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Die Schweiz kann WM - nur Petrus noch nicht

WM2026

Die Schweiz kann WM - nur Petrus noch nicht

18. Mai 2026, 12:07 Uhr
Die Fans kommen an der Eishockey-WM in Zürich und Freiburg auf ihre Rechnung
© KEYSTONE/EPA/FILIP SINGER
Endlich ist es mit dem Hockey-Fest losgegangen. Der Auftakt ist gelungen, die Euphorie steigt, die Fans zeigen: Die Schweiz kann WM - nur Petrus hinkt noch etwas hinterher.

Das Bier fliesst in Strömen, im Festzelt in Zürich tanzen die Fans, in Freiburg feiern Besucher aus verschiedenen Ländern die internationale Verbrüderung. Der Start in die Eishockey-WM ist vollauf geglückt - selbstverständlich ist dies nicht.

Der Weg zu diesen Titelkämpfen war ein steiniger. Noch nie musste sich ein Veranstalter so lange auf eine Eishockey-WM gedulden. 17 Jahre ist es her, dass die Weltelite letztmals in der Schweiz ihre Aufwartung machte. 2020 hätte es wieder so weit sein sollen, doch sieben Wochen vor dem Startschuss kam die Absage wegen des Coronavirus. Die Verschiebung hat auch ihr Gutes. Der Zeitpunkt scheint ideal, besser als 2020, da die Schweizer nun nach zwei Finals in Folge so nahe am grossen Coup sind wie nie.

Das Coronavirus sollte sechs Jahre später jedoch noch einmal zum Thema werden. Nach der Entlassung von Nationalcoach Patrick Fischer wegen seines gefälschten Impfzertifikats stand die bange Frage im Raum: Stehen die Fans, von denen viele an Fischer hätten festhalten wollen, noch hinter ihrer Nati?

Gretzky neben Ambühl

Die Antwort nach dem Startwochenende: Sie tun es erst recht und so lautstark wie noch nie. Die Eishockey-WM beweist einmal mehr, was zuweilen bei Olympischen Spielen oder anderen Sport-Grossanlässen vermisst wird. Mit oder ohne Eintrittsticket trifft man sich auf der Fanmeile zum gemeinsamen Feiern.

In Zürich muss man sich die Feier verdienen. Die offizielle Fanzone befindet sich nicht auf dem Weg vom Bahnhof Altstetten zum Stadion, sondern ein paar hundert Meter weiter. Der Umweg hat seinen Reiz, begleitet werden die Besucher von Stars wie Wayne Gretzky, Jaromir Jagr oder Andres Ambühl - «Walk of Legends» nennt sich das.

Legendär ist auch die Hockeybegeisterung in Freiburg. Da die Schweizer in Zürich spielen, ist die Atmosphäre in Freiburg internationaler. Die Kanadier mit dem legendären Sidney Crosby und seinem mutmasslichen Nachfolger Macklin Celebrini zelebrieren hier ihre Kunst. Wenn der 19-jährige Jungstar am Puck ist, geht ein Raunen, zuweilen auch ein Kreischen durch die Arena. Roman Cervenka wird hingegen mit einigen Pfiffen bedacht, in Freiburg hat man seine «Flucht» nach Zürich noch nicht vergessen - auch wenn es bereits acht Jahre her ist.

Trinkfeste Tschechen und Slowaken

Ebenso legendär sind die trinkfesten Anhänger Tschechiens und der Slowakei, die die Fanzone in Freiburg regelrecht fluten. Einst ein Land, dann friedlich getrennt, feiern sie nach wie vor gemeinsam und mit viel Bier. Die Frage muss nach dem ersten Wochenende erlaubt sein, ob in Freiburg nach der Meisterfeier von Gottéron noch genug Gerstensaft übrig ist für die nächsten zehn Tage.

In Zürich dominiert naturgemäss das Rot-Weiss der Schweizer. Während auf der Grossleinwand der Knüller Kanada - Schweden läuft, stehen sie auf den Festbänken und trällern zu den Klängen der W. Nuss vo Bümpliz mit. An diesem Startwochenende zeigt sich einzig Petrus noch nicht WM-würdig. Es ist kalt, zuweilen feucht, noch nicht das Wetter für einen gemütlichen Ausflug. Das soll nun besser werden. Dann finden vermutlich auch die verschiedenen Geschicklichkeitsspiele im Freien noch mehr Anklang. Insgesamt über 100'000 Besucher werden bis zum 30. Mai in den Fanzonen erwartet.

Arbeitslose Polizei gratuliert

Die Fans sind aber bereits in WM-Form. Das hat im Eishockey aber auch Tradition. Keine Klagen über exorbitante Ticketpreise, kein Ärger über einen selbstherrlichen Präsidenten, keine Trittbrettfahrer, die mit drastischen Preiserhöhungen den grossen Reibach machen wollen - und vor allem keine Fanausschreitungen. Bezeichnend und sympathisch das Polizeiauto, das auf dem Weg zum Bahnhof einsam dasteht und dessen Anzeigetafel zum Schweizer Auftaktsieg gegen die USA gratuliert.

Schon bei der EM der Fussballerinnen hat die Schweiz unter Beweis gestellt, dass sie Grossanlässe in Festspiele verwandeln kann. Die Eishockey-WM knüpft da nahtlos an. Die Fans aus aller Welt verdienen sich schon mal eine Goldmedaille - die Schweizer Spieler wollen nachziehen.

Quelle: sda
veröffentlicht: 18. Mai 2026 12:07
aktualisiert: 18. Mai 2026 12:07