Kriminalität GR

Sprunghafer Anstieg von Vermögensdelikten in Graubünden

25. März 2024, 13:11 Uhr
In Graubünden haben haben Beschaffungsdelikte rund um die Churer Drogenszene zugenommen, Betrüge im Internet sowie Ladendiebstähle. Zudem waren Verbrecherbanden häufiger unterwegs und begingen Delikte gleich in Serie. (Symbolbild)
© Kapo GR
In Graubünden haben 2023 die Widerhandlungen gegen das Strafgesetzbuch stark zugenommen. Häufiger verübt wurden insbesondere Vermögensdelikte, viele davon im Internet, wie die Kantonspolizei am Montag bei der Präsentation der Kriminalstatistik 2023 ausführte.

Die Zunahme der Vermögensdelikte erfolgte in vier Sektoren, wie Barbara Hubschmid, Chefin der Kriminalpolizei, vor den Medien in Chur erklärte. Zugenommen haben Beschaffungsdelikte rund um die Churer Drogenszene, Betrüge im Internet sowie Ladendiebstähle. Zudem waren Verbrecherbanden häufiger unterwegs im Bündnerland und begingen Delikte gleich in Serie.

Wie aus der Kriminalstatistik hervorgeht, wurden im vergangenen Jahr 13'280 Straftaten erfasst, 15 Prozent mehr als 2022. Widerhandlungen gegen das Strafgesetzbuch nahmen um 23 Prozent auf 10'528 zu. Davon waren 6867 Vermögensdelikte, was einer Zunahme von 30 Prozent entspricht. «Zwei Drittel aller Strafdelikte liegen im Vermögensbereich», sagte Hubschmid.

Diebstähle dominieren

Den grössten Anteil der Vermögensstraftaten machten mit 2'772 Delikten die Diebstähle aus. Mit 59 respektive 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr massiv zugenommen haben Ladendiebstähle und Fahrzeugdiebstähle. Bei Letzteren handelt es sich fast ausschliesslich um E-Bikes und Velos.

Gestiegen sind auch Betrugsdelikte (+86%). Drei Viertel der Fälle hatten einen Bezug zum digitalen Bereich. Insgesamt stieg die digitale Kriminalität um beträchtliche 121 Prozent auf 1'139 Fälle. Bei der grossen Mehrheit handelte es sich um Cyber-Wirtschaftskriminalität.

Allerdings relativierte die Kripo-Chefin die steigenden Zahlen der Widerhandlungen gegen das Strafgesetzbuch. Sie wertete positiv, dass Graubünden bei den Delikten im Verhältnis zur Bevölkerungsgrösse nur auf dem 14 Rang liegt. Nur die Innerschweizer Kantone sowie Appenzell Innerrhoden haben tiefere Pro-Kopf-Zahlen.

Zudem konzentriere sich die Kriminalität in Graubünden auf den Raum Chur, wo fast die Hälfte aller Strafgesetzbuch-Delikte verübt werde. «Eigentlich haben wir in Graubünden kein Problem mit deliktischer Tätigkeit», lautete das Fazit der Kripo-Chefin.

Stagnierende Zahlen bei den Betäubungsmitteldelikten

Mit Blick auf die beträchtliche offene Drogenszene in Chur überrascht es, dass die Zahlen bei den Betäubungsmitteldelikten stagnieren (1185 Straftaten). Andri Müller, Chef der Ermittlungsdienste, erklärte das hauptsächlich mit einer Eigenart dieser Delikte. Es handle sich um eine sogenannte Holkriminalität. Die Polizei müsse von sich aus ermitteln, um Delikte aufzudecken und nicht nur auf Anzeigen hin.

«Je mehr wir investieren, desto mehr Delikte erhalten wir», erklärte Müller. Damit steuere die Polizei die Anzahl der Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz in einem gewissen Ausmass mit.

Steigende Zahlen gibt es laut dem Ermittlungschef in Chur und im Engadin. Im Handel auf dem Vormarsch sei Kokain. Die Preise seien tief, die Reinheit hoch. «Es herrscht ein Überfluss an Kokain», erklärte Hubschmid.

Quelle: sda
veröffentlicht: 25. März 2024 11:57
aktualisiert: 25. März 2024 13:11