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Zwischen Steckerziehen und Weiterkämpfen

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Zwischen Steckerziehen und Weiterkämpfen

5. März 2024, 13:27 Uhr
Die Leere bei den SCL Tigers nach dem Saisonende am Montagabend in Zürich
© KEYSTONE/ENNIO LEANZA
Die Enttäuschung steht den Langnauern ins Gesicht geschrieben. Vor der Verlängerung bei den ZSC Lions müssen sie auf der Spielerbank zusehen, wie in Genf ihr Saisonende besiegelt wird.

Bitter sei dieser Moment gewesen, erzählte Flavio Schmutz, einer der Captain-Assistenten der SCL Tigers. Zuvor keimte im Finish noch einmal so etwas wie Hoffnung auf, als Saku Mäenalanen für die Emmentaler in Zürich zum 1:1 ausglich. Hätten die Tigers in Verlängerung oder Penaltyschiessen gewonnen und Biel in Genf nach Verlängerung oder Penaltyschiessen noch verloren, wäre das eine historisch späte Wende um den allerletzten Platz in der Postseason gewesen. «Aber als unsere Verlängerung in Zürich begann, wussten wir, dass Servette nicht mehr ausgeglichen hatte.»

Was folgte, war «schon sehr speziell», so Flavio Schmutz. Die (verlorene) Overtime interessierte niemanden mehr. «Du kämpfst bis zur allerletzten Sekunde, bist auf hundert - und dann wird einfach der Stecker gezogen.» Harri Pesonen, der Captain, hielt in der Kabine das Schlusswort. Die Enttäuschung war riesig, «obwohl wir doch mit unserer Saison schwer zufrieden sein dürfen».

Thierry Paterlini, der Trainer, ordnete es so ein: «Platz zehn stellte für uns ein äusserst hochgestecktes Ziel dar. Am Ende fehlten uns drei Punkte zu Servette und Biel, den beiden Finalisten der letzten Saison. Meister Servette gewann sogar die Champions League. Wir haben diese drei Punkte nicht in den letzten beiden Runden verspielt, sondern eher über den Jahreswechsel, als wir acht Partien hintereinander verloren. Aber keine Frage: Wir haben mehrere Schritte vorwärts gemacht. Wir dürfen mit unserer Saison zufrieden sein. Und wir arbeiten daran, diesen nächsten Schritt in der kommenden Saison zu schaffen.»

Alles richtig gemacht

Weiter geht es hingegen für den EHC Biel. Martin Steinegger, der Bieler Sportchef, darf für sich in Anspruch nehmen, alles richtig gemacht zu haben. Mit seinem Wechsel an die Bande löste er die Wende zum Guten aus. Steinegger: «Wir spürten, dass wir es mit Petri Matikainen nicht mehr schaffen würden. Der Wechsel reichte dann aus, um neuen Elan reinzubringen. Viel ändern mussten wir nicht. Aber das ist doch normal: Wenn ein Trainerwechsel in einer Mannschaft nichts bewegt, dann stünde es um die Mannschaft wirklich schlecht.»

Hätten die Verantwortlichen in Biel eher reagieren müssen? Steinegger: «Auf keinen Fall. Im Herbst, als es wirklich nicht gut lief, hielten wir bis zum Geht-nicht-mehr an Matikainen fest. Jetzt waren erst fünf Spiele vor dem Wechsel wirklich schlecht - und auch von diesen fünf Spielen gewannen wir eines. Hätten wir Matikainen früher freigestellt, hätte man uns für verrückt gehalten.»

Forsters Ehrenrunde

Speziell präsentierte sich die Schlussphase der Regular Season für Beat Forster, den 41-jährigen Verteidiger-Haudegen des EHC Biel, den ältesten Spieler der National League, der seine letzte Saison spielt. In den letzten zwei Partien drohte ihm, dass seiner Karriere der Stecker gezogen wird. «Ob mich das beschäftigt hat? Überhaupt nicht. Ich habe so viele Schlachten geschlagen, ich verschwendete keine Sekunde an ein mögliches Ende. Ich bereitete die Spiele gegen Lugano und Servette genau gleich vor wie alle anderen Spiele vorher.»

Vor einem Vierteljahrhundert unterschrieb Forster in Davos mit 16 für 5000 Franken pro Saison den ersten Vertrag - an dem Tag, an dem Bayern München den Champions-League-Final gegen Manchester United wegen zweier Gegentore in der Nachspielzeit mit 1:2 vergeigte. Forster ist Bayern-Fan! «So gesehen war das kein guter Tag. Aber ich kann mich glücklich schätzen, wie alles herausgekommen ist - zuerst in Davos und dann überall, wo ich war.»

Forster wurde zweimal Schweizer Meister bei den Junioren (mit Davos). Er gehörte zum U18-Silberteam von Helsinki und erzielte an jener WM die meisten Tore aller Verteidiger. Mit dem HCD wurde er fünfmal Schweizer Meister und gewann er zweimal den Spengler Cup. Mit den ZSC Lions holte er ebenfalls einen Titel und gewann 2009 die Champions Hockey League.

Forster polarisierte aber auch immer wieder. Im Herbst 2009 erzwang er nach dem Gewinn der Champions Hockey League den Rücktransfer nach Davos - aus Gründen, die bis heute nur Insider kennen. Und 2017 verliess er Davos im Unfrieden in Richtung Biel, weil ihm die Bündner den Vertrag kündigten, um diesen neu auszuhandeln. «Aber ich habe meinen Frieden mit den meisten wieder gefunden», sagt Forster. «Mit Arno Del Curto telefoniere ich regelmässig wieder. Ausserdem wurde ich 2008 mit dem ZSC Meister und im Jahr darauf mit dem HCD. Da habe ich nicht alles falsch gemacht...»

Der neue Job

Letzten Samstag drehte Forster nach der Partie gegen Lugano schon mal eine Ehrenrunde in der Bieler Arena. Es hätte ja der letzte Auftritt im Heimstadion der letzten sieben Jahre sein können. Jetzt geht die Saison weiter - zuerst gegen Servette, dann eventuell gegen Lugano oder Ambri und im Viertelfinal allenfalls gegen die ZSC Lions. «Wissen Sie was? Ich habe jetzt so lange gespielt. Da darf es ruhig noch lange weitergehen.»

Speziell waren für Forster die letzten Tage seit dem Trainerwechsel noch aus einem anderem Grund. Er bleibt in Biel, er hat die Zusicherung, im Trainerstab der ersten Mannschaft weitermachen zu können. Weil aber Petri Matikainen gehen musste und ein neuer Trainer kommen wird, weiss Forster nicht mehr, wie sich sein neuer Job beim EHCB genau präsentieren wird.

Quelle: sda
veröffentlicht: 5. März 2024 13:27
aktualisiert: 5. März 2024 13:27