Guido Graf verlässt das Luzerner Sozialversicherungszentrum
Das Sozialversicherungszentrum Wirtschaft Arbeit Soziales (WAS) hatte seinen Betrieb 2019 aufgenommen. Der heute 67-jährige Graf, der damals noch Gesundheits- und Sozialdirektor des Kantons Luzern war, übernahm das Verwaltungsratspräsidium. Er habe nun sein Amt per sofort niedergelegt, teilte die Staatskanzlei am Montag mit.
Grund für den abrupten Abgang sind unüberbrückbare Differenzen im Verwaltungsrat, wie es in der Mitteilung hiess. Regierungsrätin Michaela Tschuor sagte dazu gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, es gehe dabei vor allem um die Frage, wie Führung funktioniere. Die unterschiedlichen Ansichten seien kurzfristig und heftig aufgekommen, und sie habe deswegen auch Gespräche geführt.
Unabhängige Untersuchung eingeleitet
Um die Umstände zu prüfen, habe der Regierungsrat eine externe und unabhängige Untersuchung eingeleitet, teilte die Staatskanzlei mit. Der Regierungsrat will dabei gemäss Mitteilung auch die Fragen der Public Corporate Governance prüfen.
Der Regierungsrat begrüsste aber auch die Demission, denn das auf mehrere Standorte verteilte Sozialversicherungszentrum stehe mit dem Umzug an einen zentralen Standort in Kriens vor einem wichtigen Entwicklungsschritt. Graf habe mitgeteilt, dass er mit seiner Demission den Weg für einen unbelasteten Start freimachen wolle, hiess es.
Bereits Ende 2025 hatte die Finanzkontrolle im Auftrag von Gesundheits- und Sozialdirektorin Tschuor die Spesenbezüge des WAS-Verwaltungsrats überprüft. Die Regierungsrätin bestätigte eine Online-Meldung der «Luzerner Zeitung» vom Montag. Diese Überprüfung sei aber «kein Misstrauensvotum» gewesen, sagte sie.
Unstimmigkeiten festgestellt
Gemäss Tschuor hatte der Verwaltungsrat höher Bezüge beantragt, und die Überprüfung sollte zeigen, ob die geltenden Spesenregeln im Vergleich mit anderen öffentliche-rechtlichen Anstalten noch zeitgemäss seien. Dabei habe die Finanzkontrolle auch Unstimmigkeiten festgestellt, sagte die Regierungsrätin.
Bei den Unstimmigkeiten ging es laut Tschuor um Fahrspesen sowie um die Vermischung von strategischen und operativen Aufgaben. Gemäss «Luzerner Zeitung» konnte Verwaltungsratspräsident Graf sich selbst Aufträge erteilen.
Tschuor sagte, es bestehe zumindest den Anschein dazu. Es seien keine für solche Aufgabenerteilungen nötigen Beschlüsse des Gesamtverwaltungsrats protokolliert worden.
Das WAS ist eine öffentlich-rechtliche Anstalt und zuständig für die AHV, die IV, die Arbeitslosenentschädigung, die Prämienverbilligungen, die Familienzulagen oder die Kurzarbeitsentschädigung.
Graf war von 2010 bis 2023 für die Mitte Regierungsrat. Er war Vorsteher des Gesundheits- und Sozialdepartements des Kantons Luzern, dem das WAS zugeordnet ist. Das Departement werde in den nächsten Wochen die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin aufnehmen, hiess es in der Mitteilung. Vorübergehend werde der Verwaltungsrat von Vizepräsident Urs Kneubühler geleitet.