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Gino Mäders Tod bewegt noch immer

Tour de Suisse

Gino Mäders Tod bewegt noch immer

7. Juni 2024, 05:01 Uhr
Sein Tod bewegte die ganze Rad-Welt
© KEYSTONE/AP/DANIEL COLE
Am 16. Juni, dem letzten Tag der Tour de Suisse 2024, jährt sich der Todestag von Gino Mäder. Weshalb der etwas andere Radprofi so schnell nicht in Vergessenheit geraten wird.

15. Juni 2023. Ein Schuss in die Luft beendet die Schweigeminute, die in Fiesch am Morgen vor dem Start zur Königsetappe zu Ehren von Richard Depoorter abgehalten wird. Der Belgier war 75 Jahre zuvor in einem schlecht beleuchteten Strassentunnel bei der Abfahrt vom Sustenpass ums Leben gekommen. Nach einem Sturz war er von seinem eigenen Begleitfahrzeug überfahren worden und war sofort tot.

Nach einem kurzen Innehalten für den bis dato einzigen Todesfall im Rahmen der Tour de Suisse machen sich die Fahrer auf, um an diesem prächtigen Sommertag die Pässe Furka, Oberalp und Albula zu bezwingen - ein Höllenritt für alle, denen das Kraxeln auf zwei Rädern nicht behagt. Nicht so für Gino Mäder - und trotzdem sollte es seine letzte Fahrt werden.

Strafverfahren eingestellt

Auf der Abfahrt vom Albulapass zum Zielort La Punt kommt Mäder in einer Linkskurve von der Strasse ab, stürzt über die abfallende Böschung und eine Bachverbauung in ein steiniges Bachbett. Warum genau, wird wohl nie restlos geklärt werden. Im November wurde der Fall von der Staatsanwaltschaft Graubünden ad acta gelegt. Die Untersuchungen ergaben weder eine Einwirkung eines anderen Fahrers noch einen Defekt am Velo oder ein Hindernis auf der Strasse.

Beim Aufprall erlitt der 26-Jährige vom Team Bahrain-Victorious schwerste Kopfverletzungen. Tags darauf verstarb er im Kantonsspital Chur im Beisein seiner Eltern und seiner Freundin. Als die Todesnachricht das Peloton erreichte, brach für viele eine Welt zusammen. Gross die Trauer, ebenso der Schock. Nach einer Gedenkfahrt nach Oberwil-Lieli entschieden sich die Organisatoren auf ausdrücklichen Wunsch der Familie, die Rundfahrt fortzusetzen. Gino hätte das so gewollt, so der Tenor.

Knapp ein Jahr ist seit dem tragischen Unfall der grossen Schweizer Zukunftshoffnung vergangen. Geblieben sind die vielen Erinnerungen an einen Menschen, der aufgrund seiner zugänglichen Art äussert beliebt, für einen Profi seines Formats geradezu bescheiden, sehr selbstkritisch und entsprechend ehrgeizig war. Gino Mäder war anders. Das Miteinander war ihm wichtig, ebenso die Umwelt, für deren Schutz er sich engagierte.

Keine Schweigeminute, aber zahlreiche Gedenkmomente

Gino Mäder und seine Geschichte wird auch präsent sein, wenn am Sonntag in Vaduz die Tour de Suisse 2024 beginnt. Eine Trauerminute, wie jene zu Ehren des verstorbenen Richard Depoorter, wird es jedoch nicht geben. «Seine Familie wollte das nicht. Wir respektieren das», erklärt Olivier Senn. Der Renndirektor stand seit dem Unfall immer wieder im engen Austausch mit den Angehörigen. «Für Ginos Familie ist es wichtig, dass wir nicht trauern, sondern positiv bleiben.»

Die Wertschätzung für Gino Mäder bringen die Organisatoren anderweitig zum Ausdruck. So wird die Startnummer 44, die Mäder letztes Jahr getragen hat, künftig nicht mehr vergeben. Der höchste Bergpreis der Landesrundfahrt wird der Stiftung #RideforGino gewidmet, die nach seinem Tod gegründet wurde. Familie und Freunde wollen damit das Andenken ihres Gino würdigen. Der Verein unterstützt mit gesammelten Spenden Projekte, die ihm am Herzen lagen.

An Mäders Todestag, dem 16. Juni, findet ausserdem eine Gedenkfahrt statt. Sie startet um 12 Uhr in Aigle und führt über die Strecke des Bergzeitfahrens, das an jenem Sonntag im Rennbetrieb der Tour de Suisse zuerst die Frauen und dann die Männer absolvieren.

Es sind kleine Momente des Gedenkens, nicht der Trauer. Das Andenken an Gino Mäder lebt weiter.

Quelle: sda
veröffentlicht: 7. Juni 2024 05:01
aktualisiert: 7. Juni 2024 05:01