Kiki Rogerson rückt beim CHI Basel den Dressursport ins Rampenlicht
Spätestens seit dem CHI Basel 2026 ist der Name Rogerson auch international fest verankert. Beim Weltcup-Turnier in der St. Jakobshalle schrieb Kiki, wie sie alle nennen, Schweizer Dressurgeschichte. Mit dem Wallach Bonheur de la Vie ritt die Frau aus der Zentralschweiz in der Kür zu 81,290 Prozent, so hoch wie noch keine Schweizerin vor ihr in einer Weltcup-Kür. Platz 2 hinter Isabell Werth, doch ein Sieg für den heimischen Sport. Bereits im Grand Prix am Donnerstag war sie Zweite geworden. Basel wird zum Symbol: für den Durchbruch, für den Beweis, dass der Schweizer Dressursport wieder an die Weltspitze anklopft.
Der Name Kiki Rogerson soll im Dressursport jedoch nicht allein für Resultate stehen, sondern auch für harmonisches, feines Reiten. In erster Linie sieht sich die 27-Jährige als Geschäftsfrau, die ihren Sport selber finanziert und einen eigenen Betrieb führt. Zweitens möchte sie den Namen Kiki Rogerson als Marke im Dressursport etablieren. Und drittens, quasi «als Tüpfelchen auf dem i», habe auch der sportliche Erfolg seinen Reiz.
Eine eigene Firma
Zur Geschäftsfrau: Die Firma von Kiki Rogerson ist seit 2023 im Handelsregister eingetragen. Sie erbringt Dienstleistungen im Pferdesport, insbesondere die Ausbildung von Pferd und Reiter, die Vermietung von Pferdeboxen inklusive Betreuung sowie die Vorstellung von Pferden auf Turnieren, plus Kauf, Verkauf und Vermittlung von Pferden.
«Am Tag reite ich mindestens zehn Pferde und gebe danach Unterricht», sagt sie gegenüber Keystone-SDA anlässlich des CHI Basel. Ein Satz als nüchterne Beschreibung eines Alltags, der früh beginnt und spät endet. Ihre Arbeitstage dauern oft mehr als zwölf Stunden, getragen vom Willen, jedes Pferd ein Stück besser zu machen und sich selbst gleich dazu. Nicht weniger als 18 Boxen managt sie. «Ein Angestellter, der meine Pferde pflegt, fertig macht und versorgt. Die anderen drei bis vier Pfleger sind für den Stalldienst zuständig und bringen die Pferde auf den Paddock oder auf die Weide», beschreibt sie ihr Team.
Denn Kiki Rogerson setzt nicht auf eine einzelne Trumpfkarte, sondern strebt eine breite Präsenz auf Weltniveau an. So wird der erst achtjährigen Stute Nice Touch ebenfalls eine grosse Karriere zugetraut. Auch dieser Vierbeiner ist in Familienbesitz und dürfte ihr erhalten bleiben.
Der Name Charlotta Rogerson soll künftig vor allem eines bedeuten: kompromisslose sportliche Qualität. Präzision, Perfektion und tägliche Arbeit bilden das Fundament ihres Wirkens. Dass sie diesen Weg ohne finanzielle Sicherheitsnetze geht, gehört zu ihrer Geschichte. «Ich bin auch eine Geschäftsfrau. Ich lebe davon», sagt sie. Leidenschaft und Existenz greifen bei ihr ineinander.
Eine Marke kreieren
Zur Marke «Rogerson Equestrian»: Der internationale Spitzensport verlangt nicht nur nach Erfolg, sondern idealerweise auch nach Identität. Kiki Rogerson weiss das und scheut sich nicht, diese Rolle anzustreben.
Auftreten, Aussehen und Stilsicherheit bringt die ehemalige Geräteturnerin mit, um zu einer glaubwürdigen Botschafterin ihres Sports zu werden. «Es ist mein Wunsch, den Dressursport sichtbarer zu machen und junge Menschen dafür zu begeistern», betont sie.
Der sportliche Werdegang
Zum sportlichen Erfolg: Der Weg dorthin begann früh. Kiki Rogerson wurde in Hamburg geboren und wuchs in der Schweiz in einer pferdeaffinen Familie auf. Die Mutter ist Deutsche, der Vater Engländer. Pferde gehören zum Alltag. Sie sass als Kind auf dem Pony, kombinierte Reiten mit Geräteturnen und Voltigieren. Bis zum Alter von 12 Jahren turnte sie leistungsorientiert beim BTV Luzern. Eine Schule für Körpergefühl, Disziplin und mentale Stärke, von der sie im Dressurviereck bis heute profitiert.
Nach der obligatorischen Schulzeit zog sie nach Deutschland, schloss dort die Matura ab und wagte den direkten Schritt in den Pferdesport. Vier Jahre hat sie im Stall ihres heutigen Trainers Oliver Oelrich trainiert, gewohnt und mitgeholfen. Später folgte die Bereiterausbildung bei Klaus Balkenhol.
2021 rückte sie erstmals ins nationale Rampenlicht. Bei der U25-Europameisterschaft in Hagen ritt Kiki Rogerson mit Famora in die Top Ten. Die Stute öffnete ihr die Tür zum internationalen Spitzensport, führte sie bis ins Elitekader und zu einem Schweizer Quotenplatz für die Olympischen Spiele von Paris 2024. Auch wenn dieser Startplatz letztlich nicht an sie ging, bleibt Famora ein Schlüssel ihrer Karriere.
Mit Bonheur de la Vie begann ab 2025 ein neues Kapitel. Siege und Podestplätze stellten sich rasch ein, dieser Leistungssprung wäre mit Famora nicht möglich gewesen. Beim German Masters 2025 gewann Charlotta Rogerson im November als erste Schweizerin seit vier Jahrzehnten den Grand Prix Special. Basel 2026 markiert schliesslich den vorläufigen Höhepunkt.
Aachen wirft die Schatten voraus
Wie weit es noch gehen kann: Das Resultat von Basel hätte Kiki Rogerson an der EM 2025 in die Top 6 gebracht. Das macht Lust auf mehr. «Wir können uns überall noch steigern», sagt sie. «In Basel waren die Piaffen nicht so, wie sie sein könnten.»
Andererseits gilt es, das Erreichte zu bestätigen. «Anfangs hatten wir Mühe mit den fliegenden Wechseln», erzählt sie. Diese seien etwas Persönliches. Es brauche seine Zeit, bis ein Pferd die Hilfe erkenne, die man gebe. «Jetzt in Basel waren die Wechsel eine Stärke, so wie die Passagen auch.»
Das 14-jährige Pferd soll sie an der WM im Sommer in Aachen in den Kür-Final der Top 15 führen und bis an die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles tragen. Ein ambitioniertes, aber machbares Ziel für eine Dressurreiterin, die Anfang 2026 im Weltranking auf Position 47 geführt wird.