News
Schweiz

Zürcher Beizen sollen späte Spiele der Fussball-WM zeigen können

Fussball

Zürcher Beizen sollen späte Spiele der Fussball-WM zeigen können

27. Mai 2026, 19:11 Uhr
Zusammen draussen Spiele der Fussball-WM schauen soll auch nach 23 Uhr möglich sein, findet das Zürcher Stadtparlament. (Archivbild)
© KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER
Das Zürcher Stadtparlament fordert die Übertragung von späten Spielen der Fussball-Weltmeisterschaft in den Boulevardcafés. Spiele, die bis 23 Uhr beginnen, sollen draussen gezeigt werden dürfen. Gleichzeitig scheiterte ein Vorstoss gegen Public Viewings auf öffentlichem Grund.

Noch ist Eishockey-Weltmeisterschaft (WM). Doch die Fussball-WM der Männer in den USA, Mexiko und Kanada beginnt schon in zwei Wochen. Grund genug für den Zürcher Gemeinderat, am Mittwoch gleich zwei Geschäfte zum Thema zu behandeln.

Beat Oberholzer (GLP) und Karin Weyermann (Mitte) forderten, dass Spiele während der KO-Phase auch gezeigt werden dürfen, wenn sie bis 23 Uhr beginnen. Auch soll für Spiele in Innenbereichen die Übertragung ohne Überzeitbewilligung erlaubt werden. Das soll den Gastronomen helfen, im Sommergeschäft den wirtschaftlichen Betrieb sicherzustellen. Ihren Vorstoss genehmigte der Rat mit 93 zu 22 Stimmen.

Alleine sind die Zürcher mit diesem Vorstoss nicht. Die Stadt Winterthur genehmigte vor einigen Wochen bereits die Übertragung der späten Spiele. Oberholzer fand denn auch: «Zeigen wir, dass wir nicht päpstlicher als Winterthur sind».

Stadtrat will umsetzen

Stadträtin Karin Rykart (Grüne) signalisierte bereits, die Übertragungen der Spiele an Wochenenden und mit Schweizer Beteiligung zu erlauben. Sie sprach von einem guten Kompromiss. Voten von Grünen und AL zur Einhaltung der Nachtruhe hatten keinen Erfolg. Anwohner könnten sich wehren, sagte Rykart. Martin Bürki (FDP) forderte, dass die Bewilligung kein Freibrief für nächtelange Partys sein solle.

Oberholzer und Weyermann schauten bereits weiter: 2027 findet die WM der Frauen in Brasilien statt. Auch dann dürften viele Partien aufgrund der Zeitverschiebung eher spät angesetzt sein. Der Stadtrat soll ebenfalls prüfen, ob die Beizen 2027 späte Spiele zeigen können.

Boykott verfehlt Ziel

Die AL scheiterte hingegen klar mit der Forderung, die Stadt solle Public Viewings auf öffentlichem Grund verbieten. Auch sollte kein Geld der Stadt solche Aktivitäten unterstützen. Der Rat lehnte das Postulat mit 90 zu 22 Stimmen bei drei Enthaltungen ab. Bei der WM 2022 in Katar hatte der Gemeinderat noch anders entschieden - was das Aus für das einzige geplante Public Viewing bedeutete.

Für Severin Meier (SP) verfehlt ein Boykott sein Ziel und beeindrucke niemanden, weder Donald Trump noch die Fifa. «Bestraft werden damit die Zürcher, Mexiko und Kanada», sagte er. In Katar hätten sklavenähnliche Zustände geherrscht, so Meier. Um die USA zu bestrafen gäbe es andere Möglichkeiten.

«Westlicher Superioritätskomplex»

Die AL zeigte sich empört von der Ablehnung und sprach von unterschiedlichen Massstäben. «Die Debatte ist ein Paradebeispiel des westlichen Superioritätskomplexes», fand Moritz Bögli. Die menschenrechtliche Situation in den USA sei «massiv gravierender » als in Katar. Offenbar sei ein Boykott nun nicht mehr politisch opportun.

Sein Parteikollege David Garcia Nunez wollte wegen «diesem machtpolitischen Spektakel» nicht jede Kröte schlucken. Nicht nur in den USA, auch in Mexiko sei die menschenrechtliche Situation nicht gut. Dass die SP nicht mehr für den Boykott war, störte auch ihn. «Was ist denn nun anders? In den USA sterben Menschen an der Mauer, der Präsident sieht die Menschenrechte als Verhandlungsmasse.»

«Die menschenrechtliche Situation ist uns nicht egal», sagte Karin Weyermann. Aber die Freude am Fussball sei nun wichtiger. Dem amerikanischen Präsidenten sei sowieso egal, was in Zürich beschlossen werde.

Quelle: sda
veröffentlicht: 27. Mai 2026 19:11
aktualisiert: 27. Mai 2026 19:11