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Junges Schweizer Team will rasanten Aufstieg krönen

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Junges Schweizer Team will rasanten Aufstieg krönen

13. März 2026, 04:00 Uhr
Xenia Schwaller an den Olympischen Jugend-Winterspielen 2020 in Lausanne (Archivbild)
© KEYSTONE/CYRIL ZINGARO
Das junge Schweizer Team um Skip Xenia Schwaller hat sich rasant entwickelt. In Calgary will es an seiner ersten Curling-WM ab Samstag für Furore sorgen.

«Es ist immer noch ziemlich surreal, nun hier zu sein und unsere erste Elite-WM zu spielen», sagt Xenia Schwaller am Telefon aus Calgary gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Zusammen mit Selina Rychiger, Fabienne Rieder und Selina Gafner löste sie am vorletzten Wochenende mit dem Triumph an den Schweizer Meisterschaften in Bern das WM-Ticket. Im Final gewann das Quartett die Best-of-3-Serie gegen das Team um Skip Silvana Tirinzoni, das zuvor in Cortina d‹Ampezzo Olympia-Silber geholt und sich an den letzten sechs Weltmeisterschaften viermal Gold sowie zweimal Silber gesichert hatte.

Schwaller und Co. bestreiten die vierte Saison zusammen und sind zwischen 22 und 23 Jahre alt. Es ist erstaunlich, wie rasch sie den Sprung von den Juniorinnen an die Weltspitze geschafft haben. In der Weltrangliste belegen sie aktuell den 6. Rang, wobei sie zwischenzeitlich sogar noch weiter vorne klassiert waren.

Jung, energisch und hoher Arbeitsethos

Auf die Frage, wie sie ihr Team beschreiben würde, antwortet Xenia Schwaller: «Jung und energisch. Wir sind in allem sehr aktiv, es gibt immer etwas, das wir verbessern wollen.» Zudem seien sie eine sehr lustige Truppe mit vier extrem verschiedenen Charakteren, die sich ideal ergänzen. «Selina (Rychiger) ist der ruhende Pol, Fabienne ist die gute Seele im Team, die andere Selina bringt am meisten Energie hinein. Ich bin auch eher ruhig und für die Taktik zuständig.»

Den hohen Arbeitsethos hebt auch Trainer Andreas Schwaller hervor. Er ist der Vater von Xenia und feierte als Curler grosse Erfolge, etwa den Gewinn von Olympia-Bronze 2002. «Sie stellen beruflich und studienmässig vieles zurück. Nicht so viele Teams sind zu diesem Schritt bereit», sagt er gegenüber Keystone-SDA. «Zudem sind sie auch ziemlich mutig, die schwierigen Themen anzusprechen. Es ist speziell, dass sie in diesen jungen Jahren schon so erfolgreich sind.» So qualifizierten sie sich bereits als Juniorenteam (2024) für die Players› Championship, das prestigeträchtige Abschlussturnier der Grand-Slam-Serie mit den zwölf besten Equipen der Welt.

Klare Trennung der beiden Rollen

Der beruflich selbständige Andreas Schwaller ist «mehr aus der Not» Trainer des Teams geworden. «Es ist extrem schwierig, Leute zu finden, die sowohl die Zeit als auch das nötige Know-how mitbringen. Weil es meine Tochter ist, war ich bereit, diese Aufgabe zu übernehmen», sagt der Europameister von 2006. Der 55-Jährige investiert etwa 100 Tage pro Jahr in dieses Projekt und das im Ehrenamt. «Sonst wäre das Budget (das etwas mehr als 100'000 Franken beträgt) noch knapper - und sie verzichten jetzt schon auf sehr viel.» In Calgary wohnt das Quintett in einem Airbnb und kocht auch selber.

Wie ist es, wenn der eigene Vater der Trainer ist? «Mittlerweile haben sich alle daran gewöhnt», sagt Xenia Schwaller, die im vergangenen Jahr die Spitzensport-Rekrutenschule absolviert hat. «Am Anfang mussten die anderen Teammitglieder sicher herausfinden, wie sie auf ihn zugehen, wenn etwas mit mir ist, wenn es irgendwelche Schwierigkeiten gibt.» Sie selbst habe schon früher immer mit ihm über alles rund ums Curling gesprochen. «Wir mussten jedoch lernen, die Rollen klar zu trennen. Sobald wir zu Hause sind, ist er mein Vater und nicht mehr der Trainer.» Andreas Schwaller ergänzt: «Anfangs habe ich etwas gezögert zuzusagen. Unsere Beziehung ist jedoch noch besser geworden, ich habe sie noch einmal von einer neuen Seite kennengelernt.»

Medaille ist realistisch

In Calgary darf sich das Team GC Zürich einiges ausrechnen, sind doch bloss zwei in der Weltrangliste vor ihnen klassierte Equipen am Start: Südkorea mit Skip Gim Eunji sowie Kanada mit Skip Kerri Einarson. Kanada hat in den letzten beiden Jahren zwar den WM-Titel gewonnen, allerdings mit Skip Rachel Homan. Schweden wird erstmals seit 2016 an einer WM nicht durch das Team um Anna Hasselborg vertreten - dieses gewann im Februar Olympia-Gold.

«Unser Hauptziel ist es, an unsere Leistungen anzuknüpfen», sagt Xenia Schwaller. «Ich bin sehr zuversichtlich, dass es für eine Medaille reicht, wenn wir unser Potenzial abrufen.» Andreas Schwaller ergänzt: «Wir haben alle Konkurrentinnen schon mehrmals bezwungen. Der einzige Unterschied ist die Routine - diese WM-Erfahrung ist unbezahlbar.» Für das vielversprechende junge Team dürfte eine WM-Teilnahme schon bald nicht mehr surreal sein.

Quelle: sda
veröffentlicht: 13. März 2026 04:00
aktualisiert: 13. März 2026 04:00