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Bewährungsprobe nach schwieriger Vorbereitung

Leichtathletik

Bewährungsprobe nach schwieriger Vorbereitung

11. August 2026, 05:15 Uhr
Ditaji Kambundji ist bereit für die EM
© KEYSTONE/MICHAEL BUHOLZER
Ditaji Kambundji blüht in grossen Momenten oft auf. Allerdings startet die letztjährige Weltmeisterin über 100 m Hürden nach einer schwierigen Vorbereitung mit Fragezeichen in die EM in Birmingham.

Es ist bis jetzt nicht das Jahr von Ditaji Kambundji. An den Hallen-Weltmeisterschaften im März in Torun verpasste sie über 60 m Hürden das Podest als Vierte um zwei Hundertstel. Ende Juni zog sie sich beim Aufwärmen für das Rennen am Diamond-League-Meeting in Paris eine Oberschenkelverletzung zu.

Seither konnte die 24-jährige Bernerin keinen Wettkampf mehr bestreiten, weshalb sie in diesem Jahr erst dreimal über 100 m Hürden angetreten ist, zuletzt am 31. Mai in Rabat. Die Zeiten waren mit 12,82, 12,62 und 12,66 Sekunden nicht berauschend. Allerdings wies Kambundji im vergangenen Jahr Ende Mai nach den ersten zwei Rennen eine Bestzeit von 12,71 Sekunden aus, die Fortsetzung ist bekannt: Am 15. September wurde sie in Tokio mit 12,24 Sekunden als erste Schweizerin überhaupt Weltmeisterin im Freien.

Den Druck in Energie umwandeln

Ditaji Kambundji ist gemacht für grosse Momente. Sie besitzt die Fähigkeit, sich vom Druck nicht lähmen zu lassen, dann die beste Leistung abzurufen, wenn es zählt. Das war allerdings ein Prozess, auch wenn sie ihre Nervosität stets mehr gepusht hat. So gelingt es ihr mittlerweile hervorragend, die vorhandene Energie und Spannung, die ein Wettkampf mit sich bringt, in etwas Produktives zu kanalisieren und nicht einfach eine Kraftexplosion zu haben. «Früher war es mehr ein: Okay, mal schauen, ob es gut kommt. Heute weiss ich, dass es sitzt, wenn es sitzen muss. Das hinzubekommen, hat Arbeit gebraucht», erzählt Ditaji Kambundji der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Eine Stärke von ihr ist auch, im Hier und Jetzt zu sein. «Es war mir immer sehr bewusst, dass es nicht darum geht, wer die bessere Saison hatte, wer im Vorlauf, wer im Halbfinal schneller war, sondern nur das zählt, was vor dir ist», sagt Kambundji. Das Vereinfachen eines Wettkampfs, das Herunterbrechen auf den Moment, sei eine ihrer Stärken. «Es ist mir total egal, wenn ich einen Halbfinal nicht gewinne, das verunsichert mich nicht.»

Zwar arbeitet sie je nach Bedarf mit einer Sportpsychologin zusammen, «ich habe jedoch das Gefühl, dass sehr viel Intuition, Gefühl und Erfahrung ist». So hat sie gemerkt, dass sie im Gegensatz zu Konkurrentinnen vor einem Start nicht nervös auf der Stelle treten oder herumschreien muss, es ihr mehr bringt, ruhig, fokussiert und konzentriert zu sein. «Welches für mich der perfekte mentale Zustand ist, der mir erlaubt, die Höchstleistung abzurufen, das habe ich mit den Wettkämpfen gelernt», erklärt die Schweizer Sportlerin des vergangenen Jahres.

Die fehlende Wettkampfpraxis

Eigentlich strebte Ditaji Kambundji in diesem Jahr an, im Durchschnitt auf einem höheren Level als 2025 zu laufen, als sie vor dem WM-Goldlauf Zeiten von 12,40 bis 12,80 Sekunden erreichte. Nun nimmt sie den wichtigsten Wettkampf der Saison mit gewissen Fragezeichen in Angriff oder wie sie sich ausdrückt: «Gleichermassen gespannt wie zuversichtlich.»

Positiv stimmt sie, dass sie die Trainingsintensität zuletzt planmässig steigern konnte, nachdem in den ersten Wochen nach der Verletzung selbstredend der Genesungsprozess im Vordergrund stand. «Mein Körper hat gut auf die letzten Trainings reagiert. Unter den gegebenen Umständen haben wir in der EM-Vorbereitung sicher das Beste herausgeholt», sagt Kambundji.

Das grosse Fragezeichen ist, wie sich die fehlende Wettkampfpraxis auswirken wird. So wäre es ihr lieber gewesen, wenn sie schon am Montagabend im Vorlauf hätte starten müssen. Sie gehört jedoch in ihrer Disziplin zu den zwölf bestplatzierten Athletinnen der «Road to Birmingham», weshalb sie fix in den Halbfinals steht. Fünf EM-Starterinnen waren heuer schneller als Kambundji im Hürdensprint, die Nummer 1 der Meldeliste ist die Niederländerin Nadine Visser mit einer Zeit von 12,41 Sekunden.

«Ich bin gespannt, wie schnell ich nach der langen Wettkampfpause wieder meinen Rhythmus finden werde», sagt Ditaji Kambundji. Würde sie sich jedoch keine Chancen ausrechnen, dann wäre sie in Birmingham kaum dabei. Vielmehr spornt sie die grosse Herausforderung zusätzlich an, wobei sie ohnehin keine ist, die sich Grenzen setzt.

An ihren ersten beiden Freiluft-Europameisterschaften gewann sie Bronze (2022) respektive Silber (2024). Sorgt sie nun trotz der schwierigen Vorbereitung für den nächsten Coup? Jedenfalls ist die in den letzten Jahren gelegte Basis dermassen gut, dass es durchaus doch noch das Jahr von Ditaji Kambundji werden könnte.

Quelle: sda
veröffentlicht: 11. August 2026 05:15
aktualisiert: 11. August 2026 05:15