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«Die internationalen Matches fehlen mir jetzt schon»

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«Die internationalen Matches fehlen mir jetzt schon»

13. August 2023, 04:31 Uhr
Nicht der Saisonstart, den sich der FC Basel gewünscht hatte: Nun sind die Routiniers wie Michael Lang gefordert
© KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS
Der FC Basel ist am Sonntag gegen den Aufsteiger Lausanne bereits im vierten Meisterschaftsspiel unter Druck. Besonders gefordert: die wenigen Routiniers wie Michael Lang.

Donnerstag auf den Fussballplätzen St. Jakob: Cheftrainer Timo Schultz ist schon da. Er wünscht freundlich «Guten Morgen». Michael Lang kommt mit dem Velo, auch er grüsst. Später auch Klublegende Marco Streller, der sich mit seiner Tochter in den Schatten setzt und das Training aufmerksam beobachtet. Am Spielfeldrand sitzt auch ein Grüppchen in schwarz-gelben Jacken. Spione von YB?

«Schuttet si hai!» steht in grossen Lettern an eine Mauer gepinselt. Zuhause wäre der FCB an diesem sommerlich sonnigen Tag aber lieber nicht. Eigentlich hätte man am Abend in der Conference-League-Qualifikation gegen die Iren von Derry spielen wollen. Stattdessen wird intensiv trainiert. Zweimal am Mittwoch, zweimal am Donnerstag, das hat auch ein Routinier wie Michael Lang lange nicht mehr erlebt.

«Ich spiele deutlich lieber, als dass ich trainiere, das geht wohl jedem Profisportler so», gibt er in der Mittagspause im Gespräch mit Keystone-SDA zu. «Die internationalen Matches fehlen mir jetzt schon.»

Der FC Basel hat eine brutale Woche hinter sich. Erst scheiterte man nach mühevoller Reise an den bescheidenen Kasachen von Tobol Kostanai, am Sonntag verlor man auch in der Super League gegen GC. Das sind nicht die Ansprüche der Basler, die zwar in der Meisterschaft schon länger nicht mehr brillieren konnten, aber wenigstens immer wieder international für Sternstunden sorgten, in der letzten Saison mit dem Einzug in die Halbfinals der Conference League.

Unfähiger Sportchef?

Die Kommentare der Zaungäste fallen entsprechend bissig aus. «Mit unserer 1.-Liga-Truppe hätten wir gegen die Kasachen oder GC auch nicht schlechter ausgesehen», bemerkt einer. Einer beklagt sich über die vielen Auswärtigen und zu wenigen aus dem eigenen Nachwuchs in der Mannschaft. Um ein paar Minuten später nachzulegen: «Diesem Vogel würde ich keinen Rappen mehr bezahlen. Der ist ja völlig unfähig, seit drei Wochen ist kein Neuer mehr gekommen.» Gemeint ist Sportchef Heiko Vogel. Der Widerspruch in seinen Aussagen fällt dem etwas älteren Herr nicht auf.

Klar ist aber, dass die Mannschaft zum Saisonstart völlig aus der Balance ist. Die Liste der hochkarätigen Abgänge ist lang. Das weiss auch der gleichnamige Spieler. «Wir haben schon viel Qualität verloren», betont Michael Lang. «Ich schätze mal, dass von den 14 Spielern, die letzte Saison am meisten Minuten in den Beinen hatten, wahrscheinlich etwa die Hälfte weg ist. Da hätte jede Mannschaft Mühe. » Der 32-jährige Aussenverteidiger mit 31 Länderspielen ist einer, der mit Haut und Haaren Fussballer ist. «Ich denke an Fussball, auch zuhause, mache mir Gedanken, wer am Wochenende auf dem Platz stehen könnte. Aber ich bin Spieler, nicht Sportchef oder Trainer, ich akzeptiere das.»

Lang sieht auch etwas Gutes im nun wegen der fehlenden Europacup-Einsätze deutlich entschlackten Spielplan. «Es ist ja nicht wegzudiskutieren, wie viele Punkte wir letzte Saison am Sonntag verloren haben, nachdem wir am Donnerstag super gespielt hatten», blickt der gebürtige Thurgauer zurück. «Es ist auch schwer vorstellbar, dass wir mit der momentanen Breite des Kaders jeden dritten oder vierten Tag einen Match hätten.»

Gut genug, um vorne mitzuspielen

«Mit dieser Truppe wirst du niemals Sechster, mit der bist du ein Abstiegskandidat», hatte einer der Trainingsbeobachter schwarzgemalt. Lang widerspricht. Er ist überzeugt, dass auch das aktuelle Kader gut genug ist, um vorne mitzuspielen. «Individuell sind wir im Normalfall besser besetzt als der Gegner, mit Ausnahme von YB.» Man müsse jetzt die Trainings nutzen, um «an Abläufen zu arbeiten, die wir in den ersten Wochen nicht gut umgesetzt haben.» Lang ist aber auch überzeugt, dass die Mannschaft in drei bis vier Wochen, bei Ende des Transferfensters, «sicher anders aussehen» werde.

Einer der Leidtragenden des missglückten Saisonstarts ist Trainer Timo Schultz, der sich bei Vertragsunterschrift wohl ein anderes Personal vorgestellt hatte und nach dem GC-Spiel öffentlich harsche Kritik an seinen Spielern übte. Teamintern sei das kein grosses Thema gewesen, versichert Michael Lang. «Die meisten lesen ja gar keine Schweizer Medien, viele haben das gar nicht mitbekommen.» Er finde die Kritik auch völlig legitim. «Das muss man als Profifussballer aushalten können. Jeder wusste, dass es am Sonntag keine gute Leistung war.»

Ruhe ausstrahlen

Nun steht man mit nur drei Punkten aus den ersten drei Partien am Sonntag (14,15 Uhr) im Heimspiel gegen den Aufsteiger Lausanne-Sport schon gehörig unter Druck. «Das wird eine unangenehme Aufgabe», prophezeit Lang. Und er kennt auch seine Aufgabe: «Das ist jetzt der Job von uns Erfahrenen, Ruhe auszustrahlen. Es ist ja noch lange nichts verloren.»

Die «Spione» waren im Übrigen E-Junioren des ortsansässigen BSC Old Boys. Im Moment gäbe es auch wenig, was YB vom FCB abschauen könnte.

Quelle: sda
veröffentlicht: 13. August 2023 04:31
aktualisiert: 13. August 2023 04:31