Zürcher Bauarbeiter sollen wegen Hitze bereits um 6 Uhr starten
Für die Arbeiterinnen und Arbeiter auf dem Bau sind die derzeitigen Temperaturen besonders hart. Sie sollen deshalb vermehrt in den erträglicheren Morgenstunden arbeiten.
Das fordern EVP, GLP, SP, Grüne und AL des Kantons Zürich in ihrem Vorstoss an den Regierungsrat. Ziel sei es, die Morgenstunden effizient zu nutzen und die extremen Nachmittagstemperaturen zu umgehen. Bislang verunmöglicht dies das strikte Lärmschutzrecht.
Baustopp bei 33 Grad
Deshalb soll der Regierungsrat die Baulärmverordnung anpassen. So wäre es möglich, bei einer prognostizierten Tagestemperatur von über 30 Grad lärmige Arbeiten bereits ab 6 Uhr morgens zu beginnen.
Noch drastischere Massnahmen fordert der Vorstoss bei Temperaturen ab 33 Grad. Ohne dauerhafte Beschattung oder stündliche Erholungspausen im Schatten soll ein Baustopp drohen.
Damit diese Ausfälle die Unternehmen nicht finanziell belasten, sollen hitzebedingte Verzögerungen bei vertraglichen Konventionalstrafen berücksichtigt werden.
«Hitzefrei Light»
Extreme Temperaturen belasten nicht nur die Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Bauarbeitern, sondern auch jene von Kindern und Jugendlichen. Grüne, AL und SP möchten in einer Anfrage wissen, ob der Regierungsrat deshalb ein «Hitzefrei Light» zusammen mit Gemeinden, Arbeitgeberinnen und Institutionen prüfen würde.
Dies nach dem Vorbild des Modells der Primarschule Dübendorf, die ein «Hitzefrei light» kürzlich eingeführt hat. Dabei werden die Schülerinnen und Schüler bei allzugrosser Hitze nach Hause geschickt. Bei Kindern, bei denen die Betreuung nicht gewährleistet ist, sichert die Schule ein solches Angebot.
Die Parteien möchten vom Regierungsrat wissen, ob dieser im «Hitzefrei Light» eine sinnvolle Übergangslösung sieht, bis bauliche Hitzeschutzmassnahmen in den Schulhäusern umgesetzt sind.
Weniger Regeln für Klimaanlagen
Die kantonale FDP setzt hingegen bei den Klimaanlagen an. Sie fordern eine Lockerung der Vorschriften. Denn bisher dürfen Klimaanlagen nur in Gebäuden, die über einen automatisch gesteuerten Sonnenschutz verfügen, installiert werden. Damit soll verhindert werden, dass sich die Räume unnötig aufheizen.
Die FDP ist der Meinung, dass diese Vorgabe insbesondere bei bestehenden Gebäuden einen zu grossen Aufwand bedeute und hohe Mehrkosten verursache.
Besonders ältere Personen würden in Gebäuden wohnen, welche die heutigen Voraussetzungen für eine Klimaanlage nicht erfüllen würden. Verfügen die Personen nicht über genügend Geld für eine Sanierung ihres Gebäudes, «schwitzen» sie doppelt, schrieb die FDP.
Mobile Geräte, auf die viele ausweichen, seien jedoch die falsche Lösung. Denn diese seien energetisch deutlich ineffizienter und zudem erheblich lauter als fest installierte Geräte.
Sommerbäder bis 22 Uhr öffnen
Wer über kein Klimagerät verfügt, freut sich über eine Abkühlung im Fluss oder See. Doch die Öffnungszeiten der Badis in der Stadt Zürich passen oft nicht zum Arbeitsalltag.
Viele würden gerne die Morgen- und Abendstunden für einen erfrischenden Schwumm nutzen. Nicht alle Bäder haben dann aber geöffnet. Die Grünen fordern deshalb einheitliche Öffnungszeiten für alle Sommerbäder - von 7 bis 22 Uhr. Damit das bestehende Personal nicht länger arbeiten muss, soll das Personal aufgestockt werden.
Die 17 anderen Vorstösse, die nun auf die Traktandenlisten kommen, beschäftigen sich etwa mit Verbesserungen am Arbeitsplatz und in den Schulen, fragen nach den Folgen der Hitze für die Umwelt und wollen wissen, wie die gesundheitlichen Folgen der Hitzewelle minimiert werden können. Behandelt werden die Vorstösse wohl erst, wenn es wieder kühler ist.