Polizei schliesst Delikt nach Brand in Zürcher Altstadt nicht aus
Der Alarm ging bei der Einsatzzentrale von Schutz und Rettung Zürich nach 1 Uhr ein. Als die Einsatzkräfte kurz darauf vor Ort eintrafen, war der Dachstock bereits in Vollbrand, wie Jan Bauke, Pikettoffizier von Schutz und Rettung Zürich, am Montagmorgen vor Ort gegenüber einem Fotografen von Keystone-SDA sagte.
Beim Grossbrand bestand die Gefahr, dass das Feuer auf andere Gebäude übergreifen könnte. Doch dies sei erfolgreich verhindert worden, sagte Bauke. Schliesslich sei der Brand unter Kontrolle gebracht und grösstenteils gelöscht worden.
Die Nachlösch- und Aufräumarbeiten seien «arbeitsintensiv», sagte ein Schutz-und-Rettung-Sprecher, sie dauerten bis in den Nachmittag. Mit Hilfe einer Drohne mit Wärmebildkamera wurden Brandnester lokalisiert.
Das Gebäude ist nach dem Brand einsturzgefährdet, weshalb die Einsatzkräfte das Gebäude rund eine Stunde nach Brandausbruch nicht mehr betraten. Gleiches galt für die Brandermittler. «Das wird relativ schwierig mit der Spurensicherung», sagte Bauke.
Bis die Brandermittler rein könnten, seien die Spuren höchstwahrscheinlich verbrannt, so Bauke. Zur möglichen Brandursache konnten die Behörden am Montag noch keine Angaben machen. Ein Statiker begutachte die Situation und entscheide dann über das weitere Vorgehen, schrieb die Stadtpolizei in einer Medienmitteilung.
Gehstöcke verschwunden
Zürcher Freimaurer äusserten gegenüber Medien den Verdacht auf Brandstiftung und berichteten von einem möglichen Einbruch. Raoul Würgler, Stuhlmeister dieser Freimaurerloge, sagte gegenüber dem «Regionaljournaljournal Zürich-Schaffhausen» von Radio SRF 1, dass eine Sammlung von Gehstöcken verschwunden sei. Diese Gehstöcke seien in einer Glasvitrine aufbewahrt worden.
Die Stadtpolizei ist darüber informiert. Es sei ein Einbruch in einem Nebengebäude angezeigt worden, teilte sie mit. Ob dieser Einbruch im Zusammenhang stehe mit dem Brand, werde ebenfalls untersucht. Die Polizei sucht Zeugen.
Kunstwerke vermutlich alle verbrannt
Die Mauern des betroffenen Gebäudes wurden wegen der Einsturzgefahr mit Lasertechnologie überwacht. Jene mit grösserer Wärmeeinwirkung bewegten sich am Montagmorgen mehrere Zentimeter nach innen, sagte Bauke. Die Gefahr bestehe, dass das Dach kollabiere und die Mauern einstürzten. «Dann wäre vermutlich auch die Freimaurer-Loge betroffen», so Bauke.
Diese wurde vom Feuer verschont, durch die Löscharbeiten entstand jedoch ein massiver Wasserschaden. Laut dem Pikettoffizier hingen im Erdgeschoss des Gebäudes Kunstwerke, die «vermutlich alle verbrannt sind». Inwendig sei alles schwarz. Laut der Stadtpolizei beträgt der entstandene Sachschaden «mehrere hunderttausend Franken».
Keine Verletzten
In der «Akutphase» standen rund 60 Feuerwehrleute, 10 Personen des Rettungsdienstes und rund 20 Polizistinnen und Polizisten im Einsatz. Aufgeboten wurde auch der Zivilschutz, der die Verpflegung für die Einsatzkräfte übernahm.
Verletzt wurde beim Brand niemand. Die Bewohnerinnen und Bewohner der umliegenden Gebäude konnten sich mehrheitlich selbst in Sicherheit bringen. Insgesamt verliessen 20 bis 30 Personen die Gebäude, sagte ein Sprecher von Schutz und Rettung. Diese konnten im Verlaufe des Morgens wieder zurück in ihre Wohnungen.
Keine Frauen zugelassen
Beim betroffenen Gebäude handelt es sich um das «Modestia cum Libertate». Es dient als Freimaurerzentrum und befindet sich auf der Südseite des Lindenhofs. Die «Modestia cum Libertate» ist die älteste und mit mehr als 120 Mitgliedern die grösste Zürcher Loge. Vor fünf Jahren feierte sie das 250-jährige Bestehen. Frauen sind nicht zugelassen.
Aktuell umfassen alle Zürcher Logen zusammen rund 500 Mitglieder. Der Begriff Loge bezeichnet sowohl das Gebäude, in dem sich die Freimaurer treffen, als auch die Gemeinschaften, die rechtlich als Verein gelten.
Verschwiegene Freimaurer
Die Freimaurerei ist eine brüderliche Gemeinschaft. Diese versammelt sich regelmässig und führt auch Zeremonien durch. Über die Vorgänge innerhalb der Versammlungen besteht Verschwiegenheitspflicht. Auch wer der Loge angehört, ist geheim.
Die erste Loge in der Schweiz hatte der schottische Freimaurer Georges Hamilton 1736 in Genf gegründet. Allerdings wurde sie bald darauf von der Genfer Regierung verboten. In den kommenden Jahren entwickelten sich aber in der ganzen Schweiz zahlreiche Ableger. 1844 wurde die Schweizerische Grossloge Alpina gegründet.
Immer wieder erregten die Bruderschaften in der Schweiz wie anderswo Argwohn, ihre Mitglieder wurden verfolgt. Die Schweiz ist das einzige Land, in dem je an der Urne über die Zulassung der Bruderschaft entschieden wurde: 1937 lehnten die Schweizer eine Initiative ab, welche ein Verbot forderte. Ursprünglich Männern vorbehalten, gibt es heute auch gemischte und reine Frauenlogen.