Russland

Putin: Flugabwehr aus der Ukraine schoss Il-76 mit Gefangenen ab

26. Januar 2024, 20:10 Uhr
Nach dem Absturz eines russischen Militärtransportflugzeugs legen Frauen in der Grenzregion Belgorod Blumen an einem Gefallenendenkmal nieder. Foto: Uncredited/AP/dpa
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Kremlchef Wladimir Putin hat in einer ersten öffentlichen Reaktion nach dem Absturz des russischen Flugzeugs Il-76 im Gebiet Belgorod der Ukraine die Schuld gegeben. Die Flugabwehr auf ukrainisch kontrolliertem Gebiet habe die Iljuschin mit zwei Raketen abgeschossen, sagte Putin am Freitag in St. Petersburg bei einem Treffen mit Militärvertretern. Die ukrainische Seite habe vorab Bescheid gewusst, dass an Bord 65 ihrer Kriegsgefangenen gewesen seien. «Was geschehen ist, das ist ein Verbrechen», betonte Putin. Er forderte eine Aufklärung des Vorfalls vom vergangenen Mittwoch.

Die Iljuschin sei entweder vom US-System Patriot oder von einem europäischen System - «am ehesten einem französischen» - abgeschossen worden, sagte Putin. Nach Untersuchung der Raketenreste werde es in einigen Tagen eine klare Antwort geben, mit welchem System geschossen worden sei. Auch die Menschen in der Ukraine müssten erfahren, was passiert sei. «Ich weiss nicht, ob sie das absichtlich oder durch einen Fehler, aus Gedankenlosigkeit, gemacht haben - aber sie haben es getan.»

Dabei wies Putin kategorisch zurück, dass die russischen Streitkräfte ihr eigenes Flugzeug abgeschossen haben könnten. «Unsere Flugabwehrsysteme können schon grundsätzlich nicht einen Schlag gegen ein eigenes Flugzeug ausführen», betonte er. Vielmehr seien die Flubabwehraketen schon zwei, drei Minuten nach dem Start eingeschlagen. Nach russischen Angaben starben auch neun russische Besatzungsmitglieder.

Der ukrainische Militärgeheimdienst sei vorab über den Transport der Kriegsgefangenen informiert gewesen, sagte Putin. In der Ukraine war zwar bestätigt worden, dass der Austausch geplant war. Allerdings hiess es, dass es keine Informationen zu den Gefangenen an Bord der Il-76 gegeben habe. Es gibt weiter keine Beweise, dass Gefangene tatsächlich an Bord waren. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte eine internationale Untersuchung gefordert.

Russland führt seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine seit fast zwei Jahren. Putin sagte bei dem Treffen, an dem auch aus dem Krieg zurückgekehrte Soldaten teilnahmen, dass die Ziele seiner Invasion erreicht würden. An der Front seien derzeit 600 000 Soldaten im Einsatz, sagte er. Die Ukraine verteidigt sich mit westlicher Militärhilfe, darunter Flugabwehrsysteme etwa vom Typ Patriot, gegen die russischen Angriffe.

Quelle: sda
veröffentlicht: 26. Januar 2024 20:10
aktualisiert: 26. Januar 2024 20:10