Stadtpräsident von Wil SG gerät wegen Hofsanierung in die Kritik
Zur Eröffnung des anlässlich einer dritten Bauetappe für rund 30 Millionen Franken renovierten Hof zu Wil kamen anfangs Juli Bundesrätin Karin Keller-Sutter (FDP) und der St. Galler Bischof Beat Grögli. Mehr als 5000 Besucherinnen und Besucher zählte die Stiftung Hof zu Wil am «stimmungsvollen Eröffnungswochenende».
Nun herrscht jedoch Katerstimmung in Wil. Der Stiftung fehlen rund fünf Millionen Franken. Leidtragende sind Handwerker, deren Rechnungen derzeit nicht bezahlt werden können.
Im Fokus steht Stadtpräsident Hans Mäder (Mitte). Er amtet gleichzeitig als Präsident der Hofstiftung. Diese beantragt nun beim Stadtrat einen À-fonds-perdu-Beitrag von 4,9 Millionen Franken, wie Mäder gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA erklärt. Ein entsprechender Antrag dürfte dem Stadtparlament unterbreitet werden.
Die SVP kündigt eine Beschwerde an
Wiler Politiker zeigen sich empört. Die schärfsten Töne schlägt die SVP an. Die Hofrenovation ende «in einem finanziellen Debakel», schrieb die Partei in einer Medienmitteilung. Die Verantwortung dafür trage der Stiftungsrat, in erster Linie aber Hans Mäder.
Die SVP kündigte in ihrer Mitteilung an, bei der kantonalen Stiftungsaufsicht Beschwerde einzureichen. Dabei gehe es um mögliche Pflichtverletzungen des Stiftungsrats, insbesondere im Bereich der Finanz- und Liquiditätsplanung, der Risikokontrolle und der rechtzeitigen Information der politischen Behörden.
Banken geben kein Geld
Im November 2021 hatten die Stimmberechtigten von Wil einen Kredit von 9,6 Millionen Franken sowie ein zinsloses Darlehen von 12,2 Millionen Franken für die dritte Bauetappe des Hof zu Wil deutlich bewilligt. Gerechnet wurde mit Kosten von rund 25 Millionen Franken.
Noch vor dem Baustart im Jahr 2023 teilte die Stiftung Hof zu Wil mit, dass das Vorhaben voraussichtlich 4,4 Millionen teurer werde als geplant. Als Hauptgrund wurde ein «Kalkulationsfehler des Architekturbüros» ins Feld geführt.
Man wolle vermeiden, dass die öffentliche Hand die Zusatzkosten übernehmen müsse, hiess es damals. Die Stiftung sei deshalb mit Banken im Gespräch. Es wurde damals darauf verzichtet, beim Stadtparlament einen Nachtragskredit zu beantragen.
«Wir standen vor der Wahl, das Projekt zu stoppen oder die Bauarbeiten zu starten», sagt Mäder. Das Projekt wurde gestartet. Gespräche mit lokalen Banken zeigten schliesslich, dass die Stiftung aufgrund zu wenig zu erwartender Einnahmen - hauptsächlich jene aus dem Gastrobetrieb im Gebäude - nicht kreditwürdig genug sei, so Mäder.
Gespräche mit Gläubigern
Derzeit stapeln sich bei der Stiftung die Rechnungen von Handwerkern. Noch seien nicht alle eingetroffen, sagt Mäder. Man rechne mit einer Summe von 4,5 Millionen Franken. Damit diese sicher bezahlt werden können, bräuchte es das Geld aus der Stadtkasse. Gleichzeitig laufe die Suche nach anderen Geldgebern weiter.
Die Stiftung habe alle Gläubiger angeschrieben und erläutere die Situation in Einzelgesprächen, erklärt Mäder. «Natürlich ist es für die Handwerker keine einfache Situation.»
Parlament beisst wohl in den sauren Apfel
«Für die SVP steht ausser Frage, dass sämtliche Lieferanten und Handwerker vollständig für ihre Arbeit bezahlt werden müssen», sagt Andreas Hüssy, Präsident der Wiler SVP. Bei einem Antrag für zusätzlich 4,9 Millionen Franken dürfte das Stadtparlament wohl in den sauren Apfel beissen müssen.
An der entsprechenden Stadtratssitzung, in der das Geschäft dereinst behandelt werden soll, wird es einen grossen Abwesenden geben: Stadtpräsident Hans Mäder. Er kündigte im vergangenen Februar an, per 16. August 2026 nach 5,5 Jahren als Stadtpräsident zurückzutreten.
Den Ursprung im 12. Jahrhundert
Nach zwei erfolgreich abgeschlossenen Bauetappen mit den Schwerpunkten Gastronomie (1994 bis 1998) und Bibliothek (2008 bis 2010) bildet die dritte Bauetappe den vorläufigen Abschluss der Umbauarbeiten am 800-jährigen Aushängeschild der Stadt Wil. Dieses steht seit 1978 als Baudenkmal von nationaler Bedeutung unter Schutz.
Der Hof zu Wil war ursprünglich eine im 12. Jahrhundert von den Grafen von Toggenburg errichtete Wehranlage und Wohnturm. Deren Mauern sind noch heute Teil des später erweiterten Gebäudekomplexes und dienen unter anderem als Treppenhaus.
Über Jahrhunderte hinweg residierten die Fürstäbte von St. Gallen im Hof. Später wurde aus dem Hof eine Brauerei, die schliesslich 1983 stillgelegt wurde. Heute beherbergt das Gebäude unter anderem einen Gastrobetrieb, Seminarräume, die Stadtbibliothek und ein Museum.