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Zuerst Quotenplätze, dann Gerangel um Olympia-Tickets

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Zuerst Quotenplätze, dann Gerangel um Olympia-Tickets

30. Oktober 2026, 05:01 Uhr
Volle Konzentration bei Chiara Leone, der Olympiasiegerin von Paris 2024
© KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER
An der Schiess-WM in Doha kämpfen die Schweizer Gewehrschützinnen gemeinsam um Olympia-Tickets. Später werden sie zu Konkurrentinnen um die Plätze für Los Angeles 2028.

Chiara Leone, Emely Jäggi und Vivien Jäggi verfolgen ab kommender Woche dasselbe Ziel: Sie wollen der Schweiz einen Startplatz für die Olympischen Spiele sichern. Die Weltmeisterschaften in Katar eröffnen die Qualifikation für Los Angeles 2028. Damit beginnt für die drei Kleinkaliber-Spezialistinnen ein Rennen, das sie vorerst auch für ihre Konkurrentinnen im eigenen Team bestreiten.

Denn ein Quotenplatz gehört der Nation. Wer ihn gewinnt, hat die persönliche Olympiaqualifikation noch nicht geschafft. Maximal zwei Schweizerinnen dürfen pro Einzeldisziplin in Los Angeles antreten. Für Leone und die Jäggi-Schwestern zählt deshalb zunächst das gemeinsame Interesse. Die interne Ausmarchung folgt später.

Die Hürde zum Auftakt ist hoch: Im Prinzip ist in Doha nur eine Medaille gut genug, denn pro olympischem Einzelwettkampf werden drei Quotenplätze vergeben. Weil ein Land an dieser WM pro Disziplin nur einen Quotenplatz gewinnen kann, wird es unter Umständen ein Nachrücken geben.

Eine vierte Kandidatin

Wie umkämpft die Schweizer Plätze im Dreistellungsmatch werden könnten, zeigt Martina Herrli. Die Bündner Juniorin erzielte bei ihrem ersten Elite-Weltcup in München gleich 593 Punkte. Nur eine Schützin war in der Qualifikation besser. Weil Herrli ohne Finalberechtigung antrat, blieb ihr die Teilnahme an der Entscheidung dennoch verwehrt.

Hinter der Olympiasiegerin Leone und den Jäggi-Schwestern steht damit eine weitere Athletin auf Weltklasse-Niveau bereit. Bestätigt Herrli diese Leistung, könnte aus dem Dreikampf bis zur Olympiaselektion ein Vierkampf werden. Selbst wenn die Schweiz beide verfügbaren Quotenplätze gewinnt, bliebe für zwei von ihnen kein Platz im olympischen Dreistellungsmatch.

Bereits die Selektion für Paris 2024 war eng und umstritten. Nina Christen, die Olympiasiegerin von Tokio 2021, setzte sich damals nur hauchdünn gegen Emely Jäggi durch. Für Los Angeles könnte sich die Konkurrenz mit Herrli also nochmals verschärfen.

Darüber, wer die Tickets nutzen darf, mag der Leistungssportchef Joel Strübi nicht spekulieren, «denn vergangene Erfolge ersetzen den aktuellen Leistungsnachweis nicht». Der Ostschweizer betont aber, dass mit dem Potenzial-Ranking und dem separaten Olympia-Ranking ein transparenter Prozess laufe. «Je näher die Leistungen am Selektionszeitpunkt liegen, desto stärker zählen sie», erklärt er. Vorerst gelte es, diese Auswahl überhaupt zu ermöglichen.

Im Kleinkaliber auf Augenhöhe

Im Kleinkaliber-Dreistellungsmatch ist das internationale Niveau für einen Finaleinzug laut Strübi in den vergangenen zwei Jahren weitgehend stabil geblieben. Je nach Konkurrenz sind ungefähr 590 Punkte nötig. Solche Resultate könnten die Schweizerinnen erzielen.

Mit dem Luftgewehr steigt die Schwelle zum Final hingegen laufend, zuletzt laut Strübi um ungefähr einen Punkt pro Jahr. Besonders die asiatischen Nationen treiben diese Entwicklung voran. Wer sein bisheriges Niveau hält, verliert an Boden.

Der Verband gewichtet deshalb das Kleinkaliber im Training stärker. Dort sieht Strübi die grössten Erfolgsaussichten, insbesondere bei den Frauen. In Doha treten Leone und die Jäggi-Schwestern im Dreistellungsmatch an. Mit dem Luftgewehr ergänzt Audrey Gogniat, die Olympia-Dritte von Paris, die beiden Schwestern.

Fünf Tickets als Ziel

Für den gesamten Qualifikationsweg hat Strübi fünf Schweizer Olympia-Tickets im Blick. Neben den Gewehrschützinnen gehören derzeit Christoph Dürr im Dreistellungsmatch und Jason Solari mit der Luftpistole zu den Hoffnungsträgern. Je nachdem, welche Quotenplätze gewonnen werden und wer die Selektion schafft, ergibt der Mixed-Wettkampf mit dem Luftgewehr eine weitere Möglichkeit.

Quelle: sda
veröffentlicht: 30. Oktober 2026 05:01
aktualisiert: 30. Oktober 2026 05:01