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Hommage an Ernst Scheidegger im Kunstmuseum in Lugano

Ausstellung

Hommage an Ernst Scheidegger im Kunstmuseum in Lugano

16. Februar 2024, 11:00 Uhr
Das Kunstmuseum der italienischen Schweiz in Lugano zeigt bisher unveröffentlichte Aufnahmen Ernst Scheideggers aus dem Verzascatal.
© Stiftung Ernst Scheidegger-Archiv, Zürich
Cuno Amiet, Fernand Léger, Alberto Giacometti: Sie alle hat der wohl bedeutendste Schweizer Fotograf des 20. Jahrhunderts mit seiner Kamera einst festgehalten. Jetzt widmet das Kunstmuseum Lugano Ernst Scheidegger eine Hommage.

Es ist ein untypisches Bild: Steile schneebedeckte Hänge, eine Kirche, die fast verschwindet im Winterkleid. Kein Mensch, kein Tier weit und breit. Das Verzascatal. Berühmt geworden ist Ernst Scheidegger aber nicht wegen seiner Landschaftsfotografie, sondern für seine zahlreichen Künstlerporträts.

Viele von ihnen entstanden ab der zweiten Hälfte der 1950er Jahren im Auftrag von Zeitschriften wie «Du». Darunter Max Bill, wie er mit einer Leiter seine Skulptur erklimmt, oder sein enger Freund Alberto Giacometti.

Manchen Aufnahmen stellt das Kuratorenteam Tobia Bezzola und Taisse Grandi Venturi Werke der porträtierten Künstler gegenüber. Die meisten von ihnen sind Leihgaben aus dem Kunsthaus Zürich. Durch diesen Kniff entstehe eine Art Dialog zwischen dem Fotografen Scheidegger und den von ihm dargestellten Künstlern, erklärte Grandi Venturi an der Medienkonferenz in Lugano.

Die Schau, die im Herbst anlässlich des 100. Geburtstags des Fotografen in Zusammenarbeit mit der Stiftung Ernst Scheidegger-Archiv bereits im Kunsthaus Zürich zu sehen war, heisst deshalb in Lugano «Faccia a faccia» - «Auge in Auge».

Fokus auf der frühen Schaffensphase

Neben den bisher unveröffentlichten sieben Fotografien aus dem Verzascatal falle die Bildauswahl auch sonst etwas anders aus als in Zürich, sagte Direktor und Co-Kurator Bezzola. Insgesamt ist die Ausstellung mit 100 Aufnahmen auch umfassender als in der Limmatstadt. Die meisten stammen aus den Jahren 1945 bis 1955.

Bereits in dieser frühen Schaffensphase zeigt sich Scheideggers Interesse am Menschen. Der Fotograf, der für die Agentur Magnum fotografierte, dokumentierte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges die Erschöpfung und den Lebenshunger der Europäer. Sichtbar wird dies in «Marsch der Heilsarmee», einem Bild, das einen älteren Mann fast ohne Zähne und mit zweifelndem Blick zeigt.

Ernst Scheidegger gilt als äusserst facettenreiche Persönlichkeit. Neben dem Fotografieren war er auch als Grafiker und Filmemacher tätig, später wurde er Galerist und Verleger.

Quelle: sda
veröffentlicht: 16. Februar 2024 11:00
aktualisiert: 16. Februar 2024 11:00