Deutschland

Schuster: Solidarität mit Israel darf nicht nur auf Schoah gründen

26. November 2023, 17:04 Uhr
ARCHIV - Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, spricht im Inneren der ehemaligen Synagoge Allersheim im Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim. Foto: Pia Bayer/dpa
© Keystone/dpa/Pia Bayer
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat Zweifel an der Belastbarkeit der westlichen Solidarität mit Israel und dem Judentum bekundet. Zwar sei die Bedeutung von Politikerreisen nach Israel wie die am Sonntag von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundestagspräsidentin Bärbel Bas «kaum hoch genug einzuschätzen», schrieb der mitreisende Schuster in einem Beitrag für den «Spiegel». Aber die deutsche Enthaltung bei der UN-Resolution für eine dauerhafte Waffenruhe im Gazastreifen trübe das Bild. Und der Hamas-Terror werde im Westen «gerade an jenen Orten, die sich für besonders zivilisiert halten - den Universitäten, den Theaterhäusern, ja auch den Redaktionsstuben, einigen Regierungssitzen und bürgerlichen Milieus - relativiert».

Es sei durchaus möglich, fest an Israels Seite zu stehen und gleichzeitig dessen Regierung zu kritisieren, schrieb Schuster weiter. «Was häufig bleibt, ist eine Verkürzung der deutschen Haltung auf eine besondere Verantwortung gegenüber dem jüdischen Staat wegen der Schoah. (...) Aber darin darf sich die Solidarität mit Israel doch nicht erschöpfen.» Denn: «Vielmehr gilt es, an der Seite Israels zu stehen, auch weil das Land dem unseren in Herrschaftssystem und Gesellschaftsform so gleicht wie kein anderes in der Region» - bei der Freiheit des Einzelnen, der Liberalität und dem absoluten Vorrang der Würde des Menschen. In vielem - Emanzipation, Innovationskraft, Ausgleich von Moderne und Tradition, Verteidigungsbereitschaft - sei Israel «sogar den einen oder anderen Schritt voraus».

Quelle: sda
veröffentlicht: 26. November 2023 17:04
aktualisiert: 26. November 2023 17:04