Was Nationalspielerinnen der Schweizer Liga wirklich bringen
Luana Bühler, Meriame Terchoun und Ramona Bachmann. Es sind klingende Namen von Nationalspielerinnen, die mittlerweile wieder in der Schweizer Liga zuhause sind.
Während Bühler und Terchoun in diesem Sommer zurück in die Super League wechselten, verpflichtete YB Bachmann bereits im vergangenen Winter, als sich die Stürmerin von ihrem Kreuzbandriss erholte, den sie sich kurz vor der EM zugezogen hatte. Mittlerweile ist sie nach einer zusätzlichen Bänderverletzung am Sprunggelenk wieder einsatzbereit. In einem Testspiel gab sie für die Bernerinnen zuletzt ihr Comeback.
Mit Laia Ballesté und Sandrine Gaillard (Mauron) wechselten zwei zwar etwas weniger bekannte Schweizerinnen in die heimische Liga, aber auch Spielerinnen, die an der EM Teil von Pia Sundhages Kader waren. «Es macht die Liga zu hundert Prozent attraktiver. Mädchen, die an der EM als Fans dabei waren, können nun den Nationalspielerinnen am Wochenende vor der Haustüre zuschauen», sagt Martina Moser, die regelmässig als TV-Expertin für SRF im Einsatz steht.
Bühler, Bachmann und Co. als Leistungsträgerinnen
Die 129-fache Nationalspielerin kennt die Liga als vierfache Meisterin und Cupsiegerin - 2022 gewann sie ihre letzten zwei Titel - bestens. Doch Bühler, Terchoun, Bachmann und Co. sollen nicht nur mehr Fans anlocken. «Ich bin überzeugt, dass sie mit ihrem Werdegang in der Schweizer Liga Leistungsträgerinnen sein und einen Einfluss auf das Spiel haben sollten», blickt Moser auf die Transfers.
Vor allem Bühler, die kurz vor dem EM-Start verletzt aus dem Kader eliminiert wurde und bei Tottenham wegen einer schwierigen Rehabilitations-Phase nach einer Knieoperation die gesamte Saison verpasste, galt im Nationalteam als Abwehrchefin.
Laut der NZZ, mit der Bühler über ihre Leidenszeit gesprochen hat, verläuft der Aufbau seit einem Reha-Neustart Anfang 2026 gut. Während noch offen sei, wann sie erstmals im Einsatz steht, soll Bühler bald wieder mit dem Team trainieren. Wenn sie dann wieder auf dem Platz steht, könne sie dem Spiel sicher Stabilität verleihen, glaubt Moser.
Auch eine Ramona Bachmann im Team zu haben, helfe der Liga viel - nicht nur wegen dem grossen Namen. «Sie ist enorm ehrgeizig. Ramona will Titel gewinnen. Eine solche Mentalität von einer Spielerin, die so viel Erfahrung mitbringt und so viel erreicht hat, überträgt sich auf die Mitspielerinnen.»
Für die Weiterentwicklung braucht es die Klubs
Doch Nationalspielerinnen alleine reichen nicht, damit der Frauenfussball, der im Sog der EM vor einem Jahr bereits eine grosse Entwicklung erlebt, in der Schweiz weiter an Niveau und Zuschauenden gewinnt. Moser nimmt diesbezüglich auch die einzelnen Klubs in die Verantwortung. Sie findet, dass die Vereine auch einen gewissen Effort bringen müssen, um Fans in die Stadien zu kriegen.
«Bei den Spielen der Frauen müssen ‹Familienerlebnisse› generiert werden.» Dazu gehören beispielsweise Highlights und Aktivitäten vor dem Spiel, die den Stadionbesuch zusätzlich aufwerten. Gleichzeitig brauche es gezielte Werbung und Kommunikation, um auf die Spiele aufmerksam zu machen und mehr Fans ins Stadion zu bringen.
Und - das laut Moser Wichtigste: Die Spiele müssen in den grossen Stadien stattfinden, um Leute anzuziehen. «Es darf nicht mehr als Highlight-Spiel gelten, wenn die Frauen beispielsweise von Luzern im Stadion der Männer spielen dürfen». Wie das geht, zeigen unter anderen YB, GC und der FC Zürich, die einen Grossteil ihrer Partien in den Stadien austragen. YB mit durchschnittlich rund 3500 Fans pro Partie sei dafür das Paradebeispiel.
«Es soll nur noch Fussball sein»
Der Grund für den Boom in Bern? «Dadurch, dass die Frauen immer im Stadion spielen, konnten sie eine eigene Fangemeinschaft bilden. Und sicher profitiert YB auch von den EM-Spielen, die im Wankdorf stattgefunden haben», erklärt Moser. In den Städten, in denen EM-Spiele ausgetragen wurden, sei sicher ein grösserer Unterschied spürbar.
Aber auch generell zeigt sich bei den Zuschauenden eine starke Entwicklung von 2024/25 zur Saison 2025/26. Im Schnitt waren in der vergangenen Saison laut SFV 1052 Fans pro Spiel dabei, im Vorjahr waren es noch 773.
Auf dem richtigen Weg
Man darf damit rechnen, dass sich diese Zahlen auch in der kommenden Spielzeit weiter erhöhen. Für Moser, die selbst sagt, sie hätte zu ihrer Zeit als Aktive nie daran geglaubt, dass überhaupt einmal eine EM in der Schweiz stattfinden würde, ist das der Beweis, dass die Schweiz auf dem richtigen Weg ist.
Die Heim-EM sollte dem Frauenfussball in der Schweiz neuen Schwung verleihen. Diese neu entfachte Begeisterung soll sich nun auch auf die Women's Super League übertragen. «Ich denke schon, dass sich das Ansehen verändert hat. Bei Leuten, die dem Frauenfussball an der EM zum ersten Mal eine Chance gegeben haben, konnte man einen positiven Eindruck hinterlassen», sagt Moser. «Am Schluss soll es einfach noch Fussball sein - entweder wird er halt von Frauen oder von Männern gespielt. Wir sind auf gutem Weg, dass das zur Selbstverständlichkeit wird.»