«Die Paralympics brauchen mehr Unterstützung»
Die Athleten, die den Para-Sport beruflich betreiben wollen, brauchen am Anfang ihrer Profikarriere vor allem eines: private Mittel. Denn: «Der Para-Sport ist noch immer eine Randsportart. Auch wenn wir versuchen, das zu ändern», so der Schweizer Delegationsleiter Tom Reulein. Christof Baer, Präsident von Swiss Paralympic, ergänzt: «Zuerst muss etwa zehn bis fünfzehn Jahre investiert werden, bevor Athleten mit paralympischem Level davon leben können.»
Armee, Sporthilfe und Sponsorings
Zur Finanzierung, die multifaktoriell abläuft, tragen in der Regel die Armee, Verbände, vereinzelt kleinere Sponsorings oder Stiftungen bei. Einer der wichtigsten Hebel für die Athleten ist das Militär. Nach der Spitzensport-RS können sie pro Jahr 130 WK-Tage absolvieren, die sie für Wettkämpfe oder Trainings in Magglingen einsetzen dürfen. Gleichzeitig erhalten sie während diesen Tagen Erwerbsersatz - pro Jahr entspricht das mehreren tausend Franken.
Zudem profitieren die Athleten von der Militärversicherung. «Es ist die beste Versicherung, die wir haben können», sagt Snowboarder Aron Fahrni. Neben ihm sind auch Christophe Damas, Ueli Rotach und Pascal Christen Sportsoldaten.
Eine wichtige Unterstützung für die Athleten ist die Schweizer Sporthilfe. Von der Organisation, die gezielt ambitionierte Nachwuchssportlerinnen und -sportler in Randsportarten oder im Behindertensport unterstützt, erhalten Athleten teils mehrere zehntausend Franken.
Die Verbände PluSport (für die Stehenden) und Schweizer Paraplegiker-Vereinigung (für die Sitzenden) übernehmen Teile oder gar die gesamten Trainingskosten. Bis sie auf dieser Stufe sind, müssen private Mittel herhalten. «Wir versuchen, diese Schwelle tief zu halten», erklärt Baer. Doch die finanziellen Mittel seien leider oft mitentscheidend, ob ein Nachwuchsathlet eine Karriere aufbauen könne oder nicht.
«Die Paralympics brauchen mehr Unterstützung»
Zudem ist alles, was in Richtung Leistungssport geht, nicht vom Bund unterstützt. Die beiden grossen Schweizer Verbände, PluSport und die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung, investieren laut Baer entsprechend viel in die Zukunft der Athleten. Spenden machen dabei den grössten finanziellen Teil aus. «Aus all diesen Puzzleteilen versucht man, das Leben als Profisportler zu finanzieren», sagt Tom Reulein. Zur Seite legen können die Para-Sportler aber wenig bis gar nichts.
Genau daran will Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider arbeiten. «Es soll kein Tabuthema sein, die Paralympics brauchen mehr Unterstützung, gerade in den Bereichen Sponsoring und Löhne», so die Bundesrätin am Tag der Eröffnungsfeier der Winterspiele 2026.
Von heute auf morgen lässt sich das aber nicht verändern. Und in Italien liegt der Fokus derzeit ohnehin auf den letzten Wettkampftagen, an denen sich den Schweizern nochmals die Chance bietet, für Euphorie zu sorgen.
Die letzten Tage brechen an
Am Freitag stehen der Banked Slalom für die Snowboarder und der Riesenslalom im Ski alpin an. Snowboard-Gesamtweltcupsieger Aron Fahrni steht als Favorit am Start; am vergangenen Wochenende holte er im Snowboardcross bereits Bronze. Fabrice von Grünigen, der den Snowboardcross verletzungsbedingt auslassen musste, wird ebenfalls antreten.
Im Ski alpin heisst die grösste Schweizer Hoffnung einmal mehr Robin Cuche. Der zweifache Goldgewinner der diesjährigen Paralympics hat sich von seinem Sturz in der alpinen Kombination gut erholt und wird uneingeschränkt an den Start gehen können. Neben diesen Medaillenchancen bestreitet Luca Tavasci noch den Biathlon-Sprint am Freitag und das Langlauf-Intervall-Rennen über 20 Kilometer am Sonntag. Am letzten Tag der Paralympics findet zudem der Slalom statt.