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Audrey Werro greift nach erster Elite-Medaille

Leichtathletik

Audrey Werro greift nach erster Elite-Medaille

21. März 2026, 05:00 Uhr
Audrey Werro zieht mit langen Schritten vorne weg
© KEYSTONE/MICHAEL BUHOLZER
Audrey Werro läuft über 800 m konstant in die Weltspitze, doch die Medaille bei der Elite fehlt. In Torun an der Hallen-WM soll sich das ändern. Drei Rennen, ein Ziel: endlich Edelmetall.

Die Rechnung liegt seit Monaten offen auf dem Tisch. Audrey Werro kennt sie gut. Sie hat sie 2025 in den Beinen gespürt, in den letzten Metern, wenn die Ziellinie näherkommt und doch einen Hauch zu spät erreicht wird. Vor einem Jahr an der Hallen-WM in Nanjing verpasste die Freiburgerin Bronze nur um einen Hundertstel, nachdem sie zwei Wochen zuvor an der Hallen-EM in Apeldoorn durch Sturz aus der Medaillenentscheidung gefallen war.

Und vergangenen September an der WM in Tokio blieb der Freiburgerin, die sich mit dem Schweizer Rekord (1:55,91) und als Siegerin am Diamond-League-Final in die Weltspitze gehievt hatte, trotz tadelloser Leistung nur Platz 6. Nun steht die Rechnung in Torun wieder bereit, diesmal soll bezahlt werden.

Der erste Schritt ist getan. Im Vorlauf am Freitagmittag kontrollierte die bald 22-Jährige das Rennen souverän und setzte sich locker in unter zwei Minuten durch. Ein Auftritt ohne Kraftverschleiss und ein wichtiges Signal im Hinblick auf das anspruchsvolle Programm. Denn der Weg aufs Podest führt über drei Rennen in drei Tagen. Am Samstag steht der Halbfinal an, ehe am Sonntagabend (19.50 Uhr) die Medaillen vergeben werden.

Die Dichte der Konkurrenz ist hoch. Die Britin Keely Hodgkinson, Olympiasiegerin und dreifache WM-Zweite, gilt als klare Favoritin. Dahinter bewegt sich Audrey Werro auf Augenhöhe mit den weiteren Medaillenkandidatinnen aus Afrika, Australien und den USA.

Die Form stimmt

Die Form spricht klar für die Westschweizerin. In dieser Hallensaison präsentierte sie sich so konstant wie noch nie. Viermal in sechs Rennen blieb sie unter 1:59 Minuten, darunter der Schweizer Hallenrekord (1:57,27 in Belgrad). Zum Vergleich: Im vergangenen Winter war sie in elf Rennen nur einmal unter der Zwei-Minuten-Marke geblieben. «Diese Konstanz von Audrey mit Zeiten unter 1:59 Minuten ist ein sehr gutes Zeichen», sagt ihre Trainerin Christiane Berset Nuoffer in Torun gegenüber der Zeitung «Le Quotidien Jurassien». Ihre Athletin ist schneller und stabiler geworden.

Doch Hallen-Wettkämpfe, bei denen der Platz auf der Bahn noch enger ist als im Freien, folgen oft eigenen Gesetzen. Hier wird nicht einfach Tempo gemacht, hier wird taktiert, geschoben, gewartet. Schritte kreuzen sich, Ellbogen finden ihren Platz, Lücken öffnen sich - oder eben nicht. Audrey Werro hat dies bereits mehrfach erfahren, und dies selten als Profiteurin. Deshalb wählt sie meist die Taktik einer Front-Runnerin.

Die Serie an knapp verpassten Erfolgen nährt den Eindruck einer offenen Rechnung und erhöht zugleich die Erwartungshaltung. «Man vergisst manchmal, dass Audrey noch sehr, sehr jung ist», ordnet Christiane Berset Nuoffer ein. Die Trainerin bleibt vorsichtig optimistisch, macht aber kein Hehl aus den Ambitionen: «Das Ziel hier in Polen ist eine Medaille.»

Jetzt Profisportlerin

Auch das Umfeld hat sich verbessert. Seit Audrey Werro vergangenen Sommer die Matura-Prüfung bestanden hat, ist der Alltag klarer, das Training flexibler. Keine Prüfungen mehr, keine Kompromisse im Kalender, dafür mehr Raum für Feinarbeit. So wie zuletzt, als man das Trainingslager wegen des Schlechtwetter-Einbruchs für einige Tage nach Magglingen verschob. Kleine Stellschrauben, die im Leistungssport grosse Wirkung entfalten.

Die Voraussetzungen für eine Medaille bei der Elite sind damit so gut wie selten. Form, Umfeld und Erfahrung stimmen. Nun soll in Torun auch das Resultat folgen. Alles deutet darauf hin, dass Audrey Werro bereit ist, ihre starken Zeiten endlich in Edelmetall umzumünzen.

Quelle: sda
veröffentlicht: 21. März 2026 05:00
aktualisiert: 21. März 2026 05:00