Serbien: Zehntausende bei Schlusskundgebung der Studenten
Zehntausende hörten auf dem zentralen Slavija-Platz die Reden von zehn Kandidatinnen und Kandidaten, berichtete das Nachrichtenportal «danas.rs». Die neue Studentenliste fordert bei der vorgezogenen Parlamentswahl am Sonntag die Macht des autokratischen Populisten Aleksandar Vucic heraus, der die Politik in Serbien seit 14 Jahren dominiert. Meinungsumfragen sehen die Studentenliste in einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit Vucics Serbischer Fortschrittspartei (SNS).
Kandidat Tihomir Stanic sagte auf der Abschlusskundgebung: «Wir haben es satt, dass wir nicht alle vor dem Gesetz gleich sind.» Serbien verdiene Freiheit, Gerechtigkeit und eine verantwortliche Regierung. Andere Redner sagten, die Bürger hätten die Wahl «zwischen Serbien oder der Mafia, zwischen Freiheit oder Sklaverei, zwischen Wohlstand oder Niedergang».
Unter Vucic hat sich die Korruption Kritikern zufolge systematisch ausgebreitet. Vucic, der im September aus taktischen Gründen als Präsident zurückgetreten war, um nun Ministerpräsident zu werden, hat weite Teile der Justiz unter seine Kontrolle gebracht. Er lässt politische Gegner durch Schlägertrupps seiner Partei einschüchtern und engt die Freiheit der Medien ein. Unter seiner Regierung hat Serbien keine Fortschritte bei der angestrebten Annäherung an die EU gemacht.
Die Studentenliste wurde von der neuen Studentenbewegung aufgestellt. Diese entstand aus den massiven Protesten nach dem Einsturz des Bahnhofsvordachs in der nordserbischen Stadt Novi Sad im November 2024, bei dem 16 Menschen ums Leben kamen. Kritiker führten das Unglück auf die Korruption und Schlamperei der Vucic-Regierung zurück.