Ski alpin

Sarrazin fordert Odermatt im Duell um Abfahrts-Kristall

19. Januar 2024, 19:00 Uhr
Cyprien Sarrazin (links) und Marco Odermatt unterhalten sich im Zielraum in Kitzbühel darüber, wer denn nun im Abfahrts-Weltcup vorne liegt
© KEYSTONE/EPA/CHRISTIAN BRUNA
Cyprien Sarrazin sorgt mit dem Sieg in Kitzbühel dafür, dass Marco Odermatt die letzte Lücke in seinem Palmares nicht schliessen kann und auch der Kampf um die Abfahrts-Kristallkugel spannend bleibt.

Wie er denn das persönlich empfinde, dass ihm scheinbar die Gegner ausgehen und er nicht nur mit dem neuerlichen Gewinn des Gesamtweltcups, sondern auch mit den kleinen Kristallkugeln im Riesenslalom, Super-G und Abfahrt rechnen könne?

Mit Fragen dieser Art sieht sich Odermatt seit dem verletzungsbedingten Saisonende von Konkurrenten wie Marco Schwarz und Aleksander Kilde und aufgrund seiner Dominanz in diesem Winter vermehrt konfrontiert, so auch am Mittwoch in Kitzbühel nach der zweiten Trainingsfahrt beim Interview mit einer internationalen Journalisten-Schar.

Zu Gedanken, dass er keine Konkurrenten habe, lasse er sich mit Bestimmtheit nie verleiten, so Odermatts schnelle Antwort. Auf jeder Strecke gebe es auch Aussenseiter, die gewinnen könnten, «auch auf der Streif», sagte der Nidwaldner.

Sarrazins «brutaler Grundspeed»

Es war dann am Ende weder Odermatt noch ein Aussenseiter, der sich seine erste Gams - die begehrte Siegertrophäe in Kitzbühel - schnappte. Sondern mit Cyprien Sarrazin der Aufsteiger dieser Speed-Saison, der nach der Abfahrt in Bormio und dem Super-G in Wengen nun schon zum dritten Mal in diesem Winter triumphierte.

Der letztlich drittklassierte Odermatt gab zu, «dass ich mir am Start erhofft hätte, dass es mir besser läuft. Doch ich merkte schon beim ersten Tor, dass es dieses Mal nicht perfekt passt. Ich hatte nicht wie sonst oft das Gefühl, dass ich Vollgas geben kann.» Aber um auf der Streif zu gewinnen, so der Lauberhornsieger, brauche es die perfekte Fahrt.

Zugleich lobte er Sarrazin für seine clevere Fahrweise. «Cyprien hat nichts Übertriebenes versucht. Er hat momentan einen brutalen Grundspeed und nun gecheckt, dass es manchmal mit normal fahren reicht und man nicht jedes Mal alles riskieren muss für den Sieg.»

Am Vortag über Siegerjubel nachgedacht

Der Sieger sprach davon, dass es «kein perfektes Rennen war, bei weitem nicht». Doch er habe sich im unteren Teil körperlich noch sehr gut gefühlt, «da war ich wirklich mit vollem Herzen dabei». Die Entdeckung dieser Saison gab auch zu, dass er bereits am Donnerstagabend vom Sieg auf der Streif zu träumen begonnen habe. «Da habe ich mir vorgestellt, wie ich jubeln werde.» Falls er am Samstag keine Stimme mehr haben sollte, dann sei es, «weil ich nach dem Überqueren der Ziellinie so laut geschrien habe, wie ich nur konnte».

Sarrazin startete mit der Nummer 14, und damit als letzter der Favoriten, womit er beim Aufleuchten von Grün für die Bestzeit wusste, dass er schon mindestens eine Hand an der Gams hat. Diese Trophäe ging letztmals 1997 an einen Franzosen, als Luc Alphand auf der Streif zum dritten Mal triumphierte.

Trotz all der grossen Emotionen, die er verspürte, vergass Sarrazin nicht darauf hinzuweisen, dass es zumindest im Slalom noch gar nicht so lange her ist mit einem französischen Sieger in Kitzbühel: «Mein guter Freund Clément Noël hat ebenfalls eine Gams bei sich zuhause.» Der Slalom-Spezialist triumphierte 2019 am Ganslernhang.

Sarrazin setzt sich keine Grenzen

Gefragt, ob er am Samstag in der zweiten Abfahrt wiederum siegen könne, zögerte der 29-jährige Sarrazin nicht: «Ich weiss, was ich zu tun habe und kann noch besser fahren. Ich setze mir keine Grenzen.» Ähnlich sieht es der ehemalige Gesamtweltcup-Sieger Luc Alphand, der sich im Interview mit RTS über den «aussergewöhnlichen» Triumph seines Landsmanns freute und in den Raum stellte, ob Sarrazin «vielleicht der erste Fahrer ist, der bei Odermatt Zweifel säen kann, ob er die Abfahrts-Kugel gewinnt?».

In der Disziplinen-Wertung ist der Franzose tatsächlich eng an Odermatts Fersen. Nach sechs von elf Rennen sind die beiden Konkurrenten nur durch 26 Punkte getrennt. Darüber, dass es knapp zu und her geht, sind sich beide bewusst. «Marco kam im Zielraum zu mir und fragte mich, wie viele Punkte Vorsprung ich denn nun habe. Ich habe ihm geantwortet, dass ich denke, dass er immer noch vorne liege. (lacht) Es ist ist zu einem Duell geworden, ich nähere mich an. Doch abgerechnet wird erst am Ende der Saison.»

Quelle: sda
veröffentlicht: 19. Januar 2024 19:00
aktualisiert: 19. Januar 2024 19:00