Alysa Liu mit veränderter Einstellung zu Olympia-Gold
Während bei den Männern die besten drei nach dem Kurzprogramm in der Kür allesamt patzten, zeigten die Topläuferinnen wenig Nerven. Die 20-jährige Alysa Liu verbesserte sich dank der besten Kür vom 3. auf den 1. Platz. Mit 226,79 Punkten verwies sie die Japanerin Kaori Sakamoto (224,90), die Weltmeisterin von 2023 und 2024, um 1,89 Punkte auf den Silberrang. Bronze ging ebenfalls nach Japan, an die 17-jährige Ami Nakai (219,16), die erstmals an Olympischen Spielen teilnahm. Nakai lag nach dem ersten Wettkampfteil noch knapp in Führung.
Der Triumph von Alysa Liu, deren Vater aus China stammt, ist eine spezielle Geschichte. Nach dem 3. Rang an der WM 2022 erklärte sie im Alter von 16 Jahren den Rücktritt vom Spitzensport. Sie war ausgebrannt, hatte keine Freude mehr am Eiskunstlauf. 2024 entschied sie sich, auf die Wettkampfbühne zurückzukehren - mit einer veränderten Einstellung. Sie setzt sich nun weniger unter Druck und das zahlte sich erneut aus: Vor einem Jahr gewann sie bereits vor Sakamoto den WM-Titel, und nun folgte der Olympiasieg.
Kaiser überholt Repond
Kimmy Repond war vor der Kür 21. und Livia Kaiser 23. Letztere zeigte einen soliden Auftritt, schade war nur, dass sie beim letzten Sprung, einem Doppel-Axel, stürzte. Zu Beginn zeigte die 21-jährige Thurgauerin eine schöne Kombination Dreifach-Lutz/Dreifach-Toeloop. Mit dem Total von 171,52 Punkten gelang Kaiser der mit Abstand beste Wettkampf der laufenden Saison - zuvor lag ihre Bestleistung bei 154,04 Punkten.
Repond stürzte in ihrer Kür gleich dreimal, und zwar bei den ersten drei Sprungelementen. Danach fing sich die 19-jährige Baslerin etwas. Jedoch erhielt nur eine Läuferin weniger Punkte als Repond in der Kür. Mit 100,34 Punkten blieb sie deutlich unter dem an der EM im Januar erzielten Kür-Wert (118,61). Die EM, die sie auf dem 7. Platz abschloss, war ihr erster Wettkampf in dieser Saison. Zuvor hatte sie monatelang mit Fussproblemen gekämpft, blieb aber stets dran. Deshalb war es schon ein Erfolg, überhaupt an den Winterspielen teilzunehmen.