Transfers des Sommers beachtet. Teamstützen wie Leonardo Bertone, Elmin Rastoder, Kastriot Imeri oder Ethan Meichtry verliessen den Verein, auch Erfolgstrainer Mauro Lustrinelli, der Thun zum Aufstieg und dem Meistertitel führte, suchte sich in Form der Bundesliga eine neue Herausforderung.
Doch die vielen Veränderungen waren dem Thuner Spiel nicht anzumerken. Die Berner Oberländer spielten so, wie sie es in der vergangenen Spielzeit bereits taten, kamen auch gegen das favorisierte Dinamo immer wieder zu Chancen.
Viel von der Leistung am Dienstagabend basiere auf der Vorarbeit, gerade, was die Tiefe und Direktheit anbelange, sagte der neue Trainer Gian-Luca Privitelli nach der Partie. «Es wäre der Holzweg, wenn man an einen Ort kommt, an dem fantastische Arbeit geleistet wurde, und man alles anders macht.» Im Team habe man darüber gesprochen, was man von der vergangenen Saison unbedingt bewahren wolle.
Angesprochen darauf, dass Thun trotz der Abgänge noch immer gleich spiele wie in der vergangenen Saison, sagte Matoshi: «Das ist, denke ich, eine Stärke von uns. Wir brauchen keine grossen Namen in unserer Mannschaft. Die, die hier sind, sind top Spieler, mit denen wir gut arbeiten können. Alle haben die FC-Thun-DNA, auch die neuen Spieler haben sich innert kürzester Zeit etabliert.»
Dass das System weiterhin funktioniert, dürfte Privitelli und seine Mannschaft vor dem Rückspiel am kommenden Dienstag optimistisch stimmen. Bereits klar ist aber - es wird keine einfache Partie.
Nachteil auf dem Papier
Vor allem deswegen, weil für Thun am Wochenende der Super-League-Auftakt gegen Luzern bevorsteht, während Dinamo Zagreb bis zum Rückspiel Pause hat. «Wir machen das Beste draus, keine Ausreden», sagt Privitelli dazu. Trotzdem schimmert durch seine Aussagen durch, dass die Umstände zum Nachteil werden könnten. «Wir müssen uns gut regenerieren. Sie haben kein Ligaspiel, das ist sicher unglücklich von der Planung.»
Ob sich dieser Nachteil, der auf dem Papier besteht, auch im Match widerspiegelt, zeigt sich in einer Woche. Privitelli bilanzierte nach der Partie optimistisch: «Wir sind gefährlich, wenn wir unsere Sache gut machen. Und wir haben noch Luft nach oben, sind aber trotzdem schon dran. Das stimmt mich positiv.» Auch Matoshi gab sich unmittelbar nach dem Schlusspfiff optimistisch: «Ich bin überzeugt von unseren Qualitäten, dass wir auch dort gewinnen können.»