Fragezeichen bei Sinner, Serena und Bencic
Das sind die wichtigsten Fragen vor dem dritten Grand-Slam-Turnier des Jahres:
Was kann Serena Williams noch?
Ein Comeback von Serena Williams hatte sich abgezeichnet, dass die 23-fache Grand-Slam-Siegerin aber bereits in Wimbledon im Einzel wieder am Start ist, überrascht die meisten. Doch wie stark ist die US-Amerikanerin mit 44 Jahren und nach der Geburt eines zweiten Kindes noch? Das weiss wohl niemand - nicht einmal sie selber. Eines ist aber klar: Jemand wie Serena Williams kommt nur mit einem Ziel zurück. Noch einmal ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen - neuneinhalb Jahre nach dem letzten und vier Jahre nach ihrem Rücktritt am US Open 2022. Und noch etwas ist klar: Auf Serena Williams will in der 1. Runde keine treffen, vor allem nicht die gesetzten Spielerinnen. Denn Wimbledon ist wohl ihre beste Chance auf einen neuerlichen Triumph.
Wer ist die Topfavoritin?
Eine Frage, die bei den Frauen seit Jahren schwierig zu beantworten ist. Aryna Sabalenka ist klar die Nummer 1 des WTA-Rankings, doch die Belarussin ist bei den Major-Turnieren nur mässig erfolgreich. In diesem Jahr scheiterte sie am Australian Open im Final an Jelena Rybakina und in Paris im Viertelfinal sensationell an Diana Schnaider. Die Vorjahressiegerin Iga Swiatek hat in dieser Saison noch keinen Final erreicht. Die Kasachin Rybakina weiss seit 2022, wie man in Wimbledon gewinnt und ist eine eigentliche Rasenspezialistin. Das gilt nicht für die French-Open-Siegerin Mirra Andrejewa, doch die Russin erreichte vor einem Jahr erstmals die Viertelfinals, wo sie in zwei Tiebreaks an Bencic scheiterte.
Wie stehen die Chancen der Schweizerinnen?
Apropos Bencic: Vor zwölf Monaten stürmte sie zum zweiten Mal nach dem US Open 2019 in die Halbfinals eines Grand-Slam-Turniers. Wimbledon ist das erklärte Lieblingsturnier der Juniorensiegerin von 2013. Nach dem besten French Open ihrer Karriere wurde die 29-jährige Ostschweizerin aber von einer Verletzung am Knöchel ausgebremst und geht nun nach einer nicht optimalen Vorbereitung ins Turnier. Auch Viktorija Golubic (WTA 64) liegt das Spiel auf Rasen, vor fünf Jahren erreichte sie die Viertelfinals. Simona Waltert (WTA 88) strebt im zweiten Anlauf ihren ersten Sieg in Wimbledon an. Im Gegensatz zur als Nummer 11 gesetzten Bencic droht ihnen aber ein schwieriges Los in der 1. oder 2. Runde. Bei den Männern gibt Stan Wawrinka (ATP 110) dank einer Wildcard seinen Abschied. Er ist der einzige Schweizer im Hauptfeld.
Wie hat sich Sinner von seinem Hitzekollaps in Paris erholt?
Jannik Sinner ist in Wimbledon ähnlich klar der Topfavorit wie vor einem Monat am French Open. Sein Kollaps in der 2. Runde bei grosser Hitze, und das bei einer 2:0-Satzführung und 5:1 im dritten Umgang, schockte die Tenniswelt und kam völlig überraschend. Wie hat der Vorjahressieger und Weltranglistenerste den Rückschlag verkraftet? Sinner hat seit Paris nicht mehr gespielt und geht ohne Vorbereitungsturnier auf Rasen in seine Erstrundenpartie, die am Montag um 13.30 Uhr Lokalzeit traditionsgemäss den Centre Court eröffnet.
Wer sind Sinners Herausforderer?
Im letzten Jahr verhinderte Sinner den Titel-Hattrick von Carlos Alcaraz, nun fehlt der Spanier wegen einer hartnäckigen Verletzung am Handgelenk. Alexander Zverev könnte dank seines erlösenden Triumphes am French Open endlich befreit aufspielen. Seine bisherige Bilanz in Wimbledon ist mit drei Achtelfinal-Teilnahmen allerdings äusserst bescheiden, im letzten Jahr scheiterte der Hamburger sogar in der 1. Runde. Daneben scheint das Feld weit offen, vor allem die Nordamerikaner wie Taylor Fritz, Ben Shelton oder der Kanadier Félix Auger-Aliassime dürften sich einiges ausrechnen.
Was steht für Novak Djokovic auf dem Spiel?
Viel. Ein weiterer Sieg würde für den Serben gleich mehrere Meilensteine bedeuten. Mit einem 25. Grand-Slam-Titel würde er Margaret Court, die Rekordhalterin bei den Frauen überholen, mit einem achten in Wimbledon mit dem Rekordchampion Roger Federer. Vor einem Jahr meinte Djokovic, Wimbledon, wo die Ballwechsel und Matches in der Regel etwas weniger kräfteraubend sind, sei seine beste Chance. Sieben Matches auf drei Gewinnsätze sind aber selbst für den Ausnahmekönner im Alter von 39 Jahren wohl etwas zu viel.
Was gibt es zu gewinnen?
Wimbledon schüttet ein Rekord-Preisgeld von 64,2 Millionen Pfund (rund 68,7 Mio. Franken) aus; das sind 20 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Siegerin und der Sieger im Einzel kassieren je 3,5 Mio. Pfund (3,75 Mio. Franken), für die Verlierer der 1. Runde gibt es 80'000 Pfund (gut 85'000 Franken). Gespielt wird im All England Lawn Tennis & Croquet Club im Südwesten Londons vom 29. Juni bis 12. Juli. Wimbledon ist mittlerweile das einzige Grand-Slam-Turnier, das nur vierzehn Tage dauert und nicht bereits am Sonntag beginnt.