Feldbausch mit einem Versprechen für die Zukunft
Nach 21 Minuten sieht das Debüt von Kilian Feldbausch auf der ATP-Tour nach einem veritablen Debakel aus. Die Nummer 262 der Weltrangliste spielt genauso und scheint auf der grossen Bühne überfordert. Erst zum zweiten Mal sieht er sich einem Gegner aus den Top 100 gegenüber, der Serbe Miomir Kecmanovic (ATP 59) ist der deutlich höchstklassierte Kontrahent seiner noch jungen Karriere.
Doch so leicht lässt sich Feldbausch nicht unterkriegen. Im ersten Game des zweiten Satzes gelingt ihm dank einem Netzroller das Break zum 1:0. «Den habe ich aber provoziert», hält der 20-jährige Genfer nachher fest. Nach dem 1:6 zum Auftakt entscheidet er den zweiten Satz mit dem gleichen klaren Resultat für sich. Bis zum 2:2 im Entscheidungssatz ist der Sohn eines Deutschen und der ehemaligen Schweizer Spitzenspielerin Cathy Caverzasio ebenbürtig, dann gelingt Kecmanovic das entscheidende Break.
Über hundert Plätze nach vorne
Nach 1:37 Minuten macht der Serbe, der vor zwei Wochen in Wimbledon als Einziger den späteren Champion Jannik Sinner über fünf Sätze fordern konnte, den Sack zu. Feldbausch verlässt die Roy Emerson Arena in Gstaad, deren Zuschauer ihn zuvor lautstark unterstützt hatten, aber erhobenen Hauptes und schreibt noch einige Minuten Autogramme.
Danach sind die Gefühle gemischt, aber grundsätzlich positiv. «Zu Beginn war ich zu zögerlich», stellt er fest. «Danach habe ich aggressiver agiert, am Ende mache ich Mitte des dritten Satzes ein paar Fehler zu viel.» Feldbausch hat seine Wildcard durchaus gerechtfertigt und die Fortschritte der letzten Monate bestätigt. Im Mai in Kosice gewann er erstmals ein Challenger-Turnier, dazu kommt noch ein Final und zwei Halbfinals. So hat er im Ranking seit Anfang Jahr über hundert Plätze gutgemacht und lässt damit auch seine leidige Verletzungsgeschichte mehr und mehr hinter sich.
Lohn für Beharrlichkeit
«Das ist ein wenig der Lohn, nach jedem Rückschlag zurückgekommen zu sein», findet der 1,91 m grosse Schlaks. Acht Monate musste er wegen Problemen mit der Hüfte pausieren, von Mitte September bis Anfang März dieses Jahres hielt ihn eine Verletzung am Fuss von den Tennisplätzen fern. Nun fühlt er sich der einst viel versprechende Junior bereit, auch bei den «Grossen» endlich richtig anzugreifen. Feldbausch trainiert in Lyon in der Akademie des ehemaligen Topspielers Jo-Wilfried Tsonga.
Am kommenden Wochenende wird er dank einer Wildcard die Qualifikation beim ATP-Turnier in Kitzbühel bestreiten können. Das Lachen kehrte jedenfalls trotz Niederlage schnell wieder ins Gesicht des Genfers zurück.