Frankreich

Nach sieben Monaten steht Breel Embolo vor Comeback

28. März 2024, 05:00 Uhr
Breel Embolo nähert sich bei der AS Monaco einem Comeback an
© KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS
Sieben Monate nach seiner Knieverletzung tastet sich Breel Embolo zurück ins ins Team von Monaco. Der 63-fache Schweizer Internationale redet mit Keystone-SDA über die Genesung und seine EM-Pläne.

Embolo ist kein Spieler, der sich gerne abschottet. Der Stürmer braucht die sozialen Kontakte. Er ist einer, der Leben in die Garderobe bringt, der singt und scherzt. Bei der AS Monaco haben sie den lange verletzten Schweizer vermisst. Entsprechend freuten sie sich über sein Comeback im Training. «Es fühlt sich so gut an. Es wird für mich nun immer normaler, wieder richtig im Team zu trainieren», meldet Embolo aus dem schicken Trainingszentrum La Turbie der Association Sportive de Monaco Football Club.

Nach einer rund zweiwöchigen Angewöhnung in der lokalen Nachwuchsauswahl ist er wieder ganz oben eingestiegen. Knapp sieben Monate nach seinem Kreuzbandriss im Knie zieht der 27-Jährige eine erste Bilanz: «Nun soll die Steigerung kommen. Der Informationsfluss für das Gehirn wird grösser, alle Bewegungen werden schneller. Ich muss nun die Balance finden. An all diese eigentlich simplen Dinge muss ich mich zuerst einmal wieder gewöhnen.» Embolo selber beschreibt sich als «Vollgastyp», den die Physio-Therapeuten dann und wann einfangen müssen. «Sie fürchten sich mehr um meine Gesundheit als ich.»

Manchmal packe ihn der Ehrgeiz: «Dann will ich gewinnen – auch im Training. Es ist wichtig, dass ich wieder zupacken kann, dass ich meine Zurückhaltung verliere.» Es geht bei ihm aktuell um die richtige Balance, um die Risikoabwägung, um nachvollziehbaren Übermut. «Das Knie ist eigentlich nur gefährdet, wenn ich Dinge ohne das nötige Bewusstsein tue, wenn mich die Müdigkeit zu falschen Bewegungen verleitet.»

Hinter ihm liegt eine intensive Zeit. Es ging nicht um Laufwege und taktische Details, sondern um Kardiowerte, um den Aufbau der verlorenen Muskelmasse. «Vor einem Monat war ich beim Check-up bei über 95 Prozent. Der Arzt war sehr zufrieden. Jetzt geht es um den letzten Schliff.» Embolo investiert mit einem belgischen Therapeuten viel Zeit in Zusatzschlaufen und legt Geld für privates medizinisches Personal aus. «In meinem Alter kann man nicht einfach aufs Glück warten.» Ein Spezialist kümmert sich parallel um die Feinjustierung im sporadisch gereizten Sprunggelenk; seit der Grätsche des Griechen Konstantinos Stafylidis ist der Radius links um zehn Grad eingeschränkt.

«Zurück auf Feld 1»

Im letzten Juli war Embolo bereit für ein grosses Kapitel Ligue 1. In seiner zweiten Monaco-Saison wollte der 20-Millionen-Mann Spuren hinterlassen. «Man hat mich als Leader, als Winner-Typ verpflichtet. Es geht darum, ein Zeichen zu setzen», sagte er vor Jahresfrist. Wenige Tage später krümmte er sich im Training vor Schmerzen – die Kniebänder waren gerissen, der Meniskus ebenso beschädigt. Im Sommer vor der EM-Endrunde in Deutschland der persönliche Tiefpunkt.

«Als ich den ersten Schock verdaut hatte und die Lage bereits wieder klar beurteilen konnte, tat mir vor allem mein Umfeld leid. Zwei Wochen vor dem Saisonstart, und ich kann dem Team nicht helfen. Was nun?» Embolo kontaktierte seine Mutter – aber erst vier Tage nach dem Trainingsunfall: «Ich brachte kaum einen Ton über die Lippen. Ich wusste nicht, wie ich diesen frustrierenden Moment mit ihr teilen sollte. Ich wollte meinen Schmerz von ihr fernhalten», schildert Embolo im Rückblick seine komplizierte Lage vor dem operativen Eingriff.

«In den ersten zwei Monaten brauchte ich Abstand. Ich musste mich mit der Situation arrangieren, sie akzeptieren.» Statt die Umsetzung seiner hohen Ambitionen folgt der vollständige Neustart: «Zurück auf Feld 1.» Aber im Unterschied zur schweren Verletzung als jugendlicher Schalker (2016) fasst er schneller wieder Fuss, profitiert von seinem Netzwerk. Das Selbstvertrauen war grösser, die Verankerung im Verein besser. «Ich hatte hier bereits zeigen können, was in guten Phasen in mir steckt. Zudem habe ich viele Freunde. Das ist in solchen mental anspruchsvollen Situationen hilfreich.» Der lähmende Stress, sich unbedingt und sofort wieder beweisen zu müssen, keimte gar nicht erst auf.

Die EM als grosses Ziel

Nun werden die Szenarien immer konkreter. Das Knie hält dem Trainingsumfang stand. Keine Schwellungen, keine Schmerzen. Anfang April will Embolo im Spiel gegen Rennes erstmals wieder zum Kader gehören, kündigt der Nationalspieler im Gespräch mit der Nachrichten-Agentur Keystone-SDA an: «In den letzten sieben Spielen in der Meisterschaft geht es darum, ein gutes Gefühl zu holen, wenn möglich ein paar Tore zu schiessen. Das ist in meinem Kopf drin. Und ich will nur Leute um mich herum haben, die an dieses Ziel glauben.»

Zum grossen Bild gehört die kommende EM. Murat Yakin kennt den Zeitplan Embolos seit einem Treffen im vorletzten Monat. Die März-Termine mit den Tests gegen Dänemark und Irland kamen zu früh. Zur Prime Time dürfte er zurück sein: «Ich will keine Zeit mehr verlieren und den Anschluss sofort wieder finden. Dann reicht es für eine gute EM!» Dem Turnier in Deutschland misst Embolo eine wegweisende Bedeutung bei: «Allzu viele Chancen werden nicht mehr kommen. Vielleicht ist es sogar die letzte der aktuellen Generation.»

Quelle: sda
veröffentlicht: 28. März 2024 05:00
aktualisiert: 28. März 2024 05:00