Zürcher Justiz ermittelt bei Freimaurer-Brand wegen Brandstiftung
Die bisherigen Ermittlungen würden auf Brandstiftung hindeuten, teilte die Staatsanwaltschaft auf Anfrage von Keystone-SDA mit. Es sei deshalb ein Strafverfahren gegen Unbekannt eröffnet worden. Weitere Angaben wollte die Staatsanwaltschaft nicht machen.
Die Untersuchungen rund um den Grossbrand im historischen Haus laufen auf Hochtouren. Noch hindert die Einsturzgefahr des Gebäudes die Arbeit der Ermittler. Diese konnten das Brandobjekt bis am Dienstagabend noch nicht betreten, wie ein Polizeisprecher sagte. Der Statiker habe die Stabilität des einsturzgefährdeten Gebäudes noch nicht abschliessend beurteilt und es noch nicht freigegeben.
Die Feuerwehr hingegen beendete ihren Einsatz auf dem Lindenhof am Montagabend, nachdem sie noch eine Lüftungsanlage aus dem Dachstock gehoben habe, wie eine Sprecherin von Schutz und Rettung Zürich am Dienstag gegenüber Keystone-SDA sagte.
Freimaurer besprechen weiteres Vorgehen
Das durch das Feuer zerstörte Haus gehört der Freimaurer-Loge «Modestia com Libertate», sie liessen es Mitte des 19. Jahrhunderts erbauen. Wie es mit dem Gebäude weitergeht, ist derzeit noch unklar. Die Freimaurer-Loge komme am Dienstagabend zusammen, um die nächsten Schritte zu besprechen, sagte Raoul Würgler, Stuhlmeister der betroffenen Freimaurerloge, auf Anfrage von Keystone-SDA.
Das Feuer war in der Nacht auf Montag gegen 1 Uhr im Dachstock des historischen Altstadtgebäudes ausgebrochen. Die Löscharbeiten erwiesen sich als anspruchsvoll, weil das Dach einzustürzen drohte. Verletzt wurde niemand.
Zum Zustand des Gebäudes konnte Würgler am Tag nach dem Brand noch keine weiteren Angaben machen. Bauingenieure seien vor Ort. Die Loge im Untergeschoss blieb vom Feuer verschont, es entstand aber Wasserschaden. Laut der Stadtpolizei beträgt der entstandene Sachschaden «mehrere hunderttausend Franken».
Sammlung von Gehstöcken verschwunden
Kurz nach dem Brand hatten Freimaurer gegenüber Medien den Verdacht auf Brandstiftung geäussert und von einem möglichen Einbruch berichtet. Am Nachmittag teilte die Stadtpolizei dann mit, dass ein Delikt nicht ausgeschlossen werden könne. Es sei ein Einbruch in einem Nebengebäude angezeigt worden. Ob dieser Einbruch im Zusammenhang stehe mit dem Brand, werde untersucht.
Würgler sagte dazu, dass eine Sammlung von Gehstöcken verschwunden sei. Diese seien in einer Glasvitrine aufbewahrt worden. In einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» sagte er, dass die Gehstöcke nicht unbedingt finanziell wertvoll seien, aber einen emotionalen Wert besässen, da sie von einem ehemaligen Mitglied seien.
Ob noch weitere Sachen verschwunden seien, konnte Würgler auf Anfrage von Keystone-SDA nicht sagen. Auch dieses Thema sei Teil der Besprechung vom Abend.
Am Tag vor dem Brand hatte die «Weltwoche» ein Video zum Thema Freimaurer veröffentlicht. Dieses Video mit Roger Köppel und Christoph Mörgeli löste unzählige Kommentare aus, in denen die Freimaurer auch als «okkulter Geheimbund» bezeichnet wurden. Ob es zwischen Video und Brand einen Zusammenhang gibt, ist unklar.
Drei Jahre nach dem Brand wieder aufgebaut
Bereits 2007 war es in der Zürcher Altstadt zu einem Grossbrand gekommen. Am frühen Morgen des 14. Novembers kämpfte ein Grossaufgebot der Feuerwehr gegen die Flammen, die aus dem Zunfthaus zur Zimmerleuten am Limmatquai schlugen.
Ein Feuerwehrmann wurde bei den Löscharbeiten durch den einstürzenden Dachstuhl getötet, mehrere Personen wurden verletzt. Die kantonale Denkmalpflege stufte das Zunfthaus damals als eines der bedeutendsten historischen Gebäude der Altstadt ein. Drei Jahre später war das fast völlig zerstörte Gebäude wieder aufgebaut.