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Der verpasste Moment ärgert Marlen Reusser

WM26 Montreal

Der verpasste Moment ärgert Marlen Reusser

26. September 2026, 22:17 Uhr
Als die neue Weltmeisterin Demi Vollering die Ziellinie überquert, hat Marlen Reusser im Hintergrund den Kampf um Bronze aufgegeben
© KEYSTONE/AP/Graham Hughes
Marlen Reusser fehlen im WM-Strassenrennen in Montreal nur vier Sekunden zu Bronze. Die Zeitfahr-Weltmeisterin hadert nach dem verpassten WM-Double mit einem Fehler in der Verpflegungszone.

Bis kurz vor der Ziellinie kämpfte Reusser um ihre dritte Medaille an diesen Weltmeisterschaften nach Gold im Einzelzeitfahren und Bronze im Mixed-Teamzeitfahren. Vor ihr fuhr Elisa Longo Borghini mit wenigen Metern Vorsprung Bronze entgegen. Reusser versuchte, die Italienerin auf der ansteigenden Zielgeraden noch abzufangen. Als klar wurde, dass die Lücke nicht mehr zu schliessen war, richtete sich die Bernerin auf und nahm Tempo heraus.

Vier Sekunden fehlten ihr letztlich zum Podest, acht zum WM-Titel. Statt des erhofften Doubles nach der erfolgreichen Titelverteidigung im Einzelzeitfahren blieb ihr der undankbare 4. Rang. Mehr als die wenigen Sekunden beschäftigte sie unmittelbar nach dem Rennen jedoch eine Situation 38 km vor dem Ziel.

Ein Fehler mit Folgen

«Ich habe den entscheidenden Moment verpasst. Ich hatte dort gerade ein Problem mit meinen Flaschen. Ich musste mich unbedingt verpflegen und war schlecht positioniert», erklärte Reusser im SRF-Interview.

Ausgerechnet in diesem Moment sprengte Puck Pieterse mit einer Tempoverschärfung die Gruppe der Favoritinnen und lancierte damit ihre niederländische Teamkollegin Demi Vollering. Die spätere Weltmeisterin setzte sich ab, dahinter orchestrierte Reusser die Verfolgung der Wahlschweizerin.

«Ich bin vor allem auf mich selbst stinksauer, weil ich die entscheidende Attacke verpasst habe», zeigte sich Reusser selbstkritisch. Die neue Rennsituation zwang sie zum Handeln. In der achtköpfigen Verfolgergruppe musste sie viel in die Nachführarbeit investieren. «Ich wusste, wenn ich nicht fahre, fahren auch die anderen nicht. Es ist ein Teufelskreis.»

Bis zum Schluss gehofft

An den Anstiegen wurde immer wieder attackiert, was Reusser, die lieber ein gleichmässiges Tempo fährt, nicht entgegenkam. So musste sie 20 km vor dem Ziel die Polin Kasia Niewiadoma-Phinney, die Französin Juliette Berthet und Longo Borghini ziehen lassen. Den Traum vom Regenbogentrikot gab die Schweizer Teamleaderin dennoch nicht auf. «Ich dachte: Wenn sie am Ende wieder zusammenkommen, kann ich vielleicht doch noch gewinnen. Also bin ich einfach weitergefahren.»

Vollerings Soloflucht wurde 16 km vor dem Ziel tatsächlich beendet, doch Reusser schaffte den Anschluss an die Spitze nicht mehr.

Damit verpasste sie auch die Gelegenheit, eine lange Schweizer Durststrecke zu beenden. Seit 24 Jahren wartet die Schweiz bei den Frauen auf eine WM-Medaille im Strassenrennen. Zuletzt hatte Nicole Brändli 2002 in Zolder Silber gewonnen. Barbara Heeb ist dank ihrem Triumph 1996 in Lugano bis heute die einzige Schweizer Strassen-Weltmeisterin.

Vollering schliesst eine Lücke

Vollering hingegen vollendete eine herausragende Saison mit ihrem ersten WM-Titel im Strassenrennen. Die Niederländerin setzte sich nach 180 km im Zweiersprint gegen Niewiadoma-Phinney durch und komplettierte damit nach ihren Siegen am Giro d'Italia und bei der Tour de France in diesem Jahr die «Triple Crown».

Dabei hatte Vollering nach ihrer gescheiterten Soloflucht über mehr als 20 km zwischenzeitlich um den Sieg gebangt. «Irgendwann kamen sie wieder heran, und ich dachte: Oh Scheisse! Aber es war noch nicht vorbei. Ich musste weiter daran glauben. Ich habe es nochmals versucht und bis zur Ziellinie nie aufgegeben», sagte Vollering im Siegerinterview.

Mit dem Triumph schloss die in der Schweiz lebende 29-Jährige eine der letzten Lücken in ihrem beeindruckenden Palmarès. Zweimal gewann sie bereits die Tour de France und die Vuelta, hinzu kommen der Gesamtsieg am Giro d'Italia sowie Erfolge bei Monumenten wie der Flandern-Rundfahrt und Lüttich-Bastogne-Lüttich. An einer WM war Silber 2023 in Glasgow bislang ihr bestes Ergebnis im Strassenrennen. Nun besitzt sie auch das Regenbogentrikot.

Quelle: sda
veröffentlicht: 26. September 2026 22:17
aktualisiert: 26. September 2026 22:17