Gesundheitsversorgung

Kantonsspital Graubünden kann Kinderintensivstation behalten

26. März 2024, 11:35 Uhr
Die Kinderintensivstation des Kantonsspitals Graubünden ist für weitere sechs Jahre gesichert. (Archivbild)
© KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER
Grosse Erleichterung am Kantonsspital Graubünden in Chur: Die gefährdete Kinderintensivstation bleibt bestehen. Das nationale HMS-Beschlussorgan hat dem Spital die Leistungsaufträge für die Intensivstation für Neugeborene und für schwer verunfallte Kindern und Jugendliche für weitere sechs Jahre erteilt.

Die beiden Leistungsaufträge lauten in voller Länge «Schweres Trauma und Polytrauma, inklusive Schädelhirntrauma bei Kindern und Jugendlichen bis 16 Jahre» sowie «Früh- und Termingeborenenintensivpflege», wie das Kantonsspital (KSGR) am Dienstagmorgen mitteilte.

«Die Freude und noch viel mehr die Erleichterung sind gross. Das Kantonsspital Graubünden wird auch weiterhin für die kleinsten Patientinnen und Patienten da sein», wird Spital-CEO Hugo Keune in der Mitteilung zitiert.

Erteilt werden die genannten Leistungsaufträge von Gremien der Interkantonalen Vereinbarung über die hochspezialisierte Medizin (IVHMS). Diese wurde im Auftrag des Bundes geschaffen, um in der hochspezialisierten Medizin eine gesamtschweizerische Planung vorzunehmen.

Streichungspläne für Chur

Vor einem Jahr wurden Pläne der IVHMS bekannt, die beiden Leistungsaufträge in Chur nicht mehr zu erteilen. Künftig sollten Spitäler in Zürich und St. Gallen die schwerkranken Kinder aus Graubünden behandeln.

«Der ursprüngliche Gedanke, die hochspezialisierte Medizin an einzelnen Standorten in der Schweiz zu konzentrieren, wird je länger, je mehr ad absurdum geführt», erklärte damals Spital-CEO Keune. Immer mehr Behandlungen würden ohne medizinischen Grund als hochspezialisiert definiert. Dabei gehe es aber oft um Behandlungen, die am Kantonsspital Graubünden täglich durchgeführt würden.

Sollten die beiden Leistungsaufträge am Kantonsspital wegfallen, befürchteten die Spitalverantwortlichen, die ganze Kinder-Intensivstation schliessen zu müssen. Die Arbeit in einer so «zusammengestrichenen» Kinder-Intensivpflege wäre für viele hochqualifizierte Ärzte nicht mehr reizvoll, hiess es damals.

Bevölkerung stellte sich hinter das Spital

Deshalb wehrten sich das Kantonsspital, die Bündner Politik und die Bevölkerung gegen die geplanten Leistungsstreichungen. Über 30'000 Personen forderten in einer Petition an die Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK), zu der die IVHMS gehört, den Erhalt der Leistungsaufträge. Damit hatten sie weitgehend Erfolg.

Ausstehend ist nur noch ein Entscheid zum Leistungsauftrag zur Krebsbehandlung bei Kindern. Das Kantonsspital betreibt die Kinder-Onkologie als Satellitenstation des Kinderspitals Zürich.

Martin Schmid (FDP), Ständerat und Verwaltungsratspräsident des Kantonsspitals, zeigte sich in der Mitteilung sehr zufrieden mit dem Entscheid der IVHMS. «Das KSGR ist mit seiner Kinderintensivstation nicht nur für die regionale Versorgung in Graubünden und der ganzen Südostschweiz systemrelevant, sondern spielt auch für die Versorgung in der ganzen Schweiz eine wichtige Rolle», erklärte Schmid.

Das habe sich gerade in der letzten RSV-Welle wieder gezeigt. Das Bündner Kantonsspital hatte kranke Kinder aus verschiedensten Regionen der Schweiz aufgenommen, weil die dortigen Spitäler an ihre Kapazitätsgrenzen stiessen.

KSGR als «bedarfsnotwendig» eingestuft

Die neuen Leistungsaufträge seien im Rahmen einer periodischen Neubeurteilung erteilt worden, erklärte die Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren ebenfalls am Dienstag in einer Mitteilung. Das HMS-Beschlussorgan habe gestützt auf Empfehlung des Fachorgans für hochspezialisierte Medizin entschieden - und nach einer breiten Anhörung.

«Das KSGR wurde nach vertiefter Auswertung der Stellungnahmen aus der Anhörung als bedarfsnotwendig beurteilt», schrieb die GDK. Die Leistungsaufträge seien pro Teilbereich an diejenigen Leistungserbringer vergeben worden, die in ihrer Gesamtheit die Versorgung am besten abdeckten.

Insgesamt waren 57 Bewerbungen für einzelne Leistungsaufträge eingegangen, 34 Leistungsaufträge in elf Teilbereichen wurden erteilt. Nebst dem Bündner Kantonsspital erhielten neun weitere Spitäler mindestens einen Leistungsauftrag, darunter die Universitätsspitäler in Bern, Basel, Genf, Waadt und Zürich.

Quelle: sda
veröffentlicht: 26. März 2024 09:37
aktualisiert: 26. März 2024 11:35