Stade Lausanne-Ouchy überrascht GC und steht erstmals im Cupfinal
In seinem ersten Cup-Halbfinal überhaupt agierte Stade Lausanne-Ouchy ohne Komplexe. Die Treffer in der 52. und 90. Minute verdiente sich der Vierte der Challenge League mit einer mutigen Leistung. Der Aussenseiter war GC auf der Pontaise spielerisch überlegen und hatte die besseren Torchancen. Die Krönung war schön anzusehen: Der französische Flügelspieler Landry Nomel zog kurz nach der Pause von der linken Flanke gegen die Mitte und traf von der Strafraumgrenze perfekt ins weite Lattenkreuz. Das 2:0 von Vasco Tritten fiel durch einen direkten Eckball.
GC, die zweitschlechteste Mannschaft der laufenden Super-League-Saison, enttäuschte. Den Hoppers gelang es nie, mit letzter Überzeugung aufzutreten. Obwohl sie am vergangenen Wochenende im Duell mit dem Schlusslicht Winterthur einen wichtigen Sieg gefeiert hatten, wirkten sie gehemmt. Die beste Möglichkeit, in Führung zu gehen, hatte das Team von Trainer Gernot Messner in der 35. Minute durch einen Kopfball von Sven Köhler an die Latte. Der Aluminiumtreffer war ein Zeichen für die Leistungssteigerung von GC nach einer schwachen Startphase.
Erstaunlicherweise liess sich der Favorit nach der Pause wieder in die Defensive drängen und agierte unerklärlich passiv. Das 0:1 war die logische Folge. Das grosse Zürcher Erwachen blieb auch mit dem Rücken zur Wand aus. Die besseren Aktionen verzeichnete auch in der Folge Stade Lausanne-Ouchy, das zudem in der Schlussphase mit einem Spieler mehr auf dem Platz stand. Köhler sah in der 83. Minute für eine Notbremse die Rote Karte.
Dritter Super-League-Klub bezwungen
Stade Lausanne-Ouchy wird am Pfingstsonntag, am 24. Mai, im Wankdorf den Cupfinal gegen Ligakonkurrent Yverdon oder St. Gallen bestreiten und versuchen, als erst zweiter Unterklassiger nach Sion 2006 die Trophäe davonzutragen. Verdient wäre der grosse Triumph angesichts des beeindruckenden Parcours der Lausanner. GC war nach Winterthur und Luzern der dritte Super-League-Verein, der sich in dieser Cupsaison SLO geschlagen geben musste. Gleiches gelang einem Unterklassigen vor 23 Jahren letztmals.
Lausannes Innenverteidiger Nicola Sutter, der Neffe von GC-Sportchef Alain Sutter, sprach im TV-Interview zu Recht von einem verdienten Sieg: «Ich denke, wir haben einen super Job gemacht. Jeder hat für den anderen gekämpft.» Nun folgt für die Waadtländer, die 2023/2024 ihre einzige Saison in der Super League bestritten haben, in einem guten Monat das Highlight der Klubgeschichte.
«Ein schwarzer Tag für uns»
GC hingegen muss sich nun ganz auf die Mission Klassenerhalt fokussieren. Einfach wird das nicht. Das machten die zahlreichen mitgereisten Fans mit ihrer Reaktion nach dem 0:2 deutlich. Ein Teil von ihnen stürmte auf das Feld, andere warfen Leuchtkörper in Richtung Stewards. Die Nerven dürften bei GC eine Weile lang blank liegen.
Captain Amir Abrashi konnte die Pfiffe der Fans gut verstehen, die GC mit einem Pfeiffkonzert in die Katakomben der Pontaise begleiteten. Er selber hatte keine Erklärung für die Leistung seines Teams. «Wir wussten, dass dieses Spiel eine grosse Chance ist für den ganzen Klub, für alle Spieler. Und wir haben es nicht zustande gebracht, einigermassen dagegen zu halten. Am Ende war es einfach viel zu wenig», sagte Abrashi gegenüber SRF.
«Wenn du so untergehst gegen Stade Lausanne-Ouchy, dann hast du es einfach nicht verdient, in den Final zu kommen. Wir haben gegen den Ball und mit dem Ball zu wenig gemacht. Wir sind kaum zu Torchancen gekommen. Es ist ein schwarzer Tag für uns», schloss Abrashi seine ehrliche Kritik an der Leistung von GC ab.