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Schweiz mit dem «Japan-Plan» gegen Spanien

Frauen-WM

Schweiz mit dem «Japan-Plan» gegen Spanien

4. August 2023, 12:00 Uhr
Ana Maria Crnogorcevic trifft im Achtelfinal auf einige Teamkolleginen
© KEYSTONE/MICHAEL BUHOLZER
Nach defensiv disziplinieren Leistungen in der Gruppenphase bestreitet die Schweiz am Samstag den Achtelfinal gegen Spanien. Der Plan gegen den favorisierten Gegner ist klar.

Wer im Vorfeld der WM das Turnier einmal «durchgespielt» hatte, sah schnell, dass ein Achtelfinal zwischen der Schweiz und Spanien wahrscheinlich sein könnte. Nur dürften die Gruppenplätze in den meisten Prophezeiungen getauscht gewesen sein, mit der Schweiz als Gruppenzweite und Spanien als Gruppensieger. Dass es nun umgekehrt ist, ändert nichts an der Ausgangslage: Die Schweiz ist der klare Aussenseiter in diesem Duell.

Das ist auch den Schweizerinnen bewusst, mehrere von ihnen sind oder waren bis vor kurzem in der spanischen Liga engagiert. Zum Beispiel die Rekordspielerin Ana Maria Crnogorcevic, die im Juni mit Barcelona den Titel in der Champions League gewonnen hat. Als die 32-Jährige im TV-Interview unmittelbar nach der realisierten Qualifikation gefragt wurde, welchen Gegner sie sich im Achtelfinal wünsche, antwortete sie ohne zu zögern: «Japan.» Denn sie weiss wie keine andere um die spielerischen Qualitäten der Spanierinnen, viele davon sind ihre Teamkolleginnen.

Der starke Auftritt der Asiatinnen, die am Tag darauf Spanien gleich mit 4:0 besiegten, machte ihr dann aber auch Eindruck. «Sie haben den Spanierinnen mit einer guten Defensivstruktur und starkem Umschaltspiel das Leben schwer gemacht», hielt Crnogorcevic fest. Ein Rezept, das nun auch die Schweizerinnen anwenden wollen.

Offensive noch zu zahm

Die Voraussetzungen dafür sind zumindest zur Hälfte gegeben. Auch die Schweizerinnen rund um Torhüterin Gaëlle Thalmann, die bis letzte Saison bei Betis Sevilla engagiert war, überzeugten bisher in der Abwehr. Wie Japan (und Jamaika) haben sie in der Vorrunde kein Gegentor zugelassen. Dass es dabei auch einige Szenen gab, bei denen das Team von Inka Grings etwas Glück beanspruchte, versteht sich auf diesem Niveau von selbst.

Das Umschaltspiel dagegen liess bisher noch zu wünschen übrig. Von den beiden Toren, die beide im Startspiel gegen die Philippinen erzielt wurden, fiel eines aus dem Spiel heraus, das andere per Penalty. Gegen Norwegen und besonders im letzten Spiel gegen Neuseeland waren offensive Aktionen selten. Wenn die Schweizerinnen das Mittelfeld mal überwunden hatten, fehlten am und im Strafraum die zündenden Ideen.

Darauf angesprochen, verteidigte Stürmerin Ramona Bachmann die Offensivabteilung. «Wir hatten ein klares Ziel, eine klare Strategie. Und die ist aufgegangen.» Trotzdem dürfte auch ihr bewusst sein, dass gegen Spanien eine Steigerung zwingend ist – ausser man möchte sich über 120 Minuten mit einem defensiven Bollwerk ins Penaltyschiessen retten. Dass sie dies beherrschen, zeigten die Schweizerinnen zuletzt, als sie sich 2021 im Playoff das EM-Ticket sicherten.

Zweite K.o.-Phase bei zweiter Teilnahme

Mit einem Coup gegen Spanien würden die Schweizerinnen bei ihrer zweiten WM-Teilnahme das Abschneiden von 2015 toppen (0:1-Niederlage im Achtelfinal gegen Kanada) und die bereits guten TV-Einschaltquoten wahrscheinlich weiter in die Höhe treiben. Die steigende Aufmerksamkeit ist nicht zuletzt im Hinblick auf die Heim-EM in zwei Jahren wertvoll. Im WM-Viertelfinal käme es dann zum Duell mit dem Sieger zwischen den Niederlanden und Südafrika, die am Sonntag spielen.

Die bisherigen Auftritte an der WM in Australien und Neuseeland stimmten zwar nur verhalten positiv. Jedoch können die Schweizerinnen, nachdem sie mit der Qualifikation für die Achtelfinals das offizielle Ziel erreicht haben, nun befreiter aufspielen.

Quelle: sda
veröffentlicht: 4. August 2023 12:00
aktualisiert: 4. August 2023 12:00