News
Sport

Nadine Fähndrich und ihre Vorstellung vom perfekten Final

Langlauf

Nadine Fähndrich und ihre Vorstellung vom perfekten Final

10. Februar 2026, 05:00 Uhr
Nadine Fähndrich wäre «enttäuscht», wenn sie ohne Olympia-Medaille aus dem Val di Fiemme abreisen müsste
© KEYSTONE/SALVATORE DI NOLFI
Am Dienstag läuft Nadine Fähndrich ein erstes Mal im Val di Fiemme um ihre erste Olympiamedaille. Den perfekten Sprint-Final hat sie bereits im Kopf - er endet mit Gold.

Nadine Fähndrich redet sich richtig in Fahrt. Die stets ruhige Langläuferin aus dem beschaulichen Eigenthal am Fuss des Pilatus gestikuliert wild mit den Händen, um zu zeigen, was sie meint. Fähndrich spricht über den perfekten Olympia-Final und hat davon klare Vorstellungen.

Der perfekte Final sieht so aus: Die Schwedin Jonna Sundling, die seit der WM 2021 in Oberstdorf jeden Titel im Sprint gewonnen hat, macht vorne Tempo, Fähndrich folgt ihr. «Im letzten Aufstieg verliere ich ein wenig, aber genau oben weg komme ich wieder hin und gehe direkt hinter ihr in die Abfahrt.» Fähndrich lacht. «Und dann ziehe ich auf der Zielgerade vorbei.»

WM-Medaille als Bestätigung

Die Episode aus den Mediengesprächen vor dem Start der Olympischen Spiele im Val di Fiemme zeigt: Fähndrich denkt gross - und dies mit Recht. Fünfte war sie 2022 in Peking, seither hat sie fünf Weltcuprennen gewonnen, unter anderem vor einem Jahr im Val di Fiemme, stand 14 Mal auf dem Podest und gewann im vergangenen März mit WM-Bronze ihre erste Einzelmedaille bei einem Grossanlass. Zudem ist die Form gut. Das zeigte sie zuletzt mit dem 3. Platz beim Weltcup im Goms.

Dort bereitete sie sich zunächst auch gemeinsam mit ihrem Privattrainer Ivan Hudac auf Olympia vor. Es folgten ein paar Tage Training zuhause mit dem Vater. «Es läuft alles gut, nicht perfekt, aber es muss auch nicht perfekt sein», meint Fähndrich schmunzelnd. Mit ihren 30 Jahren und dem Wissen um ihre Stärke hat sie eine gewisse Gelassenheit entwickelt. Bei der WM im letzten Jahr hatte sie klare Vorstellungen. Sie wollte unbedingt in den ersten Halbfinal, wo Sundling in der Regel für ein hohes Tempo sorgt und die Chancen, als Lucky Loser über die Zeit weiterzukommen gross sind. «Im zweiten Halbfinal sind meist die endschnellen Läuferinnen, darauf wollte ich es nicht ankommen lassen.»

Auf das Bauchgefühl hören

In Tesero wird aber nicht wie in Trondheim in der Skating-Technik, sondern klassisch gelaufen. «Da sehe ich mich auch als endschnell», sagt Fähndrich selbstbewusst. Da komme es nicht so darauf an, in welchem Halbfinal sie starte. «Ich werde deshalb (bei der Einteilung für die Viertelfinal-Heats) auf mein Bauchgefühl hören.» Natürlich braucht sie einen guten Prolog, um überhaupt grosse Wahlmöglichkeiten zu haben.

Fähndrich ist die einzige Schweizer Medaillenchance im Sprint (Viertelfinals ab 11.45 Uhr). Für Anja Weber sind die Halbfinals das Ziel, bei den Männern dürfte kaum mehr drinliegen. Von den drei Schweizer Männern schaffte es in diesem Winter keiner in einem Klassisch-Sprint in die Top 12. Das grosse Rennen von Valerio Grond und Janik Riebli kommt in der zweiten Woche mit dem Teamsprint im Skating-Stil.

Ohne Medaille enttäuscht

Nadine Fähndrich hat hingegen mehrere Eisen im Feuer, im Teamsprint gewann sie schon zwei WM-Medaillen - 2021 mit Laurien van der Graaff Silber, 2025 mit Anja Weber Bronze. Ein wenig nervös ist sie aber dennoch. «Manchmal wünschte ich mir, es wäre bereits nächsten Mittwoch», gab sie am letzten Freitag zu. «Aber es wäre auch schade all das hier zu verpassen.» Nach Olympischen Spielen in Korea und China erlebt sie nun erstmals solche zuhause. «Es werden viele Zuschauer hier sein», freut sie sich. «Ich habe das Gefühl, die Hälfte kommt aus der Schweiz.»

Ihre Chancen schätzt sie im Einzel- und im Teamsprint, mit Weber oder Nadja Kälin, etwa gleich hoch ein. Wo sie eine Medaille holt und welche Farbe sie hat, sei eigentlich egal. Aber eine muss es schon, damit sie zufrieden sein kann. «Ohne Medaille wäre ich enttäuscht», macht sie klar. «Aber davor habe ich keine Angst, das wäre ja auch okay.» Im Kopf hat die Luzernerin aber ein anderes Szenario, ein goldenes.

Quelle: sda
veröffentlicht: 10. Februar 2026 05:00
aktualisiert: 10. Februar 2026 05:00