Rad

Jan Ullrich gesteht erstmals Doping

22. November 2023, 19:21 Uhr
Bei der Vorstellung einer TV-Dokumentation: In München gestand der ehemalige Radstar Jan Ullrich erstmals den Gebrauch von Doping bei seinen grossen Siegen ein
© KEYSTONE/dpa/Angelika Warmuth
Seit seinem Karriereende vor 17 Jahren hatte Jan Ullrich bewusstes Doping stets abgestritten. Nun gibt der deutsche Ex-Radstar erstmals den Gebrauch von unerlaubten Mitteln zu.

Jetzt ist es raus. Jan Ullrich hat in seiner erfolgreichen Radsport-Karriere zu Dopingmitteln gegriffen. Das räumte der Tour-de-France-Champion von 1997 nach jahrelangem Schweigen bei der Vorstellung der Amazon-Dokumentation «Jan Ullrich - Der Gejagte» in München explizit ein. «Ich habe gedopt, das ist in der Doku schon klar geworden», sagte der 49-Jährige und ergänzte: «Ich habe mich schuldig gemacht, ich fühle mich auch schuldig.»

Damals eine andere Zeit

Ullrich hatte in der Vergangenheit immer ein Doping-Geständnis abgelehnt. «Ich habe niemanden betrogen», lautete stets sein Standardsatz auf Fragen zu seiner Vergangenheit. Nun will der tief gefallene Ex-Radprofi, der auch privat einige Turbulenzen erlebt hat, in der Dokumentation mit seiner Vergangenheit aufräumen. «Ich kann dazu sagen, aus reinem Herzen, ich wollte wirklich niemanden betrügen. Ich wollte mir keinen Vorsprung verschaffen», erklärte Ullrich auf der Podiumsdiskussion. «Das war damals eine andere Zeit. Damals hat der Radsport schon ein System gehabt, wo ich auch reingekommen bin. Für mich war das damals eine Art Chancengleichheit.»

Ullrich hatte 1997 als bislang einziger Deutscher die Tour de France gewonnen und einen beispiellosen Radsport-Boom ausgelöst. Als «Boris Becker des Radsports» wurde er gefeiert, Sponsoren und Veranstalter standen bei ihm Schlange. Neben seinem Gesamtsieg 1997 fuhr Ullrich fünfmal bei der Tour auf den zweiten Platz. Er wurde auch Weltmeister und Olympiasieger.

Werden nun auch Ullrich Siege aberkannt?

Ullrich musste 2006 unfreiwillig seine Karriere beenden, nachdem er in der grossangelegten «Operacion Puerto» als Kunde des Doping-Arztes Eufemiano Fuentes enttarnt worden war. Später räumte er Behandlungen bei Fuentes ein, zu einem Doping-Geständnis wie seine Ex-Kollegen Erik Zabel oder Rolf Aldag konnte er sich aber nicht durchringen - auch auf Rat der Anwälte.

Ob die neuen Aussagen Folgen haben für Ullrichs frühere Siege - allen voran bei der Tour 1997 - ist unklar. Seinem einstigem Rivalen Lance Armstrong wurden beispielsweise nach seiner lebenslangen Sperre im Jahr 2013 alle sieben Tour-Siege von 1999 bis 2005 aberkannt. Bjarne Riis, der bereits 2007 Doping gestand, wird dagegen immer noch als Gesamtsieger 1996 geführt. Ullrichs Olympia-Gold 2000 dürfte wegen der zehnjährigen IOC-Verjährungsfrist für Doping-Vergehen nicht in Gefahr sein.

Quelle: sda
veröffentlicht: 22. November 2023 18:54
aktualisiert: 22. November 2023 19:21