Naturschutz

Riesiges Kaltwasser-Korallenriff vor der US-Ostküste entdeckt

18. Januar 2024, 12:30 Uhr
Die Kaltwasser-Korallen der Art Desmophyllum pertusum sind trotz der weissen Farbe gesund. Tiefsee-Korallen sind nicht auf symbiotische Algen angewiesen sind, können also nicht ausbleichen.
© NOAA Ocean Exploration/Windows to the Deep 2019
Vor der Ostküste der USA ist eines der weltweit grössten Kaltwasser-Korallenriffe entdeckt worden. Es erstrecke sich von Miami bis zur knapp 800 Kilometer weiter nördlich gelegenen Stadt Charleston, hiess es am Mittwoch (Ortszeit) von der Ozeanographiebehörde NOAA.

Das Riff habe eine Fläche von knapp 25'900 Quadratkilometern - ist also etwa so gross wie der US-Bundesstaat Florida, oder rund zwei Drittel der Fläche der Schweiz.

Es handle sich um eines der grössten Tiefseekorallenriffe, das bisher weltweit entdeckt worden sei, hiess es. Zwar seien in früheren Untersuchungen des Gebiets bereits Korallenhügel in Küstennähe und in flacheren Gewässern gefunden worden. Doch erst nach der vollständigen Kartierung des sogenannten Blake-Plateaus in einer Tiefe von 500 bis 1000 Metern Tiefe sei bekannt, «wie umfangreich dieser Lebensraum ist und wie viele dieser Korallenhügel miteinander verbunden sind».

Der Entdeckung vorausgegangen seien zehn Jahre systematischer Kartierung des Gebiets und mehr als 20 Erkundungstauchgänge. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts, an dem unter anderem die NOAA und weitere US-Behörden beteiligt waren, waren am 12. Januar in der Fachzeitschrift «Geomatics» veröffentlicht worden.

Tiefsee noch weitgehend unerforscht

Kaltwasserkorallen wachsen nach Angaben der Forscher bei Temperaturen zwischen 4 und 14 Grad in der Tiefsee, wo kein Sonnenlicht hingelangt. Die sogenannten Nesseltiere ernähren sich von Schwebstoffen im Wasser. Bislang seien Kaltwasser-Korallenriffe vor den Küsten von mindestens 41 Ländern entdeckt worden, hiess es in der Studie. Wissenschaftler gingen von einer noch weiteren Verbreitung aus, jedoch sei der grösste Teil der Tiefsee bisher noch nicht erforscht und kartiert.

Die Riffe in der Tiefe wachsen den Angaben zufolge nur langsam und sind dadurch anfällig für physische Schäden durch Aktivitäten des Menschen. Zu den grössten Bedrohungen für Kaltwasserkorallen gehören demnach der Fischfang mit Bodenschleppnetzen, die Förderung von Rohstoffen aus der Tiefsee und die Verlegung von Unterwasser-Kabeln und Pipelines.

Quelle: sda
veröffentlicht: 18. Januar 2024 12:30
aktualisiert: 18. Januar 2024 12:30