NHL

Jonas Siegenthaler scheut sich nicht vor der «Drecksarbeit»

10. Oktober 2023, 05:00 Uhr
Defensivverteidiger Jonas Siegenthaler (links) steht bei den New Jersey Devils bis 2028 unter Vertrag
© KEYSTONE/AP THE CANADIAN PRESS/CHRISTOPHER KATSAROV
Jonas Siegenthaler von den New Jersey Devils gehört mittlerweile zu einem der besten Defensivverteidiger der NHL. Nun hofft er auf den grossen Coup.

Bis zum Wechsel nach Nordamerika ging es in der Karriere von Siegenthaler stetig nach oben. Am 15. Dezember 2013 debütierte er bei den ZSC Lions im Alter von 16 Jahren in der höchsten Schweizer Liga. 2015 wurde er von Washington als Nummer 57 gedraftet. Für die Capitals bestritt er zwar 108 Partien, jedoch wurde er in der Saison 2020/21, die erst im Januar begann, kaum noch berücksichtigt. Von daher war der Wechsel im April 2021 zu den Devils für ihn eine Erlösung.

Siegenthaler will die Zeit bei Washington und auch die 127 Partien in der AHL beim Farmteam Hershey Bears allerdings nicht missen. «Klar gefiel es mir nicht, wie es lief. Es war jedoch eine sehr gute Erfahrung für mich, ohne die ich heute nicht derjenige Spieler wäre, der ich bin», sagt er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Nach dem Wechsel von Zürich nach Hershey war er zunächst schockiert. «In der AHL schaut jeder auf sich selber, da alle in die NHL wollen», erzählt Siegenthaler. Von daher ging er das Ganze an nach dem Motto: «Augen zu und durch». Aufgeben war für ihn nie eine Option, er gab sich das Versprechen, es durchziehen.

Ausgezeichnete Perspektiven

Der Durchhaltewille hat sich definitiv gelohnt. Die Devils waren für ihn auch deshalb eine Wunschdestination, weil er dort zusammen mit seinem guten Freund Nico Hischier spielen konnte. Mittlerweile sind gar vier Schweizer bei New Jersey tätig. Torhüter Akira Schmid hat sich in der vergangenen Saison ins Team gekämpft, Ende Februar stiess der inzwischen mit einem Vertrag bis 2031 ausgestattete Timo Meier dazu. Mit so vielen Landsleuten in einem NHL-Team zu spielen, geniesst Siegenthaler sehr.

Zudem sind die Perspektiven mit den Devils ausgezeichnet. Die Mannschaft verfügt über sehr viel Talent und wurde geschickt verstärkt. In der letzten Spielzeit waren die Devils in der Qualifikation das drittbeste Team der Liga, sie holten 49 Punkte mehr (112) als in der Saison zuvor. «Das zeigt, wie rasch es im Eishockey gehen kann», sagt Siegenthaler.

Dass dann in den Viertelfinals gegen die Carolina Hurricanes (1:4) Schluss war, führt er auch auf die fehlende Playoff-Erfahrung zurück. Schliesslich waren die Devils erstmals seit 2018 in der entscheidenden Meisterschaftsphase dabei. In den Playoffs sei die Intensität deutlich höher, sei es entscheidend, die Emotionen im Griff zu haben, so Siegenthaler. Ihm selber fällt es einfach, eine Partie abzuhaken. «Ich schaue danach meistens rasch meine Einsätze an und richte dann den Blick wieder nach vorne.»

Ohnehin ist Siegenthaler ein gelassener Typ, auch neben dem Eis. Er regt sich nicht gerne auf. Diesen Charakterzug führt er auf seine thailändischen Wurzeln zurück - sein Mutter stammt von dort. «Dort haben meistens alle ein Lächeln im Gesicht. Die Leute schätzen das wenige, das sie haben, sind hilfsbereit. Davon könnten wir Schweizer uns eine Scheibe abschneiden», sagt Siegenthaler, der versucht, einmal im Jahr nach Thailand zu reisen, umso mehr, als seine Eltern nun dort leben.

An Gewicht verloren

Die Pause verbrachte Siegenthaler wie stets in Zürich. Er bereitete sich neben dem Eis zusammen mit Pius Suter und Tim Berni auf die neue Saison vor. «Ich mache es nicht mega gern, aber auch nicht ungern», sagt er zum Sommertraining. Einmal in der Woche ging er ins Pilates, «das finde ich als Ergänzung eine coole Sache und würde ich jedem Eishockeyspieler empfehlen».

Siegenthaler hat bewusst etwas an Gewicht verloren, ist nun um die 92 kg schwer. «Wenn es mir im Spiel hilft, bleibe ich dabei, sonst kann ich rasch wieder zunehmen. Ich bin noch daran, mein Idealgewicht zu finden.» Gegen die immer schneller werdenden Stürmer ist es für ihn als Verteidiger entscheidend, mobil zu sein. Es hilft ihm enorm, dass er trotz seiner Grösse von 1,90 m ziemlich wendig ist.

Überhaupt hat er sich bei den Devils zu einer unverzichtbaren und verlässlichen Teamstütze entwickelt. In der vergangenen Saison stand er im Schnitt mehr als 20 Minuten auf dem Eis. Vor einem Jahr verlängerte er den Vertrag mit New Jersey um fünf Jahre bis 2028, der durchschnittliche Lohn pro Saison beträgt 3,4 Millionen Dollar. Das ist zwar viel Geld, jedoch wenig im Vergleich zu den Toplöhnen der Liga.

Mit Rolle zufrieden

Dies liegt daran, dass Siegenthaler ein Defensivverteidiger ist. Zwar wird ein Spieler wie er, der die «Drecksarbeit» macht, mannschaftsintern enorm geschätzt. Von aussen erhalte ich aber nicht so viel Kredit. Ich habe mich jedoch damit abgefunden. Für mich stimmt es. Solange ich dem Team helfen kann, bin ich glücklich über meine Rolle."

Weniger glücklich war er über die WM, in der die Schweiz nach einer starken Vorrunde wie 2021 im Viertelfinal an Deutschland scheiterte. Ist es ein Mentalitätsproblem? «Es ist schwierig zu erklären, ich hatte nicht das Gefühl, dass wir mental blockiert waren. Das erste Gegentor nahm uns den Rhythmus. Dabei bringen wir eigentlich alles mit, um erfolgreich zu sein. Es liegt nur an uns.»

Für Siegenthaler ist eine WM-Teilnahme keine Frage, wenn er dabei sein kann. Selbstredend steht aber auch für ihn der Stanley Cup über allem. Und diesbezüglich sieht er die Devils auf einem sehr guten Weg. «Wenn alles aufgeht, sollten wir in den nächsten ein bis vier Jahren ein Titelkandidat sein.»

Quelle: sda
veröffentlicht: 10. Oktober 2023 05:00
aktualisiert: 10. Oktober 2023 05:00