Deutsche Politik sucht Lösung für Eishockey-WM 2027
Der Eishockey-Weltverband IIHF ist auch nach tagelangen Beratungen wie gelähmt. Dafür hat sich Deutschlands Regierung eine Woche nach dem umstrittenen Urteil des Internationalen Sportgerichtshof CAS zur sofortigen Wiedereingliederung Russlands nun positioniert. Die WM 2027 soll wie geplant in Düsseldorf und Mannheim stattfinden - ohne Russland.
«Unser Ziel muss es sein, die Turniere wie geplant durchzuführen. Das wäre angesichts der Boykotte bei Zulassung Russlands faktisch aber nicht möglich. Und deswegen wollen wir jetzt tatsächlich auf dem Gesprächswege Möglichkeiten ausloten, wie wir das Turnier dennoch stattfinden lassen können», sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius.
Bundesregierung: WM mit Russland nicht möglich
Demnach hatte es in den vergangenen Tagen viele Gespräche gegeben: Mit dem Deutschen Eishockey-Bund, der die WM im kommenden Jahr ausrichten soll, aber auch mit dem frische gekürten IIHF- und ehemaligen DEB-Präsidenten Franz Reindl und dem Deutschen Olympischen Sportbund. Diese hätten laut Bundesregierung gezeigt, dass die Teilnahme Russlands die WM-Durchführbarkeit «sportlich und wirtschaftlich faktisch unmöglich macht».
Gemeint sind damit diverse Boykott-Androhungen anderer Nationen und die Ankündigung wichtiger WM-Sponsoren, ihr Engagement einzustellen, sollte Russland tatsächlich wieder an der WM teilnehmen. Der CAS hatte geurteilt, die seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine von der IIHF ausgesprochene Suspendierung russischer Teams wieder aufzuheben. Daraufhin stellte der DEB in den Raum, die WM wieder zurückzugeben.
Visa-Verschärfung auch in Deutschland denkbar
Längst hat das Thema die grosse Politik erfasst. Kanadas Premierminister Mark Carney schloss öffentlich aus, dass eine russische Auswahl an der U20-WM am Jahresende in Kanada teilnimmt und verwies auf die Möglichkeit, Visa für russische Sportler zu verweigern. Dies schliesst auch die Bundesregierung für die WM 2027 nicht aus. «In Zeiten, in denen Russland einen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt, kann es keine Normalität geben und die werden wir auch nicht vorspielen», sagte ein Sprecher des Innenministeriums.
Auch der russische Kremlchef Wladimir Putin schaltete sich in die Debatte ein. Der Eishockey-Fan warf einigen nicht näher genannten Ländern politische Beschränkungen gegen russische Sportler vor. Er sprach von einem groben Verstoss gegen das Recht, gerichtliche Entscheide und damit gegen Institutionen der Demokratie.
Der CAS sah sich gar bemüssigt, sein Urteil zu verteidigen. Das Gericht bescheinigte der IIHF dabei grobe Versäumnisse. Der Weltverband habe keine ausreichenden Beweise vorgelegt, um die rechtlichen Voraussetzungen für den Ausschluss russischer Mannschaften zu belegen.
Der erst vor Monatsfrist neu gewählte IIHF-Präsident Franz Reindl droht nun früh an seinem Vorhaben zu scheitern, den Weltverband zu einer Einheit zu formen. Denn dort stehen sich viele pro-russische und russisch-kritische Akteure gegenüber.
Weltverband IIHF ist zerrissen
Wie gross die Zerrissenheit ist, zeigt auch die Dringlichkeitssitzung des IIHF-Council. Die sollte eigentlich am vergangenen Montag stattfinden und wurde immer weiter verlängert. Bis zum Freitag konnten sich die Mitglieder indes nicht auf ein gemeinsames Vorgehen nach dem Urteil verständigen.
Darauf wartet angesichts der WM-Ausrichtung im kommenden Jahr nicht nur der DEB. Auch Swiss Ice Hockey will vorerst den Entscheid der IIHF abwarten. Verbandspräsident Marc Lüthi bezeichnete das CAS-Urteil zwar persönlich als kritisch, wollte möglichen Konsequenzen für die Schweiz aber nicht vorgreifen. Zunächst müsse geklärt werden, ob und unter welchen Voraussetzungen russische Nationalteams wieder an internationalen Wettbewerben teilnehmen könnten.