News
Schweiz

Zürcher Bellevue verliert sein Kino Corso

Umbau

Zürcher Bellevue verliert sein Kino Corso

28. Januar 2026, 12:40 Uhr
Das denkmalgeschützte Geschäftshaus «Corso» beim Bellevue in Zürich muss umfassend saniert werden. Der Mietvertrag mit der Kinobetreiberin «blue Entertainment AG» wurde per Baubeginn aufgelöst. (Archivbild)
© KEYSTONE/VALERIANO DI DOMENICO
Die Kinokrise erfasst nun auch das Bellevue in Zürich. Wie die Stadt am Mittwoch mitteilte, hat sie zusammen mit der Kinobetreiberin den Mietvertrag für das «Corso» aufgelöst. Filme werden vermutlich nur noch bis im Jahr 2029 gezeigt.

Damit gibt die Kinobetreiberin «blue Entertainment AG» einen ihrer vier Standorte in Zürich auf. Die Kinos Abaton, Capitol und Metropol bleiben weiter bestehen.

Das Geschäftsgebäude Corso, in dem sich das Kino befindet, muss laut Stadt umfassend saniert werden. Bereits in den Jahren 2017 und 2023 hatte der Stadtrat für die Projektierung der Gesamtsanierung 6 Millionen Franken bewilligt. Nun hat der Stadtrat einer Erhöhung des Projektierungskredits um 5 Millionen Franken zugestimmt.

Denn nach weiteren Untersuchungen der Bausubstanz sei deutlich geworden, dass der Instandsetzungsbedarf bei einigen Gebäudeteilen wesentlich grösser ist als ursprünglich angenommen.

Eventhaus neu beleben

In Angriff nehmen muss die Stadt den Brandschutz, den hindernisfreien Zugang, die Erdbebensicherheit und die Erneuerung der Gebäudehülle mit besserer Wärmedämmung. Zudem müsse die Gebäudetechnik vollständig ausgetauscht sowie die Gebäudestruktur stabilisiert werden.

Die Stadt habe aufgrund des grösseren Sanierungsbedarfs beschlossen, das «Corso» so umzubauen, dass es in Zukunft vielseitig genutzt werden könne. «Es soll als Eventhaus die kulturelle Tradition des Standorts wiederbeleben und beispielsweise mit Live-Darbietungen ein breites Publikum ansprechen», heisst es in der Mitteilung.

Die «Dancing Mascotte AG» bleibt mit Club und Restaurant weiterhin Mietpartei.

Vom Theater zum Kino

Die Geschichte des Gebäudes reicht bis ins Jahr 1900 zurück. Es wurde ursprünglich als Theater eröffnet und war 47 Jahre lang zentrale Unterhaltungsstätte von Zürich. 1947 wurde das Corso-Theater in ein Kino umgebaut. Ein paar Jahre später kaufte die Stadt Zürich erst den Theatertrakt und später den Vorderbau. Seit 1970 steht das Gebäude unter Denkmalschutz.

Anderen Kinos half die Stadt Zürich zuletzt. Um dem Kinosterben in der Stadt Zürich entgegenzuwirken, beschlossen Stadt und Kanton im Jahr 2023, zwei Kinobetreibern finanziell unter die Arme zu greifen. Sie unterstützten die Kinobetriebe Arthouse Commercio Movie AG und Neugass Kino AG mit 579'000 Franken. Sie befürchteten, dass ohne die Betreiberinnen zahlreiche kleinere, experimentelle oder nicht kommerzielle Filme sowie ein Teil des Schweizer Filmschaffens in Zürich nicht mehr gezeigt würden.

Quelle: sda
veröffentlicht: 28. Januar 2026 12:40
aktualisiert: 28. Januar 2026 12:40