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Schlechte Umfragewerte bremsen Zustimmung bei Abstimmungen

Politikwissenschaften

Schlechte Umfragewerte bremsen Zustimmung bei Abstimmungen

19. September 2026, 11:00 Uhr
Ja oder Nein? Einer neuen Studie zufolge verlieren Abstimmungs-Vorlagen weiter an Zustimmung, wenn die Umfragewerte schlecht sind. (Symbolbild)
© KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER
Umfragen können Abstimmungen beeinflussen. Eine neue Studie zeigt, dass Stimmberechtigte eher gegen eine Vorlage stimmen, wenn sie deren Scheitern erwarten.

Zu diesem Schluss kommt der Politikwissenschaftler Oliver Strijbis von der privaten Franklin University mit Sitz in Sorengo TI in einer wissenschaftlichen Untersuchung, die in der Fachzeitschrift «Electoral Studies» veröffentlicht wurde.

Für die Untersuchung führte Strijbis drei Umfrage-Experimente zu drei Schweizer Volksinitiativen durch. Insgesamt nahmen mehr als 4000 Stimmberechtigte daran teil. Untersucht wurden die Umweltverantwortungsinitiative, die Feuerwerksinitiative und die Halbierungsinitiative. Die Befragten erhielten unterschiedliche Informationen über die Erfolgsaussichten der jeweiligen Initiative.

Dabei zeigte sich ein deutlicher Effekt: Wurde den Befragten vermittelt, dass eine Initiative voraussichtlich scheitern würde, sank ihre eigene Zustimmung. Strijbis bezeichnet dies als «Titanic-Effekt».

Auch für den umgekehrten «Bandwagon-Effekt» gab es Hinweise. Erwarteten die Befragten einen Erfolg der Initiative, stieg zwar auch ihre Zustimmung. Der Effekt war in den einzelnen Experimenten jedoch klein und statistisch nicht eindeutig. Keinen Beleg fand der Forscher für einen «Underdog-Effekt», bei dem eine Vorlage gerade wegen ihrer schlechten Aussichten unterstützt würde.

Keine Manipulation

Um Manipulation handelt es sich laut Studienautor Oliver Strijbis dabei aber nicht. «Manipulation wäre, wenn eine Umfrage gefälscht würde, damit ein gewisses Resultat zustande kommt. Ich weiss von keinem solchen Fall und kenne nur eine Wahlumfrage, bei der ich mich ernsthaft gefragt habe, ob alles mit richtigen Dingen zu und her ging», stellt der Politikwissenschaftler auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA klar.

Entscheidend sei die Transparenz, also dass bei allen Umfragen klar sei, wer Auftraggeberin davon war und wer sie durchgeführt hat. Das grössere Problem sei vielmehr, dass es in der Schweiz relativ wenige Umfragen gebe. Dadurch fehle die Möglichkeit, stark verzerrte Ergebnisse - etwa aufgrund statistischen Zufalls oder anderer Fehler - durch weitere Umfragen zu korrigieren, schreibt Strijbis.

Für Initiativkomitees, deren Vorlage in ersten Umfragen an Zustimmung verliert, hat der Forscher einen eher ernüchternden Rat: Sie könnten einen solchen Rückgang wohl nur noch totschweigen. Auf keinen Fall sollten sie versuchen, mit dem Hinweis auf eine drohende Niederlage zusätzliche Unterstützung zu mobilisieren. Ein Aufruf nach dem Motto «Die Gegner sind am Gewinnen, deshalb müssen wir jetzt unbedingt abstimmen gehen» könnte den «Titanic-Effekt» vielmehr verstärken.

Quelle: sda
veröffentlicht: 19. September 2026 11:00
aktualisiert: 19. September 2026 11:00