Dänemarks Handballer untermauern Vormachtstellung
Der Final gegen Deutschland war noch nicht beendet, da flossen bei Dänemarks Trainer Nikolaj Jacobsen bereits die Tränen. Später waren die Emotionen unter den Bier- und Champagner-Duschen kaum noch zu erkennen. Nach vier Weltmeister-Titeln in Folge und dem Olympiasieg im vorletzten Jahr in Paris ist die Übermacht im Welthandball nach 14 Jahren auch wieder Europameister.
15'000 Zuschauer in der «Hölle von Herning» erlebten hautnah, wie der enorme Druck der vergangenen Wochen von Jacobsen und seinem Team abfiel. «Das war es, was ich als meinen Traum bezeichnet habe. Manchmal muss man es wagen, grosse Träume zu haben. Hut ab vor meinen Jungs. Sie wurden in dieser schwierigen Zeit von Jungen zu erwachsenen Männern», sagte Jacobsen nach dem 34:27 gegen Deutschland. Dann hüpfte er erst wie ein kleines Kind vor die Fankurve, später wirbelten ihn seine Schützlinge in die Luft. «Ich bin heute fast sprachlos. Es ist magisch», sagte der 54-Jährige.
Amtierender Olympiasieger, Weltmeister und Europameister. Die Dänen setzen jährlich neue Massstäbe im Welthandball. Dabei wirkten die Rot-Weissen diesmal so verwundbar wie lange nicht; gegen Portugal mussten sie in der Vorrunde sogar eine Niederlage hinnehmen. Auch gegen Island und selbst im Final gegen Deutschland lief nicht alles glatt. Doch am Ende war alles wie immer in der jüngeren Vergangenheit: Dänemark holte den Titel.
Gidsel gelingt Historisches
«Ich glaube, wir haben wirklich alles erlebt. In vielerlei Hinsicht war es die härteste Endrunde, die wir je gespielt haben», sagte Mathias Gidsel, dem die Strapazen der EM mit Kratzern und Schürfwunden deutlich anzusehen waren.
Dem zweimaligen Welthandballer gelang einmal mehr Historisches. 68 Tore sind ein EM-Rekord. Gidsel überbot die bisherige Bestmarke aus dem Jahr 2020, die der Norweger Sander Sagosen mit 65 Treffern aufgestellt hatte. Ausserdem wurde der schmächtige Rückraumspieler zum MVP, dem wertvollsten Spieler der EM, gewählt.
«Ich bin wahnsinnig stolz. Alle wissen, wie viel Druck ich habe. Viele erwarten in jedem Spiel viel von mir. Ich versuche immer, mein Bestes zu geben und meine Mitspieler und Familie stolz zu machen», sagte Gidsel, der in der Bundesliga für die Füchse Berlin spielt und in der vergangenen Saison deutscher Meister wurde. «Ich glaube, ich brauche bald einen neuen Raum für die Pokale im Haus meiner Eltern.»
Vorsprung wird kleiner
Doch auch dem «Michael Jordan des Handballs», wie Bob Hanning, der Geschäftsführer der Berliner Füchse, den dänischen Überflieger nennt, bleibt nicht verborgen, dass der Vorsprung auf die Konkurrenz kleiner wird. Vor allem Deutschland konnte die Lücke etwas schliessen. «Das macht mir ein bisschen Angst. Jetzt ist die deutsche Mannschaft unser grösster Gegner», sagte Gidsel.