Syrische Regierung übernimmt Gefängnis mit IS-Kämpfern
Das teilte das syrische Innenministerium mit, wie die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtete.
Das al-Aktan-Gefängnis nahe der einstigen IS-Hochburg al-Rakka im Nordosten Syriens gilt mit etwa 1.500 Gefangenen als eine der grössten Haftanstalten für ehemalige IS-Kämpfer verschiedener Nationalitäten.
Versorgungsengpässe in Kurdenhochburg Kobane
Hunderte SDF-Kämpfer, die das Gefängnis bislang bewachten, wurden nach übereinstimmenden Angaben beider Seiten in die von den SDF kontrollierte Stadt Kobane an der türkischen Grenze gebracht.
Die einst vom IS belagerte, mehrheitlich kurdische Stadt Kobane ist seit Tagen von Kräften der Übergangsregierung eingekreist. Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Grossbritannien ist die humanitäre Lage dort durch Versorgungsengpässe inzwischen angespannt.
Verfassungsschutz befürchtet Flucht von IS-Extremisten
Wie das Innenministerium in Damaskus laut Sana mitteilte, sollen die Haftbedingungen und die Haftgrundlage jedes einzelnen Gefangenen in al-Aktan nun überprüft werden.
Die SDF hatten die IS-Terroristen während des Bürgerkriegs mit US-Unterstützung erfolgreich bekämpft und weite Teile Nordostsyriens unter ihre Kontrolle gebracht und dort eine autonome Verwaltung errichtet.
Tausende IS-Kämpfer sowie deren Angehörige wurden dort über Jahre in Gefängnissen und Lagern festgehalten. Seit dem Sturz von Langzeitherrscher Baschar al-Assad durch eine von der Islamistengruppe HTS angeführte Rebellenallianz vor einem Jahr wächst der Druck auf die Kurden, ihre Autonomie aufzugeben. Zuletzt startete die Regierung in Damaskus eine Offensive und drängte die Kurden mit Gewalt zurück.
Der Verfassungsschutz befürchtet, dass durch die syrische Regierungsoffensive Extremisten mit deutschem Pass auf freien Fuss gelangen könnten.
Kurden misstrauen Islamisten in Damaskus
Einem Abkommen aus dem vergangenen Frühjahr zufolge sollten sowohl die SDF-Kämpfer als auch die Verwaltung in den kurdisch geführten Gebieten in nationale Strukturen eingegliedert werden. Doch die Umsetzung scheiterte - nicht zuletzt am Misstrauen der Kurden gegen die islamistische Führung in Damaskus. Deren Kämpfer bringen etwa den weiblichen Einheiten der Kurden offen Verachtung entgegen und richteten in den vergangenen Monaten Massaker unter den Zivilisten anderer Minderheiten Syriens an.
Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa will das Land einen und insbesondere die Ölfelder im Nordosten Syriens unter die Kontrolle von Damaskus bringen. Er hat sich der US-Regierung als Partner im Kampf gegen den IS angedient und den unter der Herrschaft von al-Assad diskriminierten Kurden gleiche Rechte versprochen. Washington stellt sich inzwischen auf die Seite von Damaskus. Von vielen Kurden wird das als Verrat empfunden.
Eine am Dienstag geschlossene Waffenruhe läuft am Samstagabend aus. Von kurdischer Seite hiess es, man hoffe auf eine Verlängerung der von den USA vermittelten Gespräche, um eine Einigung mit Damaskus zu erzielen.