Der besondere Abend des Nico Elvedi
Es läuft die 55. Minute im Spiel zwischen Schottland und der Schweiz, als Dan Ndoye nach einem Corner am rechten Flügel den Ball erhält und ihn flach vor das Tor bringt. Dort ist nicht etwa Stürmer Zeki Amdouni durchgelaufen, nein: Nico Elvedi hat den ersten Pfosten avisiert und trifft in Manier eines Goalgetters.
«Es war ein super Ball von Dan (Ndoye; d. Red.), ich musste ihn dann nur noch reinschieben.» Die Aussage, die Elvedi nach dem Spiel macht, ist typisch für ihn. Lob scheint dem Zürcher unangenehm, stattdessen gibt er die Lorbeeren lieber weiter. So ist sein Charakter, so ist sein Spiel. Selten spektakulär, dafür umso effektiver. Alles für die Mannschaft.
Bankdrücker an der EM
Von Trainer Murat Yakin gab es nach dem Spiel ein Sonderlob. Als «bärenstark» bezeichnete der Nationaltrainer die Leistungen seines Schützlings in den vergangenen Partien. «Er gewinnt alle Zweikämpfe, sichert für die Mitspieler ab, setzt Akzente in der Offensive und erzielt auch noch ein Tor.» Schon an der WM gehörte der Innenverteidiger zu den besten Schweizern. Mittlerweile ist er unverzichtbar geworden für Yakin, umso mehr, da mit Captain Granit Xhaka und Breel Embolo zwei Führungsspieler aus allseits bekannten Gründen für die vier Spiele in der Nations League nicht aufgeboten wurden.
Dass sich Elvedi zu den absoluten Leistungsträgern im Nationalteam mausert, war vor nicht allzu langer Zeit noch nicht absehbar. An der EM 2024 in Deutschland spielte er keine Minute. Und selbst nach dem Rücktritt von Fabian Schär musste er seinen Platz im Team erst finden. Er habe eine gute Wandlung genommen, sagte Yakin über Elvedi, der alles auf den Kopf gestellt habe. «Es ist schön zu sehen, dass es Spieler gibt, die demütig und einsichtig sind, die an sich arbeiten und nicht die Fehler bei jemand anderem suchen», so Yakin. «Ich bin sehr glücklich und sehr froh für ihn, dass es nun so läuft.»
Leistungsträger an der WM
Seit Beginn der WM-Qualifikation im September 2025 hat Elvedi keine Pflichtspielminute verpasst. Endlich bekommt er, der im Sommer nach elf Jahren bei Borussia Mönchengladbach in die Premier League zu Leeds United gewechselt ist, auch im Nationalteam jene Anerkennung, die ihm dort lange verwehrt blieb.
«Momentan ist das Selbstvertrauen da, ich fühle mich sehr gut und versuche, das auf dem Platz umzusetzen», sagt Elvedi, der am Dienstag sein viertes Tor im 75. Länderspiel erzielte, und dies ausgerechnet am Abend vor seinem 30. Geburtstag. «Ich weiss nicht, was noch läuft. Aber ich würde gerne einen ausgeben und anstossen», sagte er, um wenig später die Legitimation des Chefs zu erhalten. «Gut möglich, dass das eine oder andere Bier heute noch getrunken wird», sagte Yakin, um nachzuschieben, dass die Spieler in dieser Hinsicht jedoch sehr vernünftig seien. «Sie wissen alle, um was es geht.»
Am Samstag und Dienstag stehen bereits die nächsten Spiele in der Nations League an. Gegner in Luzern sind erst Slowenien und dann Nordmazedonien. Mit zwei Siegen und dann zwölf Punkten wäre der Schweiz der direkte Wiederaufstieg in die Liga A kaum mehr zu nehmen. Natürlich soll dabei hinten auch wieder die Null stehen, wenn der 30-jährige Nico Elvedi in seinem angestammten Habitat seiner eigentlichen Berufung nachgeht.