«Ich bin nicht der Typ Mensch, der aufgibt», sagt Lichtsteiner
Während im Stadion in St. Gallen um kurz nach zehn Uhr abends Jubel ausbrach, sackten die Basler Spieler zu Boden. Ein Gegentor nach 53 Sekunden und eines in der Nachspielzeit besiegelten im Cup-Viertelfinal die 1:2-Niederlage.
Trainerwechsel noch ohne Erfolg
Trainer Stephan Lichtsteiner, der den FC Basel erst seit etwas mehr als einer Woche coacht, wirkte an der Pressekonferenz nach der Partie entsprechend unzufrieden. «Es fühlt sich sehr schlecht an, von diesen vergangenen drei Spielen alle verloren zu haben. Ich wusste aber, dass diese Gefahr besteht und dass ich wenig Zeit haben werde und die Umstände mit verletzungsbedingten Ausfällen und vielen Spielen nicht ideal sind.» Doch er versuchte auch gleich, das Positive hervorzuheben: «Ich habe heute ein Team gesehen, das bis zum Schluss gekämpft hat.»
Trotzdem ist die Bilanz nach etwas mehr als einer Woche als Cheftrainer des FC Basel für Lichtsteiner ernüchternd. Innert einer Woche ist der FCB aus der Europa League und dem Schweizer Cup ausgeschieden und hat in der Liga ebenfalls verloren - ausgerechnet gegen Leader Thun, der seither 13 Punkte Vorsprung auf Basel vorweist. Unweigerlich stellt sich die Frage, ob die Trennung von Ludovic Magnin zum richtigen Zeitpunkt kam. Denn nach drei Spielen und drei Niederlagen unter Lichtsteiner droht dem letztjährigen Double-Sieger eine Saison ohne Titel.
Spieler stehen hinter Lichtsteiner
«Das ist eine unnötige Frage», so Xherdan Shaqiri nach der Partie, als er darauf angesprochen wurde, ob der Trainerwechsel überhaupt etwas gebracht habe. Man müsse Lichtsteiner auch etwas Zeit geben. Damit hat der Captain von Basel nicht unrecht. Weil die Mannschaft am Donnerstag, am Sonntag und am Mittwoch im Einsatz stand, blieben Lichtsteiner wenige Trainings, um dem Team etwas von seiner eigenen Philosophie mit auf den Weg zu geben. «Es ist sicher bitter, dass wir die ersten drei Spiele mit ihm verloren haben, aber wir sind zuversichtlich», sagte Shaqiri.
Wie der ehemalige Schweizer Nationalspieler stellte sich auch Verteidiger Flavius Daniliuc hinter seinen Trainer. «Er hat die schwierigste Phase erwischt, ist gekommen und musste gleich liefern.» Dann fügte er hinzu, eigentlich gar nicht über den Trainer reden zu wollen. «Am Ende liegt es an uns, an den Spielern, die auch schon etwas mehr Erfahrung haben. Wir hätten die Mannschaft im Spiel mehr zusammenraffen müssen, der Staff kann uns da nicht viel helfen.»
Mit sich selbst ging Daniliuc hingegen härter ins Gericht als mit seinem Trainer. Auf die Frage, was ihn nach dieser Partie zuversichtlich stimme, schluckte er zuerst einmal. «Zuversichtlich? Wir wollen am Sonntag gegen Zürich den Klassiker gewinnen. Aber ich brauch jetzt einige Tage, um zu realisieren, was gerade passiert ist.» Er habe schon schwierige Phasen in seiner Karriere gehabt - aber dass es mit Basel so hart werden würde, damit habe er nicht gerechnet.
Zuversichtlich in die Zukunft
Lichtsteiner betonte derweil, gewusst zu haben, was auf ihn zukommt. «Resultatmässig kann es nur noch besser werden, ja. Aber es war auch nicht alles schlecht. Ich habe heute ein Team gesehen, das bis zum Schluss dagegengehalten hat.» Von einer titellosen Saison wollte der 42-Jährige erst recht nichts wissen. Er sei nicht der Typ Mensch, der aufgäbe. Er sei überzeugt davon, dass in der Meisterschaft noch alles offen sei.
Xherdan Shaqiri schlug in dieselbe Kerbe wie sein Coach. «Wir geben in der Meisterschaft nicht auf, bis es rechnerisch nicht mehr möglich ist, zu gewinnen. Wir müssen wieder gute Leistungen zeigen, alles andere ist unwichtig.» Fussball sei ab und zu so - letztes Jahr sei es anders gewesen, jetzt müsse man hart arbeiten, um wieder so viel wie möglich zu gewinnen.
Die erste Chance dazu kriegt Lichtsteiner mit seiner Mannschaft bereits am Sonntag. Der FC Zürich reist für den Klassiker in den St. Jakob-Park. Nur zwei Wochen nach dem letzten Duell der Klubs im Letzigrund, das Ludovic Magnin trotz eines spektakulären 4:3-Sieges den Job kostete.