Literaturfestival

12. Eventi Letterari in Ascona im Zeichen surrealer Welten

19. März 2024, 16:00 Uhr
Ein «eigensinnliches» Festival: Der künstlerische Leiter Stefan Zweifel über die Eventi Letterari auf dem Monte Verità. (Archivbild)
© Keystone/AYSE YAVAS
«Surreale Welten - Magnetische Felder» lautet das Motto der 12. Eventi Letterari auf dem Monte Verità in Ascona. Vor seiner zweiten Ausgabe erklärt der künstlerischer Leiter Stefan Zweifel, weshalb sich der Berg besonders für ein «eigensinnliches Festival» eigne.

Trommelwirbel hallen durch den Garten des Hotel Monte Verità. Im Süden ragt wie ein Riese der Monte Gambarogno in den Himmel. An seinem rechten Fusse schimmert der Lago Maggiore.

Die Eventi Letterari, die am Donnerstag beginnen, sind kein gewöhnliches Literaturfestival. Zwischen Lesungen, Debatten, musikalischen Intermezzi, Spaziergängen durch Pavillons und rein pflanzlichen Gerichten des Spitzenkochs Pietro Leemann spinnt sich eine Atmosphäre, die ihresgleichen sucht.

Ob der Zauber allein diesem als Kraftort geltenden Berg geschuldet ist? Sicher ist, dass hier schon viele zu neuen Ideen gekommen sind; ab 1900 liessen sich Naturalisten, Philosophen und Künstler vom 322 Meter über Meer gelegenen Berg inspirieren.

Auch für Stefan Zweifel war der Monte Verità schon immer ein Sehnsuchtsort. Bei seinem ersten Besuch vor zwei Jahren sei ihm sofort klar gewesen, dass dieser Ort sich für ein «ganz eigensinniges und eigensinnliches Festival» eigne. «Kein Helikopter-Festival, an dem berühmte Autorinnen und Autoren gleichsam mit dem Fallschirm kurz für ihre Lesung abgesetzt werden, um nach einer Autogrammstunde sofort wieder abzureisen, sondern ein Ort fernab der grossen Städte und Marktplätze der Eitelkeit.»

Erstes Manifest des Surrealismus

Genau 100 Jahre nach Veröffentlichung des ersten Manifests des Surrealismus ist die Frage, was Kunst in Zeiten von Krieg und Terror kann und darf, wieder oder immer noch aktuell. 1924 hätten die Surrealisten ein «neues Ja» formuliert, sagt Zweifel. Ein «Ja zum Wunderbaren und zum Traum». Diesem Traum versucht das Festival 2024 nachzuspüren.

Zweifel sagt, er lade die Autorinnen und Autoren immer dazu ein, alle vier Tage oder länger auf dem Monte Verità zu bleiben. Dabei entstünden durch Zufälle und Sympathien neue Projekte, der Berg werde zu einer Art Rhizom mit Pilzen, «die quasi über Nacht aus dem Boden schiessen, untereinander kommunizieren und vielleicht auch das Bewusstsein erweitern».

Eröffnet wird die 12. Ausgabe vom britischen Biologen und Bestseller-Autor Merlin Sheldrake. Zu Gast sind ausserdem die deutsche Lyrikerin Marion Poschmann, der österreichische Autor Raoul Schrott, Regisseur Milo Rau, die deutsche Schriftstellerin Ann Cotten sowie der Schlagzeuger Jojo Mayer.

Quelle: sda
veröffentlicht: 19. März 2024 16:00
aktualisiert: 19. März 2024 16:00