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Ehammer und Annik Kälin erhalten am Super Saturday Klarheit

Leichtathletik

Ehammer und Annik Kälin erhalten am Super Saturday Klarheit

9. Juni 2024, 12:14 Uhr
Applaudiert nach dem Gewinn von Weitsprung-Bronze dem Publikum zu: Simon Ehammer
© KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Die Schweizer Rekorde im Weitsprung bringen Simon Ehammer und Annik Kälin ins Dilemma.

Der Mehrkampf ist ihre Leidenschaft, die sie wohl zu Gunsten der Medaillenchancen im Weitsprung bei den Olympischen Spielen in Paris nicht ausleben dürfen.

Es gibt Sportlerinnen und Sportler, für die mit der Teilnahme an Olympischen Spielen ein Traum in Erfüllung geht. Beim Karriere-Höhepunkt hat man nichts zu verlieren, kann sich auf eine persönliche Bestleistung oder allenfalls einen nationalen Rekord konzentrieren, man hat aber mit der Medaillenvergabe nichts zu tun.

Simon Ehammer und inzwischen auch Annik Kälin gehören hingegen in eine andere Kategorie. Sie haben ein Niveau erreicht, mit dem ein Coup möglich wird. Am perfekten Tag liegt die Medaille drin. Diesem Ziel gilt es alles unterzuordnen. Noch ist nichts entschieden. Aber im Fall des Appenzellers und der Bündnerin wird dies wohl heissen: Weitsprung statt Zehnkampf respektive Siebenkampf. Der Super Saturday vom Samstagabend hat diese Tendenz verstärkt.

Der Zeitplan in Paris würde zumindest Ehammer einen Start in beiden Events erlauben. Er könnte dem Entscheid ausweichen. Aber eben: Freitag und Samstag Zehnkampf und dann am Sonntagmorgen Qualifikation Weitsprung, am Dienstag allenfalls der Final - das kommt nicht gut. «Ich kann eine Disziplin, die mir lieb ist, in Paris nicht machen. Das tut weh», sagt Ehammer am Samstagabend in Rom nach seinem Bronzeflug im Weitsprung (8,31 m, Qualifikation 8,41 m). Er hat sich also bereits festgelegt, in Paris nur auf ein Pferd zu setzen, nachdem es im Winterhalbjahr noch anders getönt hatte.

Nur im Weitsprung auf dem Favoritenzettel

Den Entscheid will er Ende Juni fällen. Einziges Kriterium: Medaillenchance. Die Antwort könnte der 24-Jährige schon heute geben, im Olympiastadion von Rom schimmert sie beim Nachfragen auch schon durch. Im Weitsprung dürfte er heuer mit etwas Wettkampfglück den Schweizer Rekord (8,45 m) über die Marke von 8,50 m hieven. Das ist absolute Weltklasse. Ehammer hat in der Anlauf-Geschwindigkeit nochmals zugelegt, er trifft oft den Balken, er fliegt konstant über 8 m weit. Im Weitsprung gehört Ehammer, schon WM- und EM-Dritter, auf die Olympia-Favoritenliste.

Diese Konstanz geht ihm im Zehnkampf ab. In den drei Disziplinen (Weit, Hürden, Sprint) ist er einer der Besten und kann die Schwächen im Diskus, Speer, mit der Kugel oder im 1500-m-Lauf kompensieren. Falls er alles zusammenbringt, liegen 8600 drin, «mit Platz zum Träumen nach oben», wie er sagt. Nimmt man 8600 Punkte versus 8,41 m muss die Antwort lauten: Weitsprung.

Auch Annik Kälin fliegt

Bei Annik Kälin liegt in Paris ein Doppelstart gar nicht drin, die beiden Disziplinen überschneiden sich. In Rom hingegen geht die Bündnerin sowohl im Siebenkampf als auch im Weitsprung an den Start und kann vergleichen. Aber die Weichen wurden wohl bereits im Siebenkampf von Rom gestellt: Schweizer Rekord im Weitsprung (6,84) innerhalb des Siebenkampfs, Medaille gleichwohl um über 100 Punkte verpasst - und dies ohne die Konkurrenz aus Übersee! «Das Niveau ist mega hoch. Es ist Olympiajahr», konstatiert die 24-Jährige am Samstagabend nach Platz 4 und 6490 Punkten.

Vor drei Monaten hingegen an der Hallen-WM in Glasgow fehlte bei den Weitsprung-Spezialistinnen nur drei Zentimeter zur Medaille. Für den Weitsprung spricht auch die Saisonvorbereitung. Die Physiotherapeutin schlägt sich nach einem durchzogenen Jahr 2023 auch heuer mit Widerwärtigkeiten herum. Zuletzt schmerzte die Patellasehne: «Mir fehlen ein paar Trainings», gesteht sie in Rom.

Selbst wenn nun alles rund läuft und für Paris die Ausgangslage 6600 Punkte versus 6,84 m lautet, muss auch hier die Antwort lauten: Weitsprung. Annik Kälin kann es nicht wie Ehammer mit einem Exploit selber richten, sondern sie wird, egal in welcher Disziplin, auf den einen oder anderen Patzer einer Konkurrentin angewiesen sein. Auch dies spricht eher für den Weitsprung.

Quelle: sda
veröffentlicht: 9. Juni 2024 12:14
aktualisiert: 9. Juni 2024 12:14