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Wer in Sölden glänzte, wer fehlte und wer überraschte

Ski alpin

Wer in Sölden glänzte, wer fehlte und wer überraschte

26. Oktober 2026, 08:02 Uhr
Loïc Meillard, Lucas Pinheiro Braathen und Marco Odermatt unterstreichen in Sölden ihre Ambitionen
© KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER
Der Weltcup-Auftakt in Sölden bot Skisport auf höchstem Niveau. Sechs Aspekte, die am Wochenende auffielen.

Ein Dreikampf um die (grosse) Kugel

Seit Marco Odermatt 2022 seinen ersten Sieg im Gesamtweltcup feierte, ist er von der Spitze nicht mehr wegzudenken. Um mehrere hundert Punkte distanzierte der Nidwaldner die Konkurrenz in den vergangenen Jahren, fünfmal in Folge holte er die grosse Kristallkugel. In dieser Saison könnte es jedoch wieder spannender werden. Lucas Pinheiro Braathen kündigte an, Odermatt entthronen zu wollen und liess seinen Worten mit dem Triumph in Sölden bereits ein erstes Mal Taten folgen.

Der Brasilianer hat angekündigt, auch im Super-G Fuss fassen und Ende November in Copper Mountain starten zu wollen. Damit könnte der Techniker bald schon wie Odermatt in drei Disziplinen punkten. Das muss er auch, will er das Rennen um den Gesamtweltcup tatsächlich spannend machen.

Nach dem ersten Riesenslalom der Saison zeichnet sich ein Dreikampf um die kleine Kristallkugel zwischen Odermatt, Pinheiro Braathen und Loïc Meillard ab. Ob der Slalom-Olympiasieger auch im Kampf um die grosse Kugel mitmischen wird, ist hingegen fraglich. Als frischgebackener Vater verzichtet er bis Ende Jahr auf Super-G-Rennen, um mehr Zeit mit seiner Tochter zu verbringen.

No Lara, no Party!

Lara Gut-Behrami sorgte in den vergangenen Jahren zum Saisonauftakt für die Schweizer Glanzmomente. Fünfmal stieg sie in Sölden auf das Podest, dreimal gewann sie das Rennen im Ötztal. Neben der Tessinerin schaffte es mit Sonja Nef (2001) nur eine weitere Schweizerin in Sölden auf das Treppchen. Camille Rast soll die Lücke schliessen, die der Rücktritt von Gut-Behrami im Schweizer Team hinterlassen hat.

Der Walliserin ist dies durchaus zuzutrauen. In Sölden sorgte sie für das mit Abstand beste Resultat von Swiss-Ski. Eine Podestklassierung vergab sie im zweiten Lauf. «Es ist noch keine Liebesgeschichte mit Sölden und mir», sagte Rast nach dem Rennen. In Sölden gilt aus Sicht der Schweizerinnen also weiterhin: No Lara, no Party!

Die jungen Wilden nehmen Fahrt auf

Während die grossen Namen bereits zum Auftakt lieferten, meldeten gleich mehrere Junge aus dem Swiss-Ski-Team ihre Ambitionen an. Bei den Männern schaffte Lenz Hächler den Sprung unter die besten 30 und holte zum zweiten Mal in seiner Karriere Weltcup-Punkte. Bei den Frauen erreichte mit Stefanie Grob ebenfalls eine talentierte Athletin die Top 30. Die 19-jährige Dania Allenbach verpasste den zweiten Lauf nur um sechs Hundertstel.

Drei Comebacks

Gino Caviezel ist zurück im Weltcup-Zirkus. In Sölden gab der Bündner sein «Comeback 2.0», nachdem er seit seinem Sturz in Bormio im Dezember 2024 einzig in Schladming diesen Januar ein Rennen gefahren war. Punkte gab es für Caviezel (49.) keine. «Das Wichtigste ist, dass ich zurück bin», sagte er nach dem Rennen. Doch auch der Ehrgeiz blitzte nach der langen Verletzungspause bereits wieder durch. «Ich bin immer noch ein Rennhund. Ich bin sehr enttäuscht. Aber auch das gehört dazu. Es kommen noch viele Rennen», so der 34-Jährige.

Glücklicher verlief das Comeback von Petra Vlhova. 1008 Tage nach ihrem Sturz in Jasna, bei dem sie sich das Kreuz- und Innenband im rechten Knie riss, kehrte die Slowakin in den Weltcup zurück. Dabei wusste sie als Elfte vor allem im ersten Durchgang zu überzeugen. In der Entscheidung und bei deutlich schlechteren Sichtverhältnissen fehlte ihr noch das Vertrauen, um voll anzugreifen. Am Ende resultierte der 23. Platz - ein gelungenes Comeback für die Weltmeisterin von 2019.

Ebenfalls zurück im Weltcup ist Marta Bassino. Die Italienerin verpasste nach einer lateralen Fraktur des Schienbeinkopfes im linken Bein den kompletten letzten Winter und somit auch die Olympischen Spiele in ihrer Heimat. Die Standortbestimmung in Sölden verlief für die Siegerin von 2020 weniger erfreulich als für Vlhova. Als 43. verpasste sie die Entscheidung deutlich.

Neue Kugelanwärterinnen

Emma Aicher unterstrich mit ihrem ersten Podestplatz im Riesenslalom ihre Ambitionen auf die grosse Kristallkugel. Die junge Deutsche, die in Schweden aufgewachsen ist und einen Teil ihrer Kindheit in der Schweiz verbrachte, hatte im Gesamtweltcup in der vergangenen Saison nur 87 Punkte Rückstand auf Mikaela Shiffrin. Fährt die Allrounderin weiterhin über alle Disziplinen auf das Podest, dürfte sie gute Chancen haben, Shiffrin zu entthronen. Insbesondere, weil die Amerikanerin die Slaloms zumindest zu Beginn der Saison auslässt.

Vor Aicher und der zweitplatzierten Lara Colturi landete Paula Moltzan einen Überraschungssieg. Für die Amerikanerin war es die Siegpremiere im 149. Weltcuprennen. Der Triumph kam umso überraschender, da die 32-Jährige nach der vergangenen Saison einen Markenwechsel vollzog. Ob sie bereits eine Kandidatin für die kleine Kristallkugel ist, bleibt abzuwarten. Ein Blick in die Statistik dürfte ihr jedoch Mut machen: In den letzten drei Wintern (2025/26 Julia Scheib, 2024/25 Federica Brignone, 2023/24 Lara Gut-Behrami) sicherte sich am Ende der Saison jene Fahrerin den Disziplinensieg, die in Sölden obenaus schwang.

Quelle: sda
veröffentlicht: 26. Oktober 2026 08:02
aktualisiert: 26. Oktober 2026 08:02